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Cannabis in Lüneburg Marihuana-Bauern müssen lange ins Gefängnis

Die Polizei entdeckt eine gewaltige Drogenplantage. Zwei Männer werden daraufhin festgenommen. Das Gericht sieht eine fabrikmäßige Produktion von höchstem Standard – und verhängt lange Haftstrafen.

Passanten schnuppern in einem Lüneburger Industriegebiet verdächtige Gerüche. Sie verständigen die Polizei, und die wird fündig. In einer Lagerhalle entdecken die Beamten eine gewaltige Drogenplantage. Sie brauchen Tage, bis sie die rund 4000 Cannabis-Pflanzen abgeerntet haben. Marihuana im Wert von einer halben Million Euro wird in der rund 1000 Quadratmeter großen Lagerhalle sichergestellt, zwei Männer werden festgenommen. Rund acht Millionen Euro sollen sie laut Staatsanwaltschaft als Betreiber eingenommen haben. Am Donnerstag sprechen die Richter am Landgericht Lüneburg das Urteil und verhängen hohe Haftstrafen.

Gegen einen 54-Jährigen aus Buchholz in der Nordheide verhängt das Gericht zehneinhalb Jahre Haft. Er soll Beziehungen, Geld und Know-how eingebracht haben. Ein 34-Jähriger aus Hamburg muss für siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis. Nach Überzeugung des Gerichts sollen die Männer zunächst Cannabis-Pflanzen in Dassendorf bei Geesthacht in Schleswig-Holstein angebaut haben, ab 2011 dann in Lüneburg. "Wir reden von 3000 bis 4000 Pflanzen, das hat nichts zu tun mit dem Hobbygärtner im Keller", sagt der Vorsitzende Richter Axel Knaack.

54-Jähriger widerruft sein Geständnis

"In dieser Zeit wurden rund 1,4 Tonnen Marihuana von durchgehend guter Qualität produziert", begründet Knaack das Strafmaß. Das Marihuana habe einen THC-Gehalt von rund zehn Prozent gehabt, bei schlechten Ernten etwas weniger. Knaack spricht von einer "fabrikmäßigen Produktion von höchstem Standard". Die Anklage hatte am Montag noch höhere Gefängnisstrafen gefordert. Sie plädierte auf zwölfeinhalb Jahre für den 34-Jährigen und elfeinhalb Jahre für den 54-Jährigen.

Am Donnerstag halten zunächst die Verteidiger ihre Plädoyers. Bei einem großen Teil der erhobenen Vorwürfe habe sich die Staatsanwaltschaft ausschließlich auf die Angaben des älteren Angeklagten gestützt, erklären sie. Der 54-Jährige hatte nach seiner Festnahme zwar umfassend ausgesagt, das Geständnis aber am Montag nach mehr als 20 Verhandlungstagen durch seinen Anwalt widerrufen lassen. Nur wenig aus der Anklage sei zutreffend, erklärt der Jurist am Donnerstag und plädiert auf eine Haftstrafe von höchstens vier Jahren. Doch das Gericht folgt am Ende auch den detaillierten Angaben aus dem Geständnis.

"Das war ein Fehler"

Der 34-Jährige aus Hamburg räumt nur einen kleinen Teil der Vorwürfe ein. Sein Anwalt fordert am Donnerstag eine Bewährungsstrafe. Man könne nur von einer "Beihilfehandlung" ausgehen, sagt er. Mit dem Verkauf habe sein Mandant nichts zu tun gehabt. Was er getan habe, das bereue er, sagt der Angeklagte in seinem knappen Schlusswort. "Das war ein Fehler." Doch die übrigen Vorwürfe würden ihn "sprachlos" machen, meint der breitschultrige Mann mit den kurz rasierten Haaren. Der 54-Jährige schließt sich nur kurz den Worten seines Anwalts an. Nach der Verhandlung kündigen die beiden Verteidiger an, Revision einzulegen.

Seit Jahren steigt in Deutschland die Zahl der entdeckten Drogenplantagen. Der "Stern" berichtete in der vergangenen Woche umfassend darüber. Auch die Zahl der Profiplantagen mit mehr als 1000 Pflanzen sein in den vergangenen Jahren auf bis zu 29 im Jahr 2014 gestiegen, heißt es dort unter Berufung auf das Bundeskriminalamt. Mit kleineren Anlagen waren es mehr als 800. Dank Indoor-Zucht liege der berauschende THC-Gehalt von Marihuana im Schnitt mittlerweile bei mehr als zwölf Prozent, im Jahr 2000 seien es noch fünf gewesen.

So stehen seit Ende Januar drei mutmaßliche Betreiber einer Plantage mit mehr als 19 000 Pflanzen vor dem Landgericht Berlin. Auch in diesem Fall hatten auffällige Gerüche einen Nachbarn stutzig werden lassen.

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