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Explosion in Berlin Was die Mafia mit der Autobombe demonstrieren wollte

Normalerweise tötet die organisierte Kriminalität im Verborgenen. Bei der Autobomben-Explosion in Berlin war das anders. Die osteuropäische Mafia wollte damit ein Exempel statuieren.

Vor einer Woche starb Mesut Ter durch eine Autobombe, mitten im Berliner Berufsverkehr. Jetzt verdichten sich nach Informationen der "Welt" die Hinweise darauf, dass es sich um einen gezielten Anschlag der osteuropäischen Mafia handelte. Die Kaltblütigkeit, mit der die Bombe mitten in der Öffentlichkeit gezündet wurde, deutet Ermittlern des Landeskriminalamtes (LKA) zufolge darauf hin, dass ein Exempel statuiert werden sollte.

Der 43 Jahre alte, polizeibekannte Mann war am 15. März in den Morgenstunden an der Deutschen Oper unweit der Berliner Innenstadt ums Leben gekommen, nachdem sein VW Passat Kombi explodiert und in Flammen aufgegangen war. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln mit Hochdruck, Hinweise zu den Tätern und den Hintermännern gibt es bislang nicht. Die genauen Hintergründe der Autobombenexplosion sind unklar.

Fest steht laut Aktenlage bislang nur, dass das spätere Opfer, offiziell ein Hartz-IV-Empfänger, nach einem Abend in einem Lokal an der Beusselstraße in Moabit in sein Auto gestiegen und kurz vor der Ankunft an seiner Wohnung an der Bismarckstraße in Charlottenburg getötet worden war. Der Wagen ist auf den Namen seiner Lebensgefährtin zugelassen.

Was die Organisation nicht duldet

Gerade der Zeitpunkt der Tat, im Berufsverkehr und zur Schulzeit, macht laut Kriminalbeamten deutlich, was die bislang unbekannten Täter den Mitgliedern ihrer Organisation demonstrieren wollten: dass eine mögliche Kooperation mit den Behörden – oder auch eigene Geschäftsideen – konsequent bestraft werden.

Denn schnell wurde bekannt, dass der Getötete im Jahr 2008 im polnischen Danzig mit 33 Kilo Kokain erwischt und deshalb zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. Bisherigen Erkenntnissen zufolge soll der 43-Jährige zusammen mit Komplizen Drogen in Autos versteckt und von Südamerika aus nach Europa verschifft haben. Bei einer Rauschgiftübergabe sei es in der Vergangenheit zu Streitigkeiten gekommen, Schüsse fielen. Zudem mehrten sich Gerüchte, dass Mesut Ter bei der Polizei Mitstreiter belasten wollte.

Ein ranghoher Polizeiführer sagte der "Welt", dass Mordaufträge im Bereich der organisierten Kriminalität (OK) üblicherweise im Verborgenen ausgeführt würden. "In diesem Fall ist das anders. Die Täter und deren Auftraggeber haben in Kauf genommen, dass Passanten oder Schulkinder durch die Explosion verletzt oder gar getötet werden. Es war ihnen egal", sagt der Beamte. Dies würde die These bestätigen, dass Mesut Ter ins Fadenkreuz von Ermittlungen geraten sein könnte oder seine eigenen Geschäfte machen wollte.

"Die Organisation, für die er gearbeitet hat, wollte allen anderen öffentlich zeigen, dass so etwas nicht geduldet wird." Offenbar hatten die Täter den Sprengsatz am Wagen ihres Opfers montiert, waren ihm gefolgt und hatten die Bombe per Fernzünder zur Explosion gebracht.

Ermittlern zufolge könnten Auftraggeber und Hintermänner davon ausgehen, dass die Ermittlungen die gleichen wären, selbst wenn Unbeteiligte verletzt oder getötet würden. "Ziel war es, jedem in der organisierten Kriminalität zu zeigen, dass niemand sein eigenes Süppchen kocht. Ein solches Signal hat es lange nicht mehr gegeben. Und es sorgt für Riesenwirbel in der Szene", so ein Beamter.

Täter reisten vermutlich nur für den "Job" nach Berlin

Die Wahrscheinlichkeit, den ausführenden Tätern auf die Spur zu kommen, sei verschwindend gering. "Gegen die Russen-Mafia, aber auch andere osteuropäische OK-Strukturen sind die Araber-Klans in der Hauptstadt beinahe harmlos", sagt ein szenekundiger Beamter. Täter würden nicht in Berlin rekrutiert, sondern im Ausland angeworben, diese würden dann lediglich für den "Job" an den Tatort reisen und danach wieder verschwinden. "Man muss davon ausgehen, dass es sich bei den Mördern von der Bismarckstraße um ehemalige Angehörige osteuropäischer Streitkräfte oder Polizei-Spezialeinheiten handelt", sagt ein Beamter. Das Vorgehen sei professionell gewesen und könne nur den Schluss zulassen, dass hier Sprengstoffexperten am Werk gewesen seien. "Diese Unbekannten hatten nicht zum ersten Mal mit Sprengstoff zu tun."

Trotz der ungeheuren Brutalität der Tat befürchten Berlins Sicherheitsbehörden keine neuen Attacken. Es habe sich um einen chirurgischen Akt gehandelt, der eine Vorgeschichte hatte und ein klares Zeichen an die OK-Szene gesetzt habe. "Mögliche Spitzel, Verräter und Eigenbrötler wissen nun, was ihnen blüht."

Die klassische Russenmafia gibt es nach Angaben von Sicherheitskreisen längst nicht mehr. Vielmehr tummelten sich in der Hauptstadt Kriminelle aus dem Baltikum, aus Tschetschenien, und anderen Ex-Sowjetrepubliken. Wie aus Ermittlerkreisen verlautet, versuchen diese seit vielen Jahren erfolgreich, mit illegal erworbenem Kapital in legale Geschäfte wie Immobilien und Kunsthandel einzudringen. "Diese Leute", so ein ranghoher Beamter, seien smart und eben nicht durch das "südländische Temperament" geprägt wie die Mitglieder der sogenannten arabischen Großfamilien, die durch illegale Autorennen, Schlägereien und groß angelegte Raubüberfälle in die Öffentlichkeit gelangten.

Die Polizei nimmt nach wie vor Hinweise zu der Tat unter 030-4664-911-111 entgegen.

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