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Chaos in Mali Tuareg rufen eigenen Staat aus

Erst ein Militärputsch und jetzt die Spaltung: Im Norden Malis rufen Tuareg-Rebellen das Land Azawad aus. Aber hat der Möchtegern-Staat als 55. Land in Afrika überhaupt eine Zukunft?

Nach der Einnahme mehrerer strategisch wichtiger Städte haben die Tuareg-Rebellendie Unabhängigkeit des Nordens von Mali ausgerufen. Der neue Staat in Westafrika werde Azawad heißen und demokratisch sein, teilte die Rebellen-Gruppe MNLA mit. Sie wird unterstützt von Islamisten mit Verbindungen zu Al-Kaida, was international Befürchtungen über einen weiteren unberechenbaren Staates aufkommen ließ. Die Afrikanische Union und Frankreich wiesen die Unabhängigkeitserklärung umgehend zurück. Mali ist eine ehemalige französische Kolonie, die 1960 unabhängig wurde.

Die aufständischen Tuareg hatten in den vergangenen Tagen ein riesiges Gebiet im Norden unter ihre Kontrolle gebracht. Dabei waren Waffen und Kämpfer aus Libyen im Einsatz. In der Wüstenzone, die größer als Frankreich ist, liegen auch der alte Handelsposten Timbuktu und Gao, wo jetzt die Unabhängigkeit erklärt wurde.

Die Rebellen hatten von der Unruhe durch einen Putsch in der Hauptstadt Bamako im Süden des Landes profitiert: Dort wollten Offiziere mit einem Staatsstreich gegen Präsident Amadou Toumani Toure am 22. März eigentlich den Kampf gegen die Tuareg vorantreiben, die seit Jahrzehnten nach einem eigenen Staat streben.

Der neue Staat solle im Einklang mit den Grundsätzen der Vereinten Nationen stehen, erklärten die Tuareg-Rebellen. Alle Grenzen mit den Nachbarländern würden anerkannt. Mali hat die drittgrößten Goldlagerstätten in Afrika.

Frankreichs Verteidigungsminister Gerard Longuet sagte, eine Unabhängigkeitserklärung, die von den anderen afrikanischen Staaten nicht anerkannt werde, habe für die Regierung in Paris keinerlei Bedeutung. Nun sei es an Malis Nachbarländern auszuloten, ob Verhandlungen mit der MNLA möglich seien. Damit spielte er offenbar auf eine Teilautonomie an. Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas müsse sich um eine langfristige Lösung für Mali kümmern, sagte Longuet weiter. Die Afrikanische Union teilte mit, die Erklärung der Tuareg sei wertlos.

Frankreich hatte einen Militäreinsatz gegen den Aufstand der Tuareg ausgeschlossen. Es müsse eine politische Lösung mit den Rebellen geben, sagte Außenminister Alain Juppe vor der Ausrufung der Unabhängigkeit. Die Länder der Region müssten außerdem zusammenarbeiten, um das Vordringen der Al-Kaida zu bekämpfen.

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