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Frank Plasberg talkt Die Terroristen sind leider hart und unfair

Mit einer Extra-Ausgabe seiner Talkshow reagiert Frank Plasberg auf die Anschläge in Brüssel. Dabei wurde vor allem deutlich, dass die sogenannten Experten auch kein Lösung wissen.

Wie geht das: mit dem Terror leben? Wie sieht ein Alltag aus, in dem die Gefahr omnipräsent ist? "Man versucht, sich das normale Leben nicht wegbomben zu lassen", sagt Rudolf Dreßler, Der SPD-Politiker war von 2000 bis 2005 deutscher Botschafter in Israel, zur Zeit der zweiten Intifada.

Die Angst vor Attentaten, vor Bombenanschlägen, war groß. Trotzdem hat Dreßler seine Kinder damals "nicht mit dem Panzerwagen", sondern mit "einem normalen Blechauto" in die Schule bringen lassen. Ein Leben führen, dass "weitestgehend normal" war, das wollten er und seine Frau.

Aktuelle Informationen zu den Anschlägen in Brüssel finden Sie im N24-Liveticker

Ob wir uns in Europa an den Terror werden gewöhnen müssen, ist eine der zentralen Fragen in der Extra-Ausgabe der Talkshow "Hart aber fair", die sich mit den Brüsseler Anschlägen beschäftigt. Von "einem Angriff auf das Herz Europas" spricht Moderator Frank Plasberg. Dass die Terroristen auf "die europäische Lebenslust" zielen, sagt der Journalist Bruno Schirra, der sich schon lange intensiv mit dem weltweit agierenden Dschihadismus auseinandersetzt.

Brüssel profitierte bislang von der Vielfalt

Der Wille, sich der Logik der Islamisten nicht zu beugen, ist groß. Dass wir uns unser Leben nicht kaputt machen lassen dürfen, sagt der aus Brüssel zugeschaltete Rolf-Dieter Krause, der Leiter des dortigen ARD-Studios.

Die Grünen-Politikerin Terry Reintke wehrt sich dagegen, der Brüsseler Stadtteil Molenbeek pauschal als Terrorzelle zu bezeichnen. (Foto: WDR/Dirk Borm)

Und Terry Reintke, Europa-Politikerin der Grünen, sagt: "Ich will mich von diesen Taten nicht einschüchtern lassen." Am Morgen war sie noch in Brüssel. Normalerweise fährt sie mit der Metro zum Parlament, steigt an der Station Maelbeek aus, die nun zum Anschlagsziel der Terroristen wurde. Doch diesmal war sie mit dem Fahrrad unterwegs.

Brüssel ist für Reintke eine "kosmopolitische Stadt", eine Stadt, die von der Vielfalt profitiert. Sie hält deshalb auch nichts davon, wenn der Stadtteil Molenbeek, aus dem Salah Abdeslam stammt, der mutmaßliche Kopf hinter den Anschlägen im November in Paris, nun pauschal "als eine einzige Terrorzelle" beschrieben wird. Reintke sagt, dass sie am Wochenende häufig in dem Stadtteil ist, zum Ausgehen. "Auch allein?", will Frank Plasberg wissen. "Ja, auch allein", bekräftigt die Grüne.

Die muslimische Gemeinde soll sich vom Terror distanzieren

Rolf-Dieter Krause hat ein ganz anderes Bild von Molenbeek. "Ich gehe dort nur hin, wenn es sein muss", sagt der Journalist. Die Straßenkriminalität, für die beinahe ausschließlich Nordafrikaner verantwortlich seien, schrecke ihn ab. Und er fordert auch, dass die muslimische Gemeinde dort sich nun klar gegen den Islamismus abgrenzen muss, dass sie die Radikalen nicht weiter schützt.

Was wird sich durch die neuerlichen Anschläge ändern? Wie werden sie die Gesellschaften in Europa prägen? Das wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. In der spontan angesetzten Talkshow sind es vor allem reflexhafte Bekenntnisse, die geäußert werden.

Die Grüne Reintke will auch jetzt nichts von Vorratsdatenspeicherung wissen. Und der stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU, Armin Laschet, plädiert für mehr innereuropäische Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden – auch das ist keine neue Forderung. Die Länder sollen nun endlich Daten untereinander besser austauschen. "Ich hoffe, dass es jetzt diesen Ruck gibt", sagt Laschet.

Rolf-Dieter Krause ist da skeptisch. Allzu oft hat er schon gehört, dass Politiker eine bessere Zusammenarbeit der Behörden in Europa fordern, passiert ist trotzdem nicht viel. "Wie viele Warnschüsse muss es noch geben?", fragt der Fernsehjournalist.

Die Sicherheitsbehörden sind hilflos

Bruno Schirra sieht ein ganz grundsätzliches Problem. Er ist es, der den Blick aufs Thema ausweitet. Der Buchautor ("ISIS – Der globale Dschihad") spricht von der "Hilflosigkeit im europäischen Sicherheitsnetz", von immer enger zusammenrückenden Terrornetzwerken, die man mit den üblichen Mitteln nicht mehr in den Griff bekomme.

Rudolf Dreßler (Mitte) lebte während der Intifada in Israel, als immer dort immer wieder Terrroranschläge verübt wurden. (Foto: WDR/Dirk Borm)

Diese Terroristen seien zu allem entschlossen, ließen sich mit Argumenten nicht mehr erreichen. "Da ist jeder Zug abgefahren", sagt Schirra. Nihilistisches Töten sehen sie als Erfüllung ihres Glaubens. Gerade einmal zehn Leute würden ausreichen, um solche Anschläge wie in Brüssel umzusetzen. Europa müsse lernen, mit diesem neuen Terror umzugehen, einen anderen Weg gebe es gar nicht.

Schirra sagt auch, dass das Bild, das man sich in Europa von den IS-Terroristen mache, revidiert werden müsse. Allzu sehr falle der Blick bislang auf die "sozial Deprimierten", auf "die Gescheiterten". Dass solche Menschen unter den Terroristen eine wichtige Rolle spielen, bestreitet er nicht. In seinen Augen bilden sie aber "nur das Fußvolk".

Die zentralen IS-Terroristen sind eloquent und gut ausgebildet

Die, die hinter den Anschlägen stecken, die sie planen und befehlen, kämen dagegen aus dem Mittelstand und dem gehobenen Bürgertum. Sie seien eloquent, gut ausgebildet. Schirra sagt, dass er zu einigen der IS-Terroristen in Kontakt stehe, etwa über Skype. "Das sind kluge, smarte und intelligente Menschen", beschreibt er die Terroristen.

Wie aber soll man gegen diese Radikalen vorgehen? Darauf hat auch der Journalist keine Antwort. Auch Schirra kennt im Moment nur "Ratlosigkeit und Hilflosigkeit". Durch seine Beschäftigung mit dem islamistischen Terror sei er zum Pessimisten geworden.

Rudolf Dreßler sagt immerhin, was seiner Meinung nach im Moment nicht hilft: Tweets und Facebook-Beiträge, die versuchen, aus den Anschlägen in Brüssel politisches Kapital zu schlagen. Vor allem die AfD-Politikerin Beatrix von Storch hatte mit einem Facebook-Post viel Widerrede geerntet, auch die Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld steht wegen ihrer im Internet veröffentlichten Äußerung, Merkel habe "alles dafür getan, dass der Terror in Europa Fuß fassen kann", in der Kritik.

"Was die Leute da getwittert haben, ist dermaßen menschenverachtend, das ist nicht zu überbieten", ärgert sich der SPD-Mann Dreßler.

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