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4:20 Uhr - Zufall oder Zeichen? Sensationelles Cannabis-Urteil zu einer besonderen Uhrzeit

Erstmals hat ein Strafgericht einen wegen Marihuana-Anbaus Angeklagten freigesprochen. Doch nicht nur das Urteil selbst, auch die Uhrzeit des Richterspruchs sorgt im Netz für Diskussionen.

Es könnte ein richtungsweisender Urteilsspruch sein. Zum ersten Mal hat ein deutsches Gericht einen wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz Angeklagten freigesprochen. Der Mann hatte in den eigenen vier Wänden Cannabis angebaut. Immerhin "887 Gramm Marihuana mit einem Wirkstoffgehalt von 94,354 g THC" hatte er im November 2014 besessen, schreibt sein Anwalt Sebastian Glathe auf der Facebook-Seite seiner Kanzlei.

Ausschlaggebend für das Amtsgericht Karlsruhe war die HIV- und ADHS-Erkrankung des Mitte 50-Jährigen sowie die mittlerweile erteilte Ausnahmeerlaubnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medikamente Cannabis legal zu konsumieren. Auch bei Menschen, die an Krebs, Multipler Sklerose oder Spastiken leiden, kann Marihuana eine schmerzlindernde Wirkung haben. Sie erleben keinen Rausch, sondern lediglich das Abklingen ihrer Krankheitssymptome.

Urteil soll Signalwirkung haben

Durchschnittlich kostet Arzneihanf in der Apotheke rund 20 Euro pro Gramm. Die Krankenkassen decken diese Aufwendungen jedoch nicht ab. Bei einer ungefähren Tagesdosierung von etwa acht bis zehn Gramm - der Mann nimmt das Marihuana als Tee zu sich, nicht als Zigarette, wo die Dosis niedriger wäre - müsste er mit monatlichen Kosten von rund 5000 Euro rechnen. Viel zu viel für ihn.

Darum der private Anbau, der - auch zu Selbsttherapiezwecken - grundsätzlich strafbar ist. Da aufgrund der großen Menge Marihuanas auch keine verminderte Strafbarkeit mehr angewandt hätte werden können, "drohte meinem Mandanten im Falle eines Schuldspruchs eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr", so Glathe gegenüber N24.

Nun aber der Freispruch, von dem sich der Anwalt einiges verspricht: "Ich hoffe, dass das Urteil eine Signalwirkung auch auf andere Gerichte hat. Und vor allem wünsche ich mir, dass es schon bald zu einem dann bahnbrechenden höchstrichterlichen Urteil in der Sache kommt."

"Eigenanbau ist verboten und bleibt das auch"

Das wiederum wäre zumindest in Teilen im Sinne der Bundesregierung, denn die befürwortet das Stärken der Patientenrechte, wie Katja Angeli, Pressesprecherin des Gesunheitsministeriums, bestätigt. Sie betont allerdings, "dass es nicht sein kann, dass dies im Eigenanbau stattfindet. Es muss in jedem Fall eine gewisse Qualität gewährleistet sein."

Dazu wurde ein Gesetzesentwurf ausgearbeitet, der eine Änderung des Betäubungsmittelrechts vorsieht. "Der private Anbau von Cannabis ist verboten und das wird auch so bleiben", sagt Angeli. "Doch für Patienten, bei denen nur Marihuana zur Linderung ihrer Schmerzen hilft, sollen künftig die Krankenkassen die Kosten übernehmen." Betreffen würde diese Gesetzesänderung, die derzeit in Brüssel der EU vorliegt, rund 525 Menschen in Deutschland. 

Gerichtsentscheid um 16:20 Uhr - Zufall oder Zeichen?

SENSATION :Besitz von fast 1 kg Marihuana mit 95 g reinem THC wird von deutschem Gericht gerechtfertigt - FREISPRUCH fü...

Posted by Kanzlei Glathe&Kollegen on Mittwoch, 9. März 2016
 

Der Facebook-Beitrag von Glathe wurde inzwischen hundertfach geteilt und kommentiert. Dabei spielt jedoch nicht nur das Urteil selbst eine Rolle. Denn besonders kurios scheint für einige Nutzer die Uhrzeit zu sein, zu der der Richterspruch verkündet wurde. In den Kommentaren wurde wild spekuliert, ob es Zufall oder womöglich ein Zeichen war, dass die Urteilsverkündung am vergangenen Mittwoch ausgerechnet um 16:20 Uhr – also 4:20 Uhr – vonstatten ging.

Denn ausgerechnet "420“ oder auch "4/20“ steht in Kifferkreisen für das Rauchen von Marihuana. Die Zahl ist für Cannabis-Konsumenten in etwa dasselbe, was die "23" für Verschwörungstheoretiker ist: eine Zahl von Bedeutung, eine Zahl, die weltweit identitätsstiftend für die Interessengemeinschaft ist.

Die Zahl "420" ist seit den 70er Jahren eine Art Code für das Rauchen von Cannabis. (Foto: Getty Images)

Die Zahl "420" erobert die Kiffer-Community

Die BBC ging der Frage in einem Bericht nach. Demnach entstand der Kiffer-Code im Jahr 1971. Eine Gruppe Teenager aus Kalifornien war der Cannabis-Pflanze durchaus zugetan. Offenbar so sehr, dass die Jugendlichen der San Raffel High School glaubten, es gäbe eine riesige Cannabis-Plantage irgendwo im Umland von Kalifornien.

Sie trafen sich regelmäßig nach der Schule und machten sich der Legende nach um Punkt 16:20 Uhr – oder vielmehr 4:20 p.m. – auf die Suche nach dem sogenannten Schatz. Letzlich sollten sie eine solche Plantage nie finden, doch darum ging es laut Dave Reddix, einem Mitglied der Gruppe, auch gar nicht: "Wir haben viel gekifft zu der Zeit, hatten Spaß. Und die Schatzsuche war immer lustig, auch wenn wir nie etwas gefunden haben", sagte er der BBC.

Fortan aber stand die Zahl "420“ immer in Zusammenhang mit dem Konsum von Marihuana. Nicht nur in der Gruppe, sondern bald in der ganzen Schule; und von dort breitete sich der Begriff weltweit in der Kiffer-Community aus. Seit vielen Jahren gilt sogar für zigtausende Cannabis-Jünger der 20.4. als eine Art Ehrentag des Joints.

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