Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Autobombe in Charlottenburg Eine neue Dimension der Gewalt erschüttert Berlin

Mitten im Berliner Berufsverkehr explodiert eine Autobombe und tötet den Fahrer. Vieles deutet auf einen Mordanschlag im Milieu der organisierten Kriminalität hin. Die Polizei kannte das Opfer.

Auseinandersetzungen im kriminellen Milieu sind mitunter brutal und blutig. Doch meist spielen sie sich im Verborgenen ab. Was sich Dienstagmorgen mitten im Berliner Berufsverkehr ereignete, zeugt – nicht nur nach ersten Einschätzungen von Ermittlern – von einer neuen Dimension.

Es war kurz vor acht Uhr, als ein 43 Jahre alter Mann mit türkischen Wurzeln im Stadtteil Charlottenburg in einen silbernen VW Passat Kombi stieg und Richtung Innenstadt fuhr. Wenige Minuten später explodierte der Wagen. Brennend rollte das Auto noch etwa 100 Meter weit, bevor es schließlich in einen geparkten Porsche krachte und unweit der Deutschen Oper zum Stehen kam.

Augenzeugen alarmierten Polizei und Feuerwehr, auch ein Notarzt sowie ein Rettungshubschrauber wurden angefordert. Doch alle Versuche, den Mann zu retten, blieben erfolglos, er verblutete noch am Tatort. Offensichtlich nur durch großes Glück wurden trotz der Wucht der Detonation keine anderen Menschen verletzt.

Opfer war wegen Drogendelikten vorbestraft

Ein Terroranschlag wurde zunächst nicht ausgeschlossen, der Verdacht konnte allerdings schnell entkräftet werden. Auch eine zunächst erwogene Mordtat im Rockermilieu – der dafür zuständige Berliner Staatsanwalt wurde am Tatort gesehen – soll Ermittlern zufolge wieder verworfen worden sein, nachdem das Opfer identifiziert werden konnte.

Nach Informationen der "Welt" handelt es sich um Mesut T., einen stämmigen, stark tätowierten Mann mit türkischen Wurzeln, der sich im Milieu der organisierten Kriminalität bewegt haben soll und den Sicherheitsbehörden unter anderem wegen verschiedener Drogendelikte, illegalen Glückspiels und dem Verbreiten von Falschgeld bekannt sei.

"Er hat mit der Rockerkriminalität nichts zu tun, ist aber im OK-Bereich seit Jahren aktiv", sagte ein Beamter. Es gebe Verbindungen zu russischen und polnischen Kriminellen.

Der Tatort wurde am Vormittag weiträumig abgesperrt, da zunächst nicht klar war, ob es weitere Sprengsätze gab. Über den Kurznachrichtendienst Twitter forderte die Berliner Polizei Anwohner mehrmals eindringlich auf, in ihren Wohnungen zu bleiben und die Fenster zu schließen.

Der Tatort im Berliner Stadtteil Charlottenburg wurde weiträumig abgesperrt. (Foto: AP)

Auch der Verkehr einer nahen U-Bahn-Linie wurde zeitweise unterbrochen. Ein Verkehrschaos im Innenstadtbereich war die Folge. Erst gegen Mittag kam schließlich die Entwarnung. Die Ermittler setzten auch eine Drohne ein, um Aufnahmen aus der Luft zu machen.

Nach und nach wurden schließlich weitere Details bekannt. Offenbar war der Sprengsatz entweder am oder im Fahrzeugbereich angebracht. Experten der Kriminaltechnik des Landeskriminalamts (LKA) versuchen nun, die Sprengstoffart einzugrenzen, um daraus Rückschlüsse auf die Herkunft zu gewinnen.

Die Brutalität der bislang unbekannten Täter alarmiert die Ermittlungsbehörden. Der Wagen soll auf den Namen der Lebensgefährtin des Opfers zugelassen gewesen sein, hieß es aus Ermittlerkreisen. "Es hätte durchaus sein können, dass die Frau an diesem Morgen das Auto benutzen wollte und dann Opfer des Anschlags geworden wäre." In diesem Zusammenhang werde daher auch untersucht, ob der Sprengsatz mit einem Zeitzünder versehen war oder ferngezündet wurde.

Für die Ermittler steht fest, dass es sich bei dem Mordanschlag um eine "neue Form der Gewalt im Bereich der organisierten Kriminalität" handelt. Denn die Täter hätten in jedem Fall in Kauf genommen, dass andere Menschen durch die Detonation oder durch herumfliegende Wrackteile verletzt oder gar getötet werden.

Auch Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) spricht von einer einer "erheblichen Dimension": "Nach allem, was wir derzeit wissen, müssen wir von einem schweren Verbrechen ausgehen."

"Wer Angst um sein Leben hat, schaut unter seinen Wagen"

Sprengstoffanschläge insbesondere auf Autos sind in Berlin sehr selten. Im November 2002 hatten Unbekannte eine Handgranate in das Auto einer Ukrainerin gelegt. Die Frau bemerkte dies jedoch gerade noch rechtzeitig. Auch in diesem Fall wurden Streitigkeiten im Bereich der organisierten Kriminalität vermutet. Zwei Monate später wurde die Frau dann bei einem Anschlag erschossen.

Im Bereich der Rockerkriminalität soll es ähnliche Versuche gegeben haben, allerdings scheiterten sie daran, dass die Bomben vorher entdeckt wurden. "Wer Angst um sein Leben hat, schaut unter seinen Wagen", sagte ein LKA-Ermittler.

Ob Mesut T. um sein Leben fürchtete, ist noch nicht bekannt. Aufschluss darüber erhoffen sich die Ermittler jetzt aus seinem engsten Familien- und Bekanntenkreis. Noch am späten Nachmittag durchsuchten Sprengstoffexperten und ein Spezialeinsatzkommando seine Wohnung in der Nähe des Tatorts – nach weiteren Sprengsätzen und Hinweisen auf den Hintergrund der Tat.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Artikel kommentieren

Bitte loggen Sie sich ein, um Kommentare zu schreiben.

Login

Artikel als "Nickname" kommentieren:

Noch 800 Zeichen

Leserkommentare ()
Weitere Kommentare anzeigen ()