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Amoklauf-Opfer Die für tot erklärte Abigail erwacht aus dem Koma

Abigail Kopf war nach einem Amoklauf in der US-Stadt Kalamazoo bereits für tot erklärt worden. Doch sie überlebte und erwachte schließlich aus dem Koma – ihr erstes Wort danach überraschte.

Das Bild auf der Spendenseite mit der englischen Überschrift "Abigails Kampf ums Überleben" zeigt zwei Mädchen in einem Krankenbett liegend. Eine von ihnen trägt ein pinkfarbenes T-Shirt, eine blaue Jeans.

Das andere ist zugedeckt, um den Kopf hat sie einen dicken grünen Verband. Sie liegen nebeneinander, umgeben von ihren Lieblings-Stofftieren, ein Eisbär ist zu sehen, ein Wolf. Die Mädchen kichern, wie es nur Kindern können. Sie lachen. Und sie halten sich ganz fest an ihren Händen.

Vor etwas mehr als drei Wochen hätte niemand geglaubt, dass es dieses Foto noch einmal geben würde. Damals, am 20. Februar, hatte der Amokläufer Jason Dalton in Kalamazoo, einer 326.000 Einwohner zählenden Stadt zwei Autostunden von Detroit im US-Bundesstaat Michigan, wahllos um sich geschossen und insgesamt sechs Menschen getötet.

Auch Abigail Kopf, das Mädchen mit dem Verband auf dem Foto, zählte die Polizei lange zu den Opfern. Sie war von einer Kugel im Kopf getroffen und nach einem Herzstillstand von den Behörden bereits für tot erklärt worden. Die Ärzte wollten sie schon für eine Organspende vorbereiten.

Doch das 14 Jahre alte Mädchen war nicht tot. Es lebte. Und es scheint ihr wenige Wochen nach einer der vielen Schießereien, wie es sie in regelmäßigen Abständen in den USA gibt, von Tag zu Tag besser zu gehen.

Fast 60.000 US-Dollar an Spenden

"Das Foto zeigt Abigail mit ihrer jüngeren Schwester Juliana", sagt Mutter Vicki, die zusammen mit ihrem Mann Gene Kopf auf der Internetseite GoFundMe Spenden sammelt, um die steigenden Krankenhauskosten ihrer Tochter bezahlen zu können. Bis zum Montag hatten dort 1178 Menschen mehr als 58.000 Dollar gespendet.

Ein Bild voller Hoffnung: Abigail Kopf (r.), die nach einer Schussverletzung im Koma lag, kann schon wieder lachen. Links ihre Schwester. (Foto: Screenshot Die Welt)

"Abigail und Juliana sind die besten Freunde und haben schon immer zusammen viel gekichert und Quatsch gemacht", sagt die Mutter. "Wenn sie einmal leise waren, war ich sofort in Sorge und habe in ihrem Zimmer nachgeschaut, ob alles in Ordnung war." Das Foto der beiden im Krankenbett bezeichnet die Familie auf der Spendenseite als "riesigen Meilenstein" auf dem langen Weg der Genesung der Tochter.

Die Überlebensgeschichte von Abigail Kopf ist das, was man gemeinhin ein Wunder nennen würde. Die Mittelschülerin saß am 20. Februar mit vier älteren Damen im Alter von 60 bis 74 Jahren in einem Wagen vor einer Bäckerei in Kalamazoo, als der Amokschütze Jason Dalton offenbar wahllos das Feuer auf die Insassen eröffnete.

Die vier Frauen starben, darunter auch Barbara Hawthrone, die für Abigail eine "adoptierte Großmutter" war. Die beiden sind nicht verwandt. Doch die 68-Jährige kannte das Mädchen seit ihrer Geburt und hatte immer ein enges Verhältnis zu ihr.

Das Motiv des Täters ist bis heute unklar

Auch an dem Abend des Amoklaufes waren die beiden zusammen und wollten mit den Freundinnen der "Oma" noch spät Kuchen essen gehen. "Meine Tochter ist eine lebenslustige, schöne junge Frau, die das genauso wenig verdient wie ihre Großmutter", hatte Vicki Kopf nach dem Attentat gesagt. Abigail beschrieb sie dabei als ein "willensstarkes und sportliches Mädchen, das gerne ins Theater und Musical geht und Tiere, vor allem Wölfe, liebt".

Das Motiv des 45-jährigen Uber-Taxifahrers Jason Dalton, der vor den vier Frauen mit seiner legal gekauften, halbautomatischen Pistole noch einen Vater und dessen Sohn erschossen hatte, ist bis heute ungeklärt. Seine Opfer kannte er nicht und wählte sie offenbar per Zufall aus.

Jason Dalton vor Gericht. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe. (Foto: REUTERS)

Es gibt Berichte, dass der verheiratete Familienvater mit zwei Kindern unter Depressionen gelitten haben soll. Nachbarn zeigten sich geschockt über die Tat. Sie nannten den Versicherungsvertreter, der sich abends als Taxifahrer ein paar Dollar dazuverdiente, einen "freundlichen Kerl". Daltons Frau hat mittlerweile die Scheidung eingereicht.

Die Staatsanwaltschaft hat Jason Dalton wegen sechsfachen Mordes und zweifachen Mordversuches angeklagt. Ihm droht bei einem Schuldspruch eine lebenslange Gefängnisstrafe. Neben Abigail Kopf überlebte noch Tiana Carruthers den Anschlag. Sie wurde von insgesamt vier Kugeln in beiden Beinen getroffen. Sie liegt noch immer in einer Klinik und hat wieder mit dem Laufen begonnen. In einem Jahr, so hoffen die Ärzte, soll sie wieder vollständig gesund sein.

Abigails Fortschritte sind "beeindruckend und außergewöhnlich schnell"

Abigail wird dazu vermutlich deutlich länger brauchen. Es hatte sie bei dem Anschlag eine Kugel in den Kopf getroffen und das Gehirn verletzt. "Sie hat noch einen langen Weg vor sich, bevor sie alle Funktionen ihres Körpers wieder zurückerlangt hat", s agt der behandelnde Arzt Dr. Aaron Lane-Davies vom Bronson Methodist Hospital in Kalamazoo. Doch ihre Fortschritte seien "beeindruckend und außergewöhnlich schnell" für jemanden mit solch schweren Gehirnverletzungen.

Einer der Parkplätze in Kalamazoo, Michigan, auf denen der Bewaffnete um sich schoss. Trauernde haben Blumen abgelegt. (Foto: REUTERS)

Als Abigail in der Nacht des 20. Februars schwerverletzt in das örtliche Krankenhaus eingeliefert wurde, hatten die Notärzte dagegen kaum noch Hoffnung, dass der Teenager überleben würde. Nach einem vorübergehenden Herzstillstand konnte das Mädchen nur noch künstlich am Leben gehalten werden.

Zu diesem Zeitpunkt kontaktierte die Klinik die Organspendenorganisation Gift for Life und fragten die Eltern, ob sie mit einer Organentnahme einverstanden wären. Gene und Vicki Kopf stimmten zu, wollten sich aber noch von ihrer Tochter in aller Ruhe verabschieden.

Ihre erste Frage überraschte alle

"Ich habe Abigail gefragt, ob sie mich hören und meine Hand noch einmal drücken könnte", erinnerte sich später Mutter Vicki an "das Wunder". Das Mädchen konnte. Sie griff sogar nach dem Arm ihrer Mutter und wackelte zur Überraschung aller Anwesenden auch noch mit den Zehen. Und als Abigail dann noch beide Daumen auf Befehl heben konnte, schöpften auch die Ärzte wieder Hoffnung.

Eine Woche nach einer erfolgreichen Operation wachte Abigail aus dem Koma wieder auf. Mittlerweile geht es ihr so gut, dass sie bereits in eine Rehaklinik verlegt wurde. Dort hat sie am vergangenen Freitag auch ihr erstes Wort gesagt.

Abigail murmelte "Schwein" und bezog sich damit auf ihr Hausschwein Hamlet, das sie über alles liebt. "Wir haben wieder Hoffnung, dass Abigail langsam gesund wird und auch wieder lernen wird zu sprechen", sagt die Familie. Doch das sei noch ein sehr langer Weg.

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