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Nach Griechenland Bulgarische Roma-Mütter verkaufen Babys für 1700 Euro

Dank eines laschen Adoptionsgesetzes in Griechenland wittern immer mehr arme Bulgarinnen einen Nebenverdienst mit dem Verkauf ihrer Babys. Nun schreitet die Justiz ein.

"Ilijana fuhr schwanger nach Griechenland. Vor einer Woche kam sie zurück – ohne Bauch und ohne Baby", erzählt eine Frau im bulgarischen Dorf Eksarh Antimowo. Geschichten wie diese sind in den Roma-Gemeinden Bulgariens häufig zu hören. Bettelarme Eltern verkaufen ihre Neugeborenen im benachbarten Griechenland, wo das Adoptionsgesetz sehr lasch ist.

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Es sei bereits das dritte Baby, das Ilijana verkauft habe, sagt die Frau in Eksarh Antimowo. Das Dorf liegt nicht weit von Burgas. In den Roma-Gettos dieser Großstadt im Südosten Bulgariens begann der Babyhandel vor 15 Jahren und breitete sich von dort in andere Teile des Landes aus. 2015 konnte die Staatsanwaltschaft von Burgas den Verkauf von 33 Säuglingen nach Griechenland nachweisen.

In dem verarmten bulgarischen Dorf Ekzarh Antimovo hat der Handel mit Neugeborenen stark zugenommen. (Foto: AFP)

Eine Mutter aus Eksarh Antimowo ist derzeit angeklagt, ihren neugeborenen Jungen gegen Geld zur Adoption freigegeben zu haben. Das Haus der Angeklagten hat neue Fenster und hebt sich mit seinem weißen Anstrich deutlich von den Bretterbuden der Nachbarn ab. Mit den Medien sprechen will die junge Frau nicht. "Ich bin nicht diejenige, die sie suchen", blafft sie die Reporterin an, als diese an die Tür klopft.

"97 Prozent der Einwohner sind Analphabeten", sagt der Bürgermeister des Dorfes, Saschko Iwanow. Er bezeichnet den Babyhandel als "vereinzeltes Phänomen". Aber: "Babys wurden und werden verkauft, weil das Elend so groß ist."

Menschenhändler stellen den Kontakt zwischen den schwangeren Roma-Frauen und kinderlosen griechischen Paaren her. "Die Fälle sind sehr schwer zu beweisen", sagt Iwan Kirkow, Staatsanwalt in Burgas. "Die Mütter sagen nicht gegen die Händler aus."

Laut Kirkow bekommen die Mütter zwischen 3500 und 7000 Lew (1800 bis 3600 Euro) für ihr Kind. Das ist zwar nur ein Bruchteil dessen, was die Händler kassieren, aber dennoch viel Geld in einem Land, in dem der durchschnittliche Monatslohn bei 400 Euro liegt.

Das griechische Adoptionsgesetz erleichtert den Menschenhandel – für eine rechtmäßige Adoption muss die Mutter lediglich vor einem Notar erklären, dass sie ihr Kind einem bestimmten Paar geben will. Geld dafür zu nehmen ist allerdings illegal. Nach bulgarischem Recht werden die Mütter nur dann bestraft, wenn sie auf eigene Faust handeln.

Und die Menschenhändler kämen oft mit einer Bewährungsstrafe davon, sagt Staatsanwalt Kirkow. In den vergangenen fünf Jahren wurden ihm zufolge in Burgas und der gleichnamigen Provinz 16 Menschen wegen des Handels mit Babys bestraft.

"Fünf, sechs Babys im Monat"

Vor kurzem packte ein in den Menschenhandel verstrickter Rom aus Burgas in einem Fernsehinterview aus. "Drei oder vier Menschenhändler bedienen den ganzen griechischen Markt. Sie verkaufen fünf, sechs Babys im Monat", sagte Plamen Dimitrow dem Sender Nowa. Die Frau eines der Händler, "Elena aus Kasanlak, hält den Rekord, sie hat acht Babys weggegeben."

In der ein paar Autominuten von Burgas entfernten Stadt Kameno zeigt ein Polizist auf riesige Häuser in einem Romaviertel. Diese gehörten Menschenschmugglern, die Babys auf die Insel Kreta vermittelten, sagt er. "Geld machen sie aber auch als Schleuser."

Da die Justiz den Babyhandel nicht eindämmt, ist die Leiterin eines Kindergartens in Kameno selbst aktiv geworden. Unterstützt von einer Nichtregierungsorganisation bringt Maria Iwanowa Kindergarten- und Schulkindern bei, dass "der Verkauf von Brüdern und Schwestern nicht normal ist".

Anfangs wollte sie mit den Müttern über das Thema sprechen, stieß dabei jedoch auf große Feindseligkeit. Deshalb setzt Iwanowa nun bei den Kindern der Roma an: Viele Jungen und Mädchen tragen inzwischen Armbänder und Aufkleber mit dem Aufdruck: "Ich bin nicht zu verkaufen."

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