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Oscars 2016 Goldjungen für deutschen Filmausstatter?

Der Smoking hängt im Schrank, das Ticket für die Oscars hat er auch schon: Bernhard Henrich ist in Hollywood auf dem Höhenflug und könnte als erster deutscher Filmausstatter einen Oscar holen.

In der edlen Lobby des Beverly Hilton Hotels sticht Bernhard Henrich aus der Menge hervor. Fröhliches Grinsen, Turnschuhe, Jeans, kariertes Hemd, dazu schlohweiße Haare. Er hat gut lachen. In der Hand ein dunkler Umschlag mit der goldenen Aufschrift "OSCARS". Darin steckt der Höhepunkt seiner jahrzehntelangen Arbeit als Film-Ausstatter.

Zuletzt war der Berliner als "Set Decorator" für Steven Spielbergs Thriller "Bridge of Spies" im Einsatz, vom Studio Babelsberg koproduziert. Und nun geht es zu den Oscars. Henrich macht den Umschlag auf, zieht die Karten heraus und schlägt sich lachend auf die Schenkel. "750 Dollar ist die Eintrittskarte wert, ist das nicht schön. Das muss ich fotografieren." Er zückt  sein häufig piepsendes Handy. Es kommt noch besser. Das Ticket für den anschließenden Governors Ball hat ein Preisschild von 1500 Dollar. "Ich fass das nicht", lacht der 63-Jährige.

Das glaubt man ihm gern. Natürlich muss er als Oscar-Anwärter nichts zahlen. Als erster deutscher Film-Ausstatter könnte er den Goldjungen nach Deutschland holen, zusammen mit dem im vorigen Jahr gekrönten amerikanischen Oscar-Preisträger Adam Stockhausen ("Grand Budapest Hotel") und der Kollegin Rena DeAngelo in der Sparte "Production Design".

"Neben Regisseuren und Produzenten existieren wir Filmausstatter doch kaum"

Seit Wochen schon wird das Team als Stars behandelt, zuletzt bei der Verleihung der Bafta-Preise im Londoner Kensington Palace. Und davor beim Luncheon für die Oscar-Anwärter in Beverly Hills. "Ich wurde in der S-Klasse vorgefahren, genau wie Jennifer Lawrence", strahlt der Berliner. Drei Tage vor der Oscar-Gala ist Henrich am Sonntag in Siegerlaune, obwohl er fest davon ausgeht, dass "Mad Max: Fury Road" - wie bei den Baftas - die Trophäe holen wird. "Eigentlich ist das sehr befreiend. Denn im Grunde haben wir schon damit gewonnen, überhaupt nominiert zu sein." Sie würden nun herumgereicht, könnten Kontakte knüpfen. Alles hält der Berliner auf seinem Handy fest - etwa ein Foto, auf dem er mit Matt Damon schäkert.

Doch vor allem freut er sich über das Rampenlicht, um in seiner Heimat für seinen Berufsstand zu werben. "In Deutschland sind die Regisseure und Produzenten wichtig, wir existieren daneben kaum. Wir haben Probleme, wahrgenommen zu werden", klagt Henrich.

Als Film-Ausstatter muss er dafür sorgen, dass die Vision von Szenenbild und Regie sich in der Einrichtung des Sets wiederfindet. Dazu gehören Auswahl, Budgetierung und Platzierung aller Dekorationsgegenstände, um die Geschichte in Szene zu setzen. Mit den Stars am Set geht es oft locker zu. Mit George Clooney wohnte er im selben Hotel, "da hat man sich oft zusammengesetzt". Guten Kontakt habe er auch mit Tom Cruise gehabt, "weil der sich für alles Mögliche interessiert hat".

Freunde und Verwandte "freuen sich wie Bolle"

An über 30 Filmen war er beteiligt, darunter Großproduktionen wie "Monuments Men", "Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat" und "Die Bourne Verschwörung" mit Matt Damon. Dass er nun selbst als Nominierter im Mittelpunkt steht, könne er immer noch nicht glauben, aber er sei "ganz ernsthaft total glücklich". So gehe es auch Freunden und Verwandten in Deutschland. "Ich komme aus einem kleinen Ort, Niederwürzbach im Saarland, die freuen sich wie Bolle, die sind stolz und das finde ich einfach toll."

Am Sonntag wird Henrich mit seiner Frau Marita über den roten Teppich laufen. Sein Smoking-Outfit ist voll gesponsert, die Limousine steht bereit. Nur ein Problem müsse er noch lösen. "Man möchte doch Fotos von sich auf dem roten Teppich haben. Denn diese Gelegenheit gibt es sicher nur einmal im Leben. Das wird ja nicht nochmal vorkommen", grinst Henrich.

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