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Zum Todestag bin Ladens Obama auf Blitzvisite in Afghanistan

Blitzbesuch am Hindukusch - US-Präsident Barack Obama ist am Dienstagabend überraschend nach Afghanistan geflogen. Pünktlich zum ersten Todestag von Osama bin Laden. Ist das auch Wahlkampf?

US-Präsident Barack Obama ist am Dienstagabend zu einem nicht angekündigten Besuch in Afghanistan eingetroffen. Obama landete auf der US-Luftwaffenbasis Bagram. Obama will mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai einen Vertrag über die strategische Zusammenarbeit nach dem geplanten Abzug der US-Armee vom Hindukusch unterzeichnen.

Die US-Armee stellt den Großteil der unter NATO-Führung stehenden internationalen Truppen am Hindukusch, die Kabul im Kampf gegen die aufständischen Taliban unterstützen sollen. Derzeit sind noch rund 87.000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert. Der Zeitplan der Sicherheitsübergabe an die einheimischen Kräfte sieht vor, dass bis Ende 2014 alle internationalen Kampftruppen abziehen. Einzelheiten sollen auf dem NATO-Gipfel am 20. und 21. Mai in Chicago festgelegt werden.

Rede zur Hauptsendezeit

Die Beziehungen der USA zur afghanischen Regierung sind durch mehrere Vorfälle in den vergangenen Monaten belastet. Im Januar sorgte ein Video für Empörung, auf dem US-Soldaten beim Urinieren auf Leichen getöteter Aufständischer zu sehen sind. Mitte Februar löste die Verbrennung von Koran-Exemplaren auf einem US-Stützpunkt heftige Proteste aus.

Im März soll ein US-Soldat im Süden des Landes in einem nächtlichen Amoklauf 17 Menschen ermordet haben, die meisten von ihnen Frauen und Kinder. Im April tauchten erneut Fotos mit mutmaßlichen Leichenschändungen durch US-Soldaten auf.

Etwa sieben Stunden will sich der US-Präsident am Hindukusch aufhalten. Die mitreisenden Journalisten mussten sich wegen möglicher Taliban-Anschläge zu Stillschweigen verpflichten, bis Obama sicher mit dem Hubschrauber in der Hauptstadt Kabul eingetroffen war. Dort will der US-Präsident um 4 Uhr morgens Ortszeit eine Rede halten, die die Amerikaner zur Hauptsendezeit in den USA am Abend verfolgen können.

Die Reise an den Hindukusch kommt zum ersten Jahrestag der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden im Nachbarland Pakistan durch ein Spezialkommando der US-Armee. Terroristenführer Bin Laden war am 2. Mai 2011 in seinem Versteck in der nordpakistanischen Stadt Abbottabad erschossen worden.

Vorwürfe gegen Obama

US-Präsident Barack Obama hatte zuvor Vorwürfe zurückgewiesen, dass er und seine Demokraten die Tötung von bin Laden im Wahlkampf für sich auszuschlachten versuchten. "Ich glaube kaum, dass man hier irgendwelche exzessive Feiern gesehen hat", sagte Obama am Montag in Washington. Er betrachte den Jahrestag als eine "Zeit zur Besinnung". Das amerikanische Volk erinnere sich "zu Recht daran, was wir als ein Land erreicht haben, indem wir jemanden der Gerechtigkeit zugeführt haben, der über 3000 unserer Bürger getötet hat".

Hintergrund des Wahlkampfstreits ist hauptsächlich ein Werbevideo des Obama-Teams, in dem eine Äußerung des designierten republikanischen Spitzenkandidaten Mitt Romney zur Suche nach Bin Laden aus dem Jahr 2007 aufgegriffen worden war. Darin hatte Romney die Klugheit der kostspieligen Jagd auf eine einzelne Person angezweifelt. In dem Video wird das zum Anlass für die Frage genommen, ob auch Romney den Befehl zur Tötung Bin Ladens gegeben hätte, wenn er damals Präsident gewesen wäre.

Die Antwort folgt in Form einer Aussage, mit der Romney vor vier Jahren in US-Medien zitiert wurde: "Es lohnt sich nicht, Himmel und Erde in Bewegung zu setzen und Milliarden von Dollar auszugeben, nur um eine Person zu fangen."

Romney verteidigt sich

Romneys Wahlkampflager wertete das als unangemessene Ausnutzung eines Anti-Terror-Sieges, der überparteilich und ein ernstes Ereignis sei. Romney selbst sagte am Montag, natürlich hätte auch er als Präsident die Tötung des Al-Kaida-Führers angeordnet. "Sogar Jimmy Carter hätte das getan", fügte er mit Blick auf den als besonders friedfertig geltenden ehemaligen demokratischen Präsidenten hinzu.

"Ich nehme an, dass Leute meinten, was sie sagten, als sie es sagten", erklärte Obama dazu. "Ich habe gesagt, dass ich Bin Laden an den Kragen gehen würde, wenn ich eine klare Gelegenheit dazu hätte, und das habe ich getan." Dass der Jahrestag als Zeit für etwas Besinnung genutzt werde, "um denjenigen zu danken, die (an der Operation) beteiligt waren, ist völlig angemessen, und das ist es, was stattgefunden hat."

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