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Firmenchef empört "Wir richten uns nicht an Menschen mit Blech im Gesicht"

Ein Sauerländer Unternehmer hat mit einer Tagungseinladung für Schüler für Entrüstung gesorgt. Denn er hatte ganz genaue Vorstellungen davon, wer nicht willkommen war.

Die Veranstaltung galt Schülern mit einer Leidenschaft für Physik und Chemie, die "technologisch in diesem Land demnächst Zukunft gestalten wollen/sollen/müssen". Das stand in der E-Mail die Firmenchef Prof. Dr. Henning Zoz an lokale Schulen und Bildungseinstätten schrieb, wie "Spiegel Online" berichtet. Mit dem Schreiben lud der Unternehmner zum neunten mehrtägigen deutsch-japanischen Symposium über Nanostrukturen im sauerländischen Wenden.

Der Plan war junge Menschen für neue Technologien und seine Firma, die "Zoz Group", zu begeistern. Stattdessen sorgte der Mann für eine Kontroverse.

Denn die Veranstaltung war nicht für alle offen. "Wir richten uns nicht an Menschen mit bunten Haaren, Blech im Gesicht und jene, die die Füße nicht heben und die Hose kaum auf den Hüften halten können und/oder eines ordentlichen Sprachgebrauches kaum mächtig sind", hieß es in dem Schreiben weiter, so "Spiegel Online". Der Veranstalter erwarte "angemessene Kleidung und Auftreten".

"Vollkommen daneben"

Die Reaktionen auf die sehr genaue Einladung sind gespalten. Der "Spiegel" berichtet, dass Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) seine Teilnahme spontan absagte. Er fände die Einladung "vollkommen daneben". Zoz‘ "Gesichtskontrolle" verliehe der Veranstaltung einen Charakter, den der Minister nicht billigen oder unterstützen wollte, so das Nachrichtenportal.

Bei "Der Westen" äußerten sich mehrere Schulleiter zu der Angelegenheit. "Der Computernerd ist halt auch mal anders", so Herbert Hoß, Schulleiter des Gymnasiums Kreuztal. Er halte so eine Formulierung für nicht zielführend. Rüdiger Käuser, Schulleiter des Fürst-Johann-Moritz-Gymnasiums in Bad Berleburg, findet sie laut dem Bericht unzeitgemäß. Jedoch könne er nachvollziehen, dass manchen Personalchefs das Auftreten vermummter Menschen mit schlechten Sprachkenntnissen nicht gefällt - obwohl diese an seiner Schule mitunter hochbegabte Schüler seien.

Auch unter dem Beitrag von "Spiegel Online" gab es auf Facebook eine lebhafte Debatte: Nutzerin Iona Coman schrieb zum Beispiel: "Das ist doch ganz normal. Man möchte im Kundenkontakt eben mehr Menschen ansprechen und nicht diejenigen vor den Kopf stoßen die mit Piercings und Tattoos im Gesicht eben wenig anfangen können." Nutzer Simon Pietsch wiederum kommentierte: "Selbst schuld, wenn man möglicherweise große Talente aufgrund eines Tattoos oder Piercings ablehnt. Woanders werden sie mit Handkuss genommen und bringen das Unternehmen voran."

Wichtige Diskussion angestoßen

"RP Online" gegenüber bekräftigte Unternehmer Zoz jedoch: "Ich stehe zu jeden Wort, das ich dort gesagt habe." Zwar sei es nicht seine Absicht gewesen die Liste der Unwillkommenen länger werden zu lassen, als die der Eingeladenen, aber er habe so eine wichtige Diskussion angestoßen, findet Zoz.

Er berichtet von einem Bewerber, der zwar die nötigen Qualifikationen hatte, jedoch "schlecht gekämmt und gekleidet" zum Vorstellungsgespräch auftauchte. Nach einem Hinweis des Unternehmers sei der junge Mann zum Friseur gegangen und "vernünftig" angezogen wieder gekommen. Inzwischen sei er Mitarbeiter in dem Unternehmen.

Auch Vorwürfe der Diskriminierung wies der Firmenchef im Gespräch mit "RP Online" von sich. In seinem Unternehmen werde vor allem Englisch gesprochen und er habe außerdem auch einen Flüchtling eingestellt - den er zuvor gebeten habe, seinen Vollbart zu rasieren. "Das erwarte ich von meinem Sohn auch, wenn wir zu einem Messetermin fahren."

Auch mit "Der Westen" sprach Zoz über den Eklat: Er habe es keinesfalls böse gemeint "Als ich die Einladung weggeschickt hatte, wusste ich, dass ich es besser hätte bleiben lassen sollen." Er fände den Trend der Körpermodifikation "dramatisch schade". Leistung müsse auch entsprechend verkauft werden. Er wünsche sich lediglich, dass junge Menschen wieder auf den "gottgegebenen Weg zurückkehren".

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