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Panorama Papst will sein Schweigen zum Missbrauch brechen

Der Papst will sein Schweigen zum Skandal um sexuellen Missbrauch brechen. Am Freitag werde er einen Hirtenbrief an die irischen Bischöfe unterzeichnen und danach veröffentlichen, kündigte Benedikt XVI. am Mittwoch an.

Erwartet wird, dass der Brief nicht nur den Missbrauch an tausenden Kindern in Irland aufgreift, sondern auch Konsequenzen für die katholische Kirche in Deutschland zieht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangte im Bundestag eine schonungslose Aufklärung der Vorwürfe. Zwei Ministerinnen sollen gemeinsam einen Runden Tisch der Bundesregierung leiten.

Bei der Generalaudienz in Rom sagte Benedikt, nach der schweren Krise der Kirche in Irland habe er als Zeichen seiner «tiefen Sorge einen Hirtenbrief zu dieser schmerzvollen Situation verfasst». Vatikankreisen zufolge verzögerte der Skandal an katholischen Einrichtungen in Deutschland das Erscheinen des Briefes. Immer mehr Katholiken hatten in den vergangenen Tagen das öffentliche Schweigen des Papstes zu den sexuellen Vergehen an Kindern und Jugendlichen in kirchlichen Einrichtungen kritisiert. Die katholischen Bischöfe in Bayern beraten seit Mittwoch über den Skandal.

Nach Informationen aus Regierungskreisen sollen Familienministerin Kristina Schröder (CDU) und Justizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger (FDP) vom 23. April an zusammen den Runden Tisch leiten. Er soll Missbrauchsfälle aufarbeiten und Konsequenzen für die Zukunft ziehen. Das Gremium solle auch eine feste Personalausstattung erhalten, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa in Berlin.

Merkel hatte sich für ein einheitliches Vorgehen eingesetzt, nachdem es über längere Zeit Diskussionen zwischen Justiz-, Familien- und Bildungsministerium gegeben hatte. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat ihre Idee eines eigenen Runden Tisches zur rechtlichen Aufarbeitung speziell der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufgegeben. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, die Kanzlerin wolle «mit einem gemeinsamen Auftakt und gemeinsamen Format eine gemeinsame Plattform schaffen für dieses wichtige Anliegen». Andere Akteure könnten mitmachen.

Bischofskonferenz plant keinen Fonds

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) plant derzeit keinen eigenen Fonds zur Entschädigung von Opfern. Die Aussage, ein solcher Fonds werde erwogen, sei falsch, sagte DBK-Sprecher Matthias Kopp der dpa. Der DBK-Vorsitzende Robert Zollitsch versprach eine Aufklärung der Vorwürfe und möglichst vollständige Transparenz. Dies wurde nach seinem Treffen mit den kirchen- und religionspolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen in Berlin mitgeteilt.

«Es gibt nur eine Möglichkeit, dass unsere Gesellschaft mit diesen Fällen klar kommt, und das heißt: Wahrheit und Klarheit über alles, was passiert ist», sagte Merkel in der Generalaussprache über den Haushalt. Man müsse über Verjährung und könne über Entschädigung sprechen. Die Kanzlerin räumte aber ein: «Völlige Wiedergutmachung wird und kann es nicht geben.» Die Diskussion über die Aufarbeitung der «verabscheuungswürdigen Verbrechen» dürfe sich nicht auf die katholische Kirche beschränken, mahnte sie.

Küng fordert Schuldeingeständnis des Papstes

Der Theologe Hans Küng fordert vom Papst ein persönliches Schuldeingeständnis für den Missbrauch in der Kirche. Benedikt XVI. trage als Papst und langjähriger Präfekt der Glaubenskongregation die Verantwortung dafür, dass die Kirche solche Fälle jahrzehntelang geheim gehalten habe. «Die Wahrhaftigkeit würde es verlangen, dass der Mann, der seit Jahrzehnten die Hauptverantwortung für die weltweite Vertuschung hatte, eben Joseph Ratzinger, sein eigenes ”mea culpa” (meine Schuld) spricht», schrieb der katholische Tübinger Theologe in der «Süddeutschen Zeitung» (Mittwoch).

Bayerns Bischöfe beraten

Die katholischen Bischöfe in Bayern beteten am Mittwochabend bei einem Gottesdienst um Vergebung im Missbrauchsskandal. «Wir haben auch die Folgen der Sünde zu tragen, die andere in der Kirche begehen», sagte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen. Die Oberhirten fanden zwar kein gemeinsames Wort der Entschuldigung, zündeten aber in der Basilika für jede der sieben bayerischen Diözesen eine Kerze an - als Zeichen der Bitte um Vergebung und Aussöhnung an die Opfer.

Unterdessen sind laut Medienberichten auch Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und der körperlichen Misshandlung gegen zwei Ordensmänner des Sankt-Michaels-Gymnasiums der Benediktiner in Metten bei Deggendorf laut geworden. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke entband einen Pfarrer im Landkreis Ansbach mit sofortiger Wirkung von allen geistlichen Ämtern. Damit reagierte der Bischof auf Vorwürfe, der Priester habe im Schuljahr 1971/72 als studentische Hilfskraft im Internat der Regensburger Domspatzen einen Minderjährigen sexuell missbraucht, wie das Ordinariat in Regensburg mitteilte.

Im Bistum Fulda ist ein wegen sexuellen Missbrauchs verurteilter Priester nach Angaben des Rundfunksenders hr-info weiter in der Gemeindearbeit aktiv. Das Bistum teilte dazu am Mittwochabend mit, der Pfarrer sei 2007 in den Ruhestand versetzt worden. Er habe aber unter strengsten Auflagen» die Möglichkeit erhalten, in den nordhessischen Orten Naumburg und Volkmarsen die Messe zu feiern.

Krisenforscher: Kirche braucht Hilfe von außen

Nach Ansicht des Krisenforschers Frank Roselieb kann die Kirche den Missbrauchsskandal nur mit Hilfe von außen bewältigen. Der Trierer Oberhirte Stephan Ackermann als Sonderbeauftragter der Bischofskonferenz könne das nicht leisten, sagte der Leiter des Kieler Instituts für Krisenforschung in einem dpa-Gespräch: «Ich halte das, was die Kirche macht, für relativ verkehrt.» Roselieb schlug vor: «Hochkarätige Dritte einschalten - ein Herr Thierse zum Beispiel». Der stellvertretende Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) habe durch sein Amt die nötige Neutralität.

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