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Briefverkehr mit Psychiater Andreas L.s verzweifelte Mails an seinen Arzt

Niemand kann verstehen, warum Andreas L. eine voll besetzte Passagiermaschine abstürzen ließ. In welchen seelischen Nöten sich der 27-Jährige befand, veranschaulichen jetzt E-Mails des Kopiloten.

Vor fast genau einem Jahr erschütterte ein Flugzeugabsturz die Welt: Der Kopilot einer Germanwings-Maschine steuerte absichtlich in ein französisches Gebirgsmassiv, riss dabei 149 Menschen mit in den Tod. Relativ kurz nach der Tat stand fest: Andreas L. hatte schwerwiegende psychische Probleme. Das Resultat: ein erweiterter Suizid.

In welchen seelischen Nöten sich der 27-Jährige befand, veranschaulichen jetzt auch E-Mails des Kopiloten. Der Schriftverkehr, den L. mit einem Psychotherapeuten aus Montabaur führte, liegt der "Bild" im Wortlaut vor. Darin schildert der junge Mann seine überbordende Angst, dass er in näherer Zukunft erblinden könnte. Seine Symptome beschreibt er so: "Weiß erscheint nicht mehr als weiß und die Beleuchtung muss schon gut sein, um einigermaßen sehen zu können."

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Fatal an dieser Beobachtung ist vor allem: Was auch immer die Ursache für die Abnahme der Sehkraft gewesen sein mag, Ärzte konnten L. zunächst nicht weiterhelfen. Er schrieb weiter: "Laut der Uniklinik liegen keine Befunde vor, die mein verändertes Sehen organisch erklären können." Alleingelassen mit den unerklärlichen Veränderungen wuchs die Verzweiflung des Mannes. Nach L.s Empfinden verschlechterten sich seine Fähigkeiten, Helligkeit und Kontraste normal wahrzunehmen.

Doppelte Menge an Antidepressivum genommen

Während dieser Zeit nahm der 27-Jährige bereits ein Medikament gegen Depressionen. Um die Ängste zu bekämpfen, verdoppelte er die Dosis des Antidepressivums Mirtazapin. Doch die erwünschte Wirkung blieb aus. "Mit der höheren Dosis bin ich eher unruhiger und habe manchmal auch etwas Panik in Bezug auf die Augen," berichtet L. dem Therapeuten.

Die Angstgefühle sorgten bei dem jungen Piloten für einen Teufelskreis: Er fand kaum noch Schlaf, wodurch er einem beständigen Stresszustand nicht mehr entkommen konnte. "Dadurch dass ich Angst habe, weiter blind zu werden, und die Fixierung auf die Augen weiter besteht, kreisen die Gedanken ständig darum und der Stress erhöht sich, wodurch ich mich nicht mehr dauerhaft zum Schlafen runterfahren kann", erklärt sich L. seinem Therapeuten.

Angeblich soll L. insgesamt 41 Ärzte verschiedener Fachrichtungen kontaktiert haben, von denen viele auch den psychischen Schwerpunkt der Probleme erkannten. Meist blieb ihnen aber keine andere Möglichkeit, als dem Piloten mit Überweisungen an weitere Spezialisten und Kliniken zu helfen.

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