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The European Israel - eine deutsche Obsession

60 Jahre nach der Gründung Israels wird dessen Existenzrecht in Deutschland neu diskutiert. Die antisemitischen Flugblätter der Linken sind nur die Spitze des Eisbergs.

<i>Ein Kommentar von Jost Kaiser</i>

Die Bremer Linke organisiert Mahnwachen vor Supermärkten, um deutsche Konsumenten davon abzuhalten, israelische Früchte zu kaufen. Die niedersächsische Abgeordnete und Schiffsexpeditionsfahrerin Inge Höger, ebenfalls Linke, schwadroniert darüber, ob jüdische Weltverschwörer nicht letztlich für den Mord an Vittorio Arrigoni, einem linken Pro-Palästina-Aktivisten verantwortlich seien.

An diesen Meldungen wird deutlich, wie es aussieht, wenn die deutsche Linke das überwindet, was der Kommunarde Dieter Kunzelmann in den Sechzigern einst den deutschen "Judenknacks" nannte: dann organisieren, immer im Dienst des neuen Fetischs – der "Friedensmacht Deutschland" – die neuen guten Deutschen "Kauft nicht bei Juden"-Boykotte.

Nun ist es so, dass es das Tabu Israel zu kritisieren nie gegeben hat – angesichts der aktuellen Ereignisse wünschte man es sich allerdings tatsächlich herbei. Denn schlimmer als gute Deutsche, die das abgehangene braune Zeug denken, es sich aber nicht trauen auszusprechen, sind eben die, die es schließlich doch tun – mit dem Sound der Rebellen, die das angebliche Sprechverbot durchbrechen.

"Die Kibbuz beglückten wenigstens mit Orangen"

Neurotisch war das Verhältnis der bundesrepublikanischen Deutschen zu Israel schon immer, auch wenn es sich zunächst in Sympathie für den jungen Juden-Staat zu erkennen gab. Bis in die Sechzigerjahre hinein gab es in der Bundesrepublik ein nahezu schwärmerisches Israel-Bild: Das Land der Pioniere und Kibbuzim, das fand der Deutsche, Erfinder des Genossenschaftsgedankens, durchaus sympathisch.

Junge Deutsche fuhren massenweise in israelische Kibbuz, in denen sie eine Variante des in Deutschland in die Jahre gekommenen Kommune-Gedankens sahen. Bei den Kommunen war ja nie was Gescheites rausgekommen, außer Selbstzerfleischung. Die israelischen Kibbuz beglückten wenigstens mit dem Fruchtfleisch ihrer Orangen Deutschland und die Welt.

Späte Sechzigerjahre brachten die Wende

Andere hatten handfestere Vorlieben. Militärisch fühlten sich die Deutschen mit ihrer seltsamen Armee ("Die Bundeswehr ist dazu da, den Feind aufzuhalten, bis eine richtige Armee kommt") seltsam angezogen von den Heldentaten einer richtigen Armee: der israelischen. So schrieb der "Spiegel" 1967 begeistert über "Israels Blitzkrieg": "Mit einer Musterdemonstration stählernen Soldatentums – für die Deutschen seit jeher die imponierendste aller Eigenschaften – schossen sie sich in die Herzen jenes Volkes, in dessen Namen einst alle Juden ausgerottet werden sollten. Ausgerechnet Juden, die deutsche Nazis für feig, faul und verkommen hielten, gewannen im Gegensatz zu den deutschen Herrenmenschen schon zum dritten Mal den Krieg gegen eine erdrückende Übermacht."

Heute erscheint diese Pro-Israel-Phase wie eine ferne, seltsame Episode, die der Sondersituation Deutschlands im Kalten Krieg geschuldet war. In den späten Sechzigerjahren kam bereits die Wende: Die Sympathie für die Pionier- und Kibbuz-Nation Israel wurde von der Idee des edlen Wilden in Form vom unterdrückten Palästinenser abgelöst.

Israel ist und bleibt die deutsche Neurose

So ist das bis heute. Die Palästina-Lobby, die in Deutschland nicht so heißt (im Gegensatz zur israelischen, bzw. jüdischen) hat ganze Arbeit geleistet. Die "Friedensmacht Deutschland", vertreten durch alle Parteien, fühlt sich durch Israel in seinem Dasein empfindlich gestört. Und viele Deutsche glauben tatsächlich, dass dieser "Konflikt", der in Wahrheit ein regionaler ist, die weltweit wichtigste Auseinandersetzung ist. Die 35 anderen Kriege auf dem Globus interessieren hierzulande kaum. Wenn man also heute das linke Treiben in Bezug auf Israel mit Entsetzen zur Kenntnis nimmt, dann vermag es keineswegs zu beruhigen, dass es im weiteren Parteienspektrum gemäßigter zugeht.

Auch bei SPD, CDU, FDP und Grünen hat sich die ewige Betonung des "besonderen Verhältnisses" (ein normales, wie es sich zu einer westlichen, demokratischen Nation gehört, würde eigentlich reichen) zu Israel längst als floskelhaft entpuppt. Das ewige Palavern über das Existenzrecht Israel, das wohl standfest und entschlossen klingen soll, ist davon das genaue Gegenteil. 60 Jahre nach Gründung Israels diskutieren die Deutschen dessen Existenzrecht. Über irgendeinen Beitrag der deutschen Parteienlandschaft über das "Existenzrecht Kanadas" oder der Mongolei sind hingegen keine Wortbeiträge bekannt. Die Linke ist überall. Israel ist und bleibt die deutsche Neurose schlechthin.

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