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Das Drama um Todeskandidat Romell Broom Wenn der Henker eine zweite Chance bekommt

Seine erste Hinrichtung scheiterte: Über zwei Stunden suchte der Henker eine Vene für die Giftspritze - vergeblich. Romell Broom sollte begnadigt werden. Doch nun wartet er auf einen neuen Termin.

Als der verurteilte Mörder Romell Broom im September 2009 im amerikanischen Ohio das erste Mal hingerichtet werden sollte, sprachen Augenzeugen später von einer ziemlich grausamen Angelegenheit. Mehr als zwei Stunden hatte das Gefängnispersonal versucht, eine passende Vene zu finden, um den tödlichen Giftcocktail zu spritzen. Ohne Erfolg. Nach 18 vergeblichen Versuchen, einem vor Schmerzen schreienden Broom sowie einem blutigen und zerstochenen Arm brach der Henker die geplante Exekution ab.

Der damals regierende Gouverneur des Bundesstaats, der Demokrat Ted Strickland, setzte den Vollzug des Todesurteils von Broom daraufhin aus.Einen neuen Versuch einer Exekution sollte es nicht geben.

Die Staatsanwaltschaft wollte diese Anordnung allerdings nicht akzeptieren. Sie klagte vor dem Obersten Gericht des Bundesstaats und bekam jetzt recht. In einer Entscheidung von vier zu drei Richterstimmen erlaubte der Supreme Court in dieser Woche einen neuen Anlauf für eine Hinrichtung von Broom. Das Argument der Verteidigung, dass ein weiterer Versuch gleich gegen mehrere Grundsätze der Verfassung verstoße, die eine "grausame und ungewöhnliche Strafe verbiete" und niemand für "das gleiche Verbrechen zweimal bestraft werden dürfe", wies das Gericht in seiner Mehrheit zurück.

Verteidiger erhebt Einspruch

"Als das Hinrichtungs-Team nicht in der Lage war, eine passende Vene zu finden, haben sie den Prozess gestoppt", verteidigte Richterin Ann Lanzinger das umstrittene Urteil. "Und da bis zu diesem Zeitpunkt kein Gift geflossen war, gab es auch keine Hinrichtung." Das Urteil sei nicht vollzogen worden. Ein zweiter Versuch würde damit auch nicht gegen die Verfassung verstoßen.

Brooms Pflichtverteidiger kündigte unterdessen an, gegen das Urteil vor der nächsthöheren Instanz Einspruch zu erheben. "Egal ob man glaubt, ob Gott das so gewollt oder die Regierung einfach versagt hat", erklärte Tim Young. "Tatsache ist, dass sie meinen Mandanten nicht noch einmal hinrichten dürfen."

Der mittlerweile 59 Jahre alte Broom war 1985 wegen Entführung, Vergewaltigung und Mordes an einem 14 Jahre alten Mädchen zum Tode verurteilt worden. Das Opfer Tryna Middleton war nach einem Footballspiel auf dem Nachhauseweg, als es verschleppt wurde. Broom hatte sich stets als unschuldig bezeichnet. "Sie brauchten schnell einen Täter, und ich hatte ein langes Vorstrafenregister", schrieb der Afroamerikaner später zusammen mit der Co-Autorin Clare Nonhebel in seinem Buch "Überlebender der Todesstrafe".

Die Mutter der getöteten Tryna Middleton mit einem Bild ihrer Tochter. (Foto: AP)

Wann Broom hingerichtet werden wird, ist unklar. Einen neuen Termin muss die Gefängnisverwaltung ansetzen. In Ohio, wo zurzeit 145 Menschen in den Todestrakten sitzen, wurden aufgrund des Mangels an Giftcocktails und nach mehreren missglückten Hinrichtungsversuchen seit zwei Jahren keine Urteile mehr vollstreckt. Erst im kommenden Jahr will der Bundesstaat den Vollzug wieder aufnehmen.

Broom wäre der Erste, der seit der Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA im Jahr 1976 ein zweites Mal seinen Henker treffen würde. Zuletzt geschah das 1947 in Louisiana, als die Hinrichtung des 17 Jahre alten Schwarzen Willie Francis an einem defekten elektrischen Stuhl scheiterte. Ein Jahr später funktionierte "Old Sparky" aber wieder, und das Urteil gegen den verurteilten Mörder konnte vollstreckt werden.

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