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EgyptAir-Maschine in Zypern "Der Entführer war kein Terrorist, er war ein Idiot"

Trotz des glimpflichen Endes der Entführung einer Passagiermaschine gibt es Zweifel über die Sicherheit an Ägyptens Flughäfen. Dabei braucht das Land das Vertrauen der Touristen mehr denn je.

Wenigstens der Twitter-Account der Luftfahrtgesellschaft Egypt Air funktionierte am Dienstag richtig. Nur wenige Minuten nachdem der Flug MS181 von Alexandria nach Kairo um 8.30 Uhr morgens entführt worden war, berichtete die Firma laufend über das Schicksal des Airbus 320 und seiner 56 Passagiere.

Der angebliche Entführer Saif a-Din Mustafa, laut Medienberichten ein ägyptischer Geschichtsprofessor, hatte behauptet, einen Sprengstoffgürtel zu tragen, und gefordert, Zypern anzufliegen. Kurz darauf landete die Maschine in Larnaka.

Die anfängliche Befürchtung vor einem Attentat radikaler Islamisten wurde schnell zerstreut, als der Entführer nach kurzer Zeit zustimmte, die überwiegende Mehrheit der Insassen freizulassen. Er wurde nach wenigen Stunden verhaftet, nachdem er alle Insassen unbeschadet hatte gehen lassen.

Idiot, nicht Terrorist

Noch vor dem glimpflichen Ausgang war den Behörden klar, dass es sich "nicht um einen Terroristen, sondern einen Idioten" handelte, so zumindest sagte ein Beamter des ägyptischen Außenministeriums der britischen Zeitung "Guardian". Tatsächlich schien der Mann eher geistig verwirrt als politisch motiviert zu sein.

(Foto: Infografik Die Welt)

Zuerst warf er einen auf Arabisch verfassten Brief aus der Maschine mit der Forderung, diesen seiner zypriotischen Ex-Frau zu übermitteln. Danach verlangte er, mit ihr zu sprechen. Laut Medienberichten wurde sie kurz darauf mit einem Kind ins Flughafengebäude gebracht. Nach wenigen Stunden forderte er dann die Freilassung einer Reihe weiblicher ägyptischer Häftlinge, danach ein Gespräch mit einem Vertreter der EU, dann, dass die Maschine weiterflöge.

Doch schließlich ließ er alle Insassen frei und kam mit erhobenen Händen aus der Maschine. Sicherheitsbeamte untersuchten ihn auf Sprengstoff und verhafteten ihn. Trotz des glücklichen Ausgangs facht der Zwischenfall erneut die Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen an Ägyptens Flughäfen an.

Diese waren vergangenen Oktober ins Fadenkreuz internationaler Kritik geraten, nachdem es der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gelungen war, in Scharm al-Scheich eine in einer Getränkedose versteckte Bombe an Bord des Flugs der russischen Metrojet 9268 zu schmuggeln und diese über dem Sinai zu zünden. Damals kamen alle 224 Insassen ums Leben.

Große Mühen

Ungeachtet der Frage, ob es dem Mann tatsächlich gelungen war, die Sicherheitsvorkehrungen in Alexandria zu überlisten und eine Bombe an Bord zu schmuggeln, oder ob es sich nur um eine Attrappe handelte, desavouiert der Zwischenfall Kairo zutiefst. Denn seit dem Attentat auf die russische Metrojet-Maschine versucht die Regierung, Ägyptens Image als sicheres Urlaubsland wiederherzustellen.

Der mutmaßliche Entführer neben dem Egypt-Air-Airbus A320 auf dem Flughafen Larnaka auf Zypern. (Foto: REUTERS)

Die Tourismusbranche – neben dem Suezkanal wichtigster Devisenbringer des Landes – hat laut Angaben von Tourismusminister Scharif Ismail seit vergangenem Oktober rund 1,3 Milliarden Dollar Einnahmen verloren. Russland und Großbritannien stellten alle Flüge ins Urlaubsparadies in Scharm al-Scheich nach dem Attentat ein.

Medien hatten damals über Missstände an Ägyptens Flughäfen berichtet. Die großen Flugfelder verfügen zwar über moderne Detektoren. Fluggäste und Journalisten erzählten indes, dass korrupte Sicherheitsbeamte sich angeboten hätten, Gepäck für ein Trinkgeld von zehn bis 50 Dollar an allen Kontrollen vorbeizuschleusen.

Gekränkter Stolz

Deswegen forderte Russland große Zugeständnisse von Ägypten, bevor es sich bereit erklärte, den Flugverkehr ins Land an den Nil kommenden Monat wieder aufzunehmen. So will Moskau fortan russische Sicherheitsexperten permanent an ägyptischen Flughäfen stationieren. Vergangenen Freitag hatte der Vorsitzende von Ägyptens Flughafengesellschaft, Adel Mahgub, diese Forderung als Schmälerung der eigenen Souveränität abgelehnt.

Im aufgeheizten politischen Klima, in dem sich das offizielle Ägypten gleichzeitig im Kampf gegen Islamisten und imperialistische Komplotte wähnt, geriet selbst die Inspektion ägyptischer Flughäfen durch Schweizer und deutsche Sicherheitsexperten vergangene Woche ins Fadenkreuz patriotischer Kritik der Medien. Wie die Entscheidung der Regierung, die britische Sicherheitsberatungsfirma Control Risks zu engagieren, die manche als nationale Herabwürdigung betrachten.

"Der Vertrag wurde im Februar unterzeichnet. Unser Bericht mit Empfehlungen wird kommenden Monat fertig sein", sagte die Sprecherin der Firma, Georgina Parkes, der "Welt". Allerdings befasse dieser sich nicht mit den Problemen des Flughafens in Alexandria, sondern mit drei anderen Flughäfen.

Selbst ist der Ägypter

Doch am Nil will man viel lieber hören, dass Ägypten stark ist und auf sich selbst vertraut. Voller Fanfare berichtete beispielsweise die Tageszeitung "al-Masri al-Youm", dass Ägyptens Armee zu den stärksten der Welt gehöre – ein Image, dass das Militär mit viel Aufwand fördert.

Fast entschuldigte das Blatt sich dafür, dass die Armee nur auf Platz 18 rangiert, hinter dem Nachbarn Israel, und versicherte, dass dies ein Fehler sei. Weshalb es deren wackeren Kämpfern dennoch seit Jahren nicht gelingen will, die fast täglichen Anschläge radikaler Islamisten zu verhindern oder die Sinai-Halbinsel, die sich teilweise in Händen eines Ablegers des IS befindet, wieder unter Kontrolle der Regierung zu bringen, erklärte die Zeitung indes nicht.

Stattdessen gab das Tourismusministerium vor wenigen Tagen bekannt, dass der Etat für die Flughafensicherheit um 32 Millionen Dollar angehoben werden soll. Ob solche Verlautbarungen ausländische Fluglinien nach dem Zwischenfall mit Egypt Air noch überzeugen können, ist allerdings fraglich.

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