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Salz im Koksmantel Wie Scherzbolde die Polizei in den Wahnsinn treiben

Ein Trio aus NRW fährt immer wieder über die deutsch-niederländische Grenze. Im Gepäck: Ein Salzpaket als "Glücksbringer". Eine Straftat ist das nicht, doch die Polizei vermutet einen Plan.

Wer Unlauteres tut, gibt sich normalerweise alle Mühe, nicht aufzufallen. Das trifft auch auf Drogenschmuggler zu, wenn sie ihre Ware verpacken und versteckt transportieren. Will man dagegen um jeden Preis verdächtigt werden, sind andere Methoden gefragt. Dieser Ansatz trieb drei Scherzbolde aus Nordrhein-Westfalen zu wahren Höchstleistungen an. Die Polizei ist genervt, die Justiz bedient. Und Schuld sei eigentlich ein Aberglaube.

Wie die "WAZ" berichtet, kommt den drei mutmaßlichen Streichespielern ihr Treiben nun teuer zu stehen. Eine 26-jährige Altenpflegerin und ihr vier Jahre jüngerer Freund müssen 300 Euro Strafe zahlen, der 27-jährige Bruder der Frau kam mit der Hälfte des Bußgelds davon. Noch im Amtsgericht spottete die Arbeitslose über das Urteil. Das Geld zahle sie aus der Portokasse, tönte sie den anwesenden Polizisten entgegen. Einer Schuld sei sich das Trio nicht bewusst.

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Der Tatbestand sei eine "vorgetäuschte Straftat", wie die Staatsanwältin gegenüber dem Lokalmedium erklärte. "Es ist eine ziemlich dumme Aktion, eher ein jugendliches Verhalten." Über 40 Mal hätten sich die Verurteilten beim Überqueren der deutsch-niederländischen Grenze geradezu absichtlich erwischen lassen, mit einem Paket, das wohl an Schmuggelware erinnern sollte.

In Folie und Tapeband verpackt und in der Reserverad-Mulde des Autos verstaut, fanden Beamte wieder und wieder ein verdächtiges Paket. Das enthielt jedoch nichts weiter als herkömmliches Salz. "Ich glaube, die betäubungsmittelartige Verpackung können Sie nicht leugnen", kommentiert die Staatsanwältin die Vorfälle.

Verpackt wie ein Betäubungsmittel

In wechselnder Besetzung und mit verschiedenen Autos habe die Truppe wieder und wieder die Grenze passiert. Polizisten sahen sich wiederholt provoziert. "Das geht jetzt seit zwei Jahren so", berichtete ein Beamter. Manchmal seien auch andere Gegenstände im Wagen gefunden worden, die an den Konsum von Rauschmitteln erinnern – etwa Spritzen oder eine nichtetikettierte Dose Magnesiumpulver.

"Ich habe den Eindruck, wir sollten abstumpfen", schlussfolgerte der 31-Jährige Beamte. Weil die Polizei hinter der Farce einen langfristigen Plan, der etwa einen echten Drogenschmuggel vertuschen sollte, vermutete, gaben die Beamten es nicht auf. Wieder und wieder kontrollierten sie die Verdächtigen. Ihre Ausrede war stets dieselbe.

Dass die Drei zu später Stunde in die Niederlande fahren, sei mittlerweile ein etabliertes Hobby der Truppe. "Wir fahren meistens zur Tankstelle an der Autobahn hinter der Grenze, trinken einen Kaffee. Dann vielleicht noch zu McDonald’s", schilderte die arbeitslose Krankenpflegerin. Ihr Bruder sehe sich zudem gern Gartenmöbel an, wozu dort Gelegenheit sei. "So komisch sich das anhört" – für die drei sei das alles ganz normal.

"Gegen böse Augen und Geister"

Und das Salz? Das hätte einen harmlosen Grund. Der 27-jährige Halbitaliener folge da einem Brauch, den er im Heimatdorf seines Vaters kennengelernt habe. "Das Salz gilt als Glücksbringer, der die bösen Augen und Geister vertreibt", erklärte der Student vor Gericht. Jedes Auto der Familie, selbst ein Kinderwagen sei deshalb mit einem Salzpaket ausgestattet worden.  

Weil sich die Lage zuzuspitzen schien, entschieden sich die Beamten schließlich durchzugreifen. Während die meisten Kontrollen ohne Folgen blieben, landeten die Wageninsassen bereits einmal für fünf Stunden in Haft. Das Bußgeld gab es allerdings für einen Vorfall, der sich erst kürzlich ereignete. An einem Tag wurde das Trio gleich zweimal innerhalb einer Stunde mit verschiedenen Pkws an der Grenze erwischt. Als die Polizisten zur Kontrolle ansetzten, fuhr der 27-Jährige mit Vollgas davon.

"Vor der Ausfahrt Rees wurde das Auto langsamer", sagte ein Beamter aus. Die Kontrolle sei also ein weiteres Mal gewollt. Schließlich hätten sich die Insassen bei ihrem, so hofft man, letzten Streich unkooperativ verhalten, seien Fragen ausgewichen und von der Situation sichtlich amüsiert gewesen. Ob die nun nicht mehr ganz billigen Provokationen mit dem Gerichtsurteil ein Ende finden, wird sich zeigen.

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