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Politik Mladic an UN-Kriegsverbrechertribunal ausgeliefert

Der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist am Dienstag von Serbien an das UN-Tribunal in Den Haag ausgeliefert worden.

Der 69-Jährige traf in einer Sondermaschine der serbischen Regierung in Rotterdam ein. Von dort wurde er unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in das Gefängnis in Scheveningen überstellt, wie am Abend offiziell bestätigt wurde. Wenige Stunden zuvor hatte das Gericht in Belgrad seinen Einspruch gegen die Auslieferung abgelehnt, Justizministerin Snezana Malovic unterzeichnete daraufhin die Auslieferungspapiere. «Mladic ist ausgeliefert», sagte sie vor der Presse.

Der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben im Bürgerkrieg (1992-1995) war am vergangenen Donnerstag nach fast 16-jähriger Flucht verhaftet worden. Ihm werden die schwersten Kriegsverbrechen seit 1945 in Europa vorgeworfen.

Mladic muss jetzt innerhalb von 48 Stunden erstmals vor dem Richter des UN-Tribunals erscheinen. Dann wird ihm die Anklage verlesen, anschließend muss er sich für schuldig oder unschuldig bekennen.

Vor seinem Abflug aus Belgrad hatte die Polizei hatte aus Sicherheitsgründen ein Verwirrspiel organisiert. Insgesamt drei Kolonnen mit Polizei-Jeeps hatten im Abstand von einer Stunde das Gericht in Belgrad verlassen, in dem der 69-Jährige seit seiner Verhaftung in einer Zelle saß. Die Autobahn von der Innenstadt in Richtung Flughafen wurde von der Polizei blockiert. Weil sich der Transport von Mladic zum Flughafen «Nikola Tesla» verzögert hatte, konnte die Justizministerin erst eine halbe Stunde später als geplant den Vollzug mitteilen. «Serbien hat alle internationalen Verpflichtungen erfüllt», sagte Ministerin Malovic.

Zuvor hatte Mladic das Grab seiner Tochter Anna besucht. Um 6.00 Uhr in der Früh wurde er unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zum Grab auf dem Topcider-Friedhof gebracht. Die damals 24-jährige Medizinstudentin hatte sich im März 1994 mit der Pistole ihres Vaters umgebracht. Nach Medienberichten soll sie aus Gram über die Gräueltaten ihres Vaters gehandelt haben. Mladic selbst hatte immer von Mord gesprochen.

Die letzten Stunden vor seiner Abreise verbrachte er mit seinen engsten Verwandten. Sein Sohn Darko sowie die Enkelkinder waren bei ihm. Seine Frau Bosiljka hatte ihm einen großen Koffer mit Kleidung und persönlichen Gegenständen mitgebracht. Der Ex-General sei bei der Verabschiedung in Tränen ausgebrochen, berichtete sein Anwalt. Mladic hatte vor den Justizbehörden noch seine Ehefrau in Schutz genommen, gegen die ein Verfahren wegen unerlaubten Waffenbesitzes läuft. Es handele sich nicht um ihre, sondern um seine Waffen, hatte Mladic betont.

Der ehemalige Oberkommandierende der bosnischen Serben muss sich wegen Völkermordes vor dem UN-Tribunal verantworten. Unter anderem geht es um die Ermordung von bis zu 8000 muslimischen Männern und Jungen im ostbosnischen Srebrenica im Juli 1995, um Grausamkeiten in Gefangenenlagern, sogenannte ethnische Säuberungen und den jahrelangen Beschuss von Sarajevo mit schweren Waffen, wobei tausende Menschen getötet wurden.

Insgesamt waren im Bosnien-Krieg auf Seiten der Muslime, Kroaten aber auch der Serben insgesamt wenigstens 100 000 namentlich benannte Menschen ums Leben gekommen.

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