Top-Bonitäten purzeln
S&P holt zum Rundumschlag aus
Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat dem Euro-Riesen Frankreich sein "AAA"-Rating entzogen. Gleich neun Euroländer wurden insgesamt herabgestuft - Italien und Spanien gleich um zwei Stufen.
Im Sog der Schuldenkrise büßt Europas Wirtschaftsriese Frankreich seine Top-Bonitätsnote ein. Die Ratingagentur Standard & Poor's unterstellt gleich neun Euroländern eine schlechtere Kreditwürdigkeit. Nachdem bereits die Abstufung von Frankreich offiziell geworden war, senkte S&P auch Österreich auf die zweitbeste Note "AA+". Die Bonität von Italien, Spanien, Portugal und Zypern ging gleich um zwei Stufen in den Keller. Malta, die Slowakei und Slowenien büßten eine Stufe ein. Deutschland behielt indes sein Spitzenrating von "AAA", sogar mit stabilem Ausblick. Für die betroffenen Länder kann sich die schlechtere Bewertung in höheren Zinsen niederschlagen, wenn dies auch nicht zwangsläufig eintreten muss. Die Märkte reagierten nervöse, nachdem erste Gerüchte bereits vor Börsenschluss bekannt geworden waren.
"Ich bestätige, dass Frankreich - wie die meisten Euro-Zonen-Länder - über eine Änderung seines Ratings informiert wurde", sagte Baroin in den Hauptabendnachrichten des Fernsehsenders France 2. Dies sei keine Katastrophe, da AA+ immer noch ein gutes Rating sei. Die Herabstufung bedeute aber, dass Frankreich seine Reformen ausweiten müsse: "Wir müssen mutig sein." Die Beschäftigung müsse gestärkt werden. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat besonders mit der Schuldenkrise zu kämpfen, weil die Banken des Landes stark in den Problemländern engagiert sind. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble relativierte die Bedeutung des Schritts aber umgehend.
Österreich könnte erneut herabgestuft werden
Auch dem Triple-A-Land Österreich ging an den Kragen. S&P senke die Bonitätsnote um eine Stufe und setze dazu den Ausblick auf negativ. Das bedeute, so ein Euro-Zonen-Vertreter, dass S&P zu 30 Prozent damit rechnet, 2012 oder 2013 Österreich abermals herunterzustufen. Österreichs Geldhäuser machen viele Geschäfte im klammen Ungarn.
S&P hatte Anfang Dezember Deutschland und 14 anderen Euro-Ländern wegen der Schuldenkrise mit einer Herabstufung binnen drei Monaten gedroht. Die Märkte reagierten auch damals aufgeregt. Zu einer dauerhaften Verteuerung von Schuldtiteln kam es aber nicht. Ganz im Gegenteil: So konnte Italien am Freitag wie geplant 4,75 Milliarden Euro einsammeln und musste Anlegern für dreijährige Anleihen nur 4,83 Prozent Zinsen bieten, nach 5,62 Prozent im Dezember und 7,89 Prozent im November.
Sarkozy beruft Krisentreffen ein
Sarkozy rief umgehend seinen engsten Regierungszirkel zusammen. Neben Finanzminister Baroin eilten auch Ministerpräsident Francois Fillon und Haushaltsministerin Valerie Pecresse in den Elysee-Palast. Pecresse hatte als Regierungssprecherin schon zuvor im Fernsehen die Kreditwürdigkeit des Landes betont. Frankreich bleibe ein sicheres Investitionsziel und könne seine Schulden zurückzahlen. Eine Herabstufung dürfte Sarkozys Chancen auf eine Wiederwahl im Mai schmälern. Die Vorsitzende der oppositionellen Sozialisten sagte: "Sarkozy wird immer der Präsident von Frankreichs Herabstufung bleiben."
Schäuble: Ratingagenturen bewerten uneinheitlich
Schäuble sagte, Frankreich sei trotz der Herabstufung auf einem guten Weg. Man sei von der Entscheidung von Standard & Poor's nicht überrascht, sagte er am Rande der CDU-Bundesvorstandsklausur in Kiel. Aber eine andere Ratingagentur habe in dieser Woche angekündigt, Frankreich nicht herabzustufen. Die Märkte hätten inzwischen gelernt, mit unterschiedlichen Bewertungen umzugehen.
"Wir sind nicht völlig überrascht davon. Wir wissen, dass es eine Verunsicherung zur Euro-Zone gibt", sagte Schäuble. Die Europäer würden aber mit Hochdruck daran arbeiten, diese Verunsicherung abzubauen. Die Marktreaktionen auf die Neu-Emmission italienischer und spanischer Staatsanleihen habe gezeigt, dass dies bereits wirke.