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Streit um Hanako Die traurigste Elefantendame der Welt

Hanako hat ihr ganzes Leben im Betongehege eines Zoos verbracht. Jetzt soll die traurige Elefantendame ihren Lebensabend in einem Naturpark verbringen - doch dafür ist es vielleicht zu spät.

Es ist ein bescheidener Zoo. Inmitten kleiner Käfige mit Eulen, Meerschweinchen und Waschbären steht Japans ältester Elefant in seinem Gehege, auf einem Betonboden, der ungefähr halb so groß ist wie ein Basketballfeld. Besser gesagt: in ihrem Gehege, denn es handelt sich um eine Elefantendame, Hanako heißt sie, übersetzt Blumenkind. Gerade trinkt sie Wasser aus einem Eimer und kaut dann ein paar Bananen - mit dem einzigen Zahn, der ihr noch geblieben ist.

Hanako war zwei Jahre alt, als sie als Geschenk der thailändischen Regierung in den Inokashira-Park-Zoo kam. Inzwischen ist sie 69, was ungefähr der Lebensspanne Asiatischer Elefanten in Gefangenschaft entspricht. Wird sie auch den Rest ihrer Tage in dem Zoo verbringen? Darüber wird zurzeit heftig gestritten.

Petition für eine Umsiedlung

Eine Online-Petition zielt darauf ab, dass Hanako in einen thailändischen Tierpark verlegt wird. Hier könnte sie sich wenigstens an ihrem Lebensende mit Artgenossen tummeln - im Gegensatz zu ihrem einsamen Dasein in dem Betongehege mit einem Planschbecken. "Gebt ihr ein wirkliches Leben oder schickt sie in einen Naturpark", heißt es in der an den Zoo in einem Tokioter Vorort und an die japanische Regierung gerichteten Petition. Zehntausende Menschen haben sie bereits unterschrieben. 

Der Zoo räumt ein, dass er nicht voll für die Haltung eines Elefanten ausgestattet sei. Hanako wird das letzte Rüsseltier dort sein, wie Vizedirektor Hidemasa Hori sagt. Aber zugleich beharrt er darauf, dass sich die Einrichtung am besten mit der Pflege der Elefantenkuh auskenne. Die betagte Dame möge keine Veränderungen, er glaube daher, dass sie im Zoo bleiben sollte: "Es ist zu spät für Hanako."

Eine kanadische Besucherin, Ulara Nakagawa, hatte die Petition mit ihrem Blog ausgelöst. Sie meint, dass Japans Sichtweise von der artgerechten Tierhaltung in Zoos hinter dem globalen Trend hinterherhinke, den Tieren in Gefangenschaft möglichst viel von ihrer natürlichen Umwelt zu bieten. Sie sei geschockt von Hanakos Anblick gewesen - so grau und still in ihrem Gehege, dass sie im ersten Augenblick gedacht habe, es sei eine Statue.

Japanische Zoos sind anders

Hori weist unterdessen darauf hin, dass Zoos nach japanischem Verständnis Ausstellungen von Wildleben zu Bildungszwecken seien - ein Standpunkt, der sich kulturell von der westlichen Sichtweise unterscheide und den er verteidigt. Die Petition findet er "selbstgerecht und borniert".

Tatsächlich bieten japanische Zoos zumeist keine grünen und weichen Böden für große Säugetiere, wobei Hanakos Betongehege allerdings ein Extrem ist. Die größte Ähnlichkeit zu einem natürlichen Tierpark weist der Fuji-Safari-Park auf, wo Besucher mit ihren Autos in Gebiete mit frei herumlaufenden Tieren wie etwa Giraffen fahren können.

Chris Draper von der gemeinnützigen Tierschutzorganisation Born Free Foundation ist dafür, dass Hanakos Lebensbedingungen vor Ort verbessert werden, wenn ein Umzug zu riskant sei. So könne man das Gehege vergrößern, einen beheizten Pool und Sandhaufen hinzufügen und den Boden verändern. Am besten, so Draper, wäre es, wenn unabhängige Experten eingeschaltet und Empfehlungen abgeben würden.

Hanakos Betongehege gilt als ein Extrem, selbst für japanische Zooverhältnisse. (Foto: AP)

Stadtverwaltung will nun reagieren

Nun soll ihr Betonwanne doch noch interessanter gestaltet werden. Vor seiner Entscheidung, das Gehege zu verschönern, hatte sich der von der Tokioter Stadtverwaltung betriebene Zoo mit der Spezialistin Carol Buckley beraten. Diese riet nicht nur von einer Verlegung nach Thailand ab, sondern auch von aufwendigen Umbauten am Gehege. Hanako sei in ihrem Zoo glücklich und liebe ihre Pfleger, sagte Buckley. Deshalb habe sie empfohlen, Infrarotheizstrahler aufzuhängen und Gummimatten auf dem harten Betonboden auszulegen. Auch Musik und Spielzeug könnten Hanako aufmuntern. Buckley empfahl unter anderem gefrorene Früchte in Reifen.

Der Zoo sagte Verbesserungen zu, obwohl dies allerlei bürokratischen Aufwand bedeute. Er hoffe, dass die ersten Veränderungen noch in diesem Monat zu Hanakos Geburtstag geschafft seien.

Symbol der thailändisch-japanischen Freundschaft

An einem sonnigen Tag schlingt Hanako ihren Rüssel spielerisch um ein Plastikrohr - einem der wenigen Ablenkungsmittel in ihrem Gehege. Ein Tourist aus Thailand unter den Zuschauern sagt, die Elefantin gelte als Symbol der thailändisch-japanischen Freundschaft, deshalb habe er sie sehen wollen. Ihre Lebensbedingungen bekümmerten ihn nicht. Drei Zoobesucher aus dem Westen, die seit langem in Japan leben, sind dagegen entsetzt. Sie tänzeln und gestikulieren, bis Hanako ihren Rüssel hebt und näher trottet, vielleicht aus Neugier.

"Ich bin sicher, dass sie nicht glücklich ist", sagt die Britin Marian Hara, die zu den Unterzeichnern der Petition zählt. "Sie ist völlig isoliert. Es ist schrecklich traurig."

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