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Duell der Vizekandidaten Biden will Obamas Wahlkampf retten

Gelingt US-Vizepräsident Joe Biden die Wende im Wahlkampf? Im TV-Duell gegen den republikanischen Überflieger Paul Ryan will Barack Obamas Stellvertreter punkten. Experten erwarten eine Redeschlacht.

US-Präsident Barack Obama rechnet trotz sinkender Umfragewerte weiter fest mit einem Wahlsieg. Allerdings räumte der Demokrat in einem Interview ein, dass es knapp werde dürfte. Zugleich lieferte er eine Erklärung für seinen schwachen Auftritt in der ersten TV-Debatte gegen Herausforderer Mitt Romney. "Ich war einfach zu höflich", sagte Obama in einer Radio-Show und versprach ein härteres Auftreten beim nächsten TV-Duell am 16. Oktober. Zunächst hofften die Demokraten jedoch auf einen Punktsieg von Obamas Nummer Zwei Joe Biden bei der Fernsehdebatte der Vize-Kandidaten am Donnerstagabend (Ortszeit) in Danville, Kentucky (N24.de überträgt die Debatte <a xlink:actuate="onRequest" xlink:href="http://www.n24.de/mediathek/n24-event-livestream/stream.html" xlink:show="new" xlink:type="simple">live</a> ab 3 Uhr MESZ).

Experten erwarteten einen harten Schlagabtausch zwischen Biden und dem republikanischem Vize-Kandidaten Paul Ryan. Bei dem eineinhalbstündigen Rededuell sollte es um innen- und außenpolitische Themen gehen. Der 69-jährige Biden ging wegen seiner mehr als 30-jährigen Senatszugehörigkeit und Debattenerfahrung nach Einschätzung vieler Kommentatoren zumindest als leichter Favorit in das Duell. Allerdings ist er auch als Politiker mit einem losen Mundwerk bekannt, der mit seinen rhetorischen Patzern Obama mitunter in Verlegenheit bringt.

Verwirrung um Romney

Legendär ist Bidens Kommentar zu Obama, nachdem dieser im März 2010 seine Unterschrift unter das Gesetz zur erbittert umkämpften Gesundheitsreform setzte. Biden umarmte Obama und sagte zu ihm: "This is a big fucking deal", auf Deutsch: "Das ist ein verflucht großes Ding". Dumm nur, dass zahlreiche Kameras den Kraftausdruck im Weißen Haus aufzeichneten.

Dagegen hat der 42 Jahre alte Ryan keine Erfahrungen mit TV-Debatten sowie der Außen- und Sicherheitspolitik. Der Kongressabgeordnete hat vor allem mit einem radikalen Sparprogramm Schlagzeilen gemacht, das scharfe soziale Einschnitte vorsieht. Für ihn ging es Kommentatoren zufolge auch darum zu beweisen, dass er in der Lage ist, im Falle des Falles die Zügel im Weißen Haus in die Hand zu nehmen. Vizepräsidenten in den USA müssen beim Tod des Präsidenten innerhalb von Stunden die Regierungsgeschäfte übernehmen.

Die Frage, warum Obama bei der Debatte vor einer Woche derart schwach abschnitt, ist nach wie vor ein vieldiskutiertes Thema in Washington. Es sei schwierig gewesen, Romney immer wieder vorzuhalten, dass er nicht die Wahrheit sage, meinte Obama in der Tom-Joyner-Radio-Show. Auch in einem Interview des Senders CNN räumte er ein, dass er einen "schlechten Abend" gehabt habe, Romney dagegen einen guten.

Romney sorgte unterdessen mit widersprüchlichen Äußerungen zum Abtreibungsrecht für Verwirrung. Er plane keine Gesetzesinitiativen zu diesem Thema, sagte er kürzlich beim Redaktionsbesuch bei einer Zeitung und stieß damit offensichtlich viele konservative Wähler vor den Kopf. Am Rande eines Wahlkampfauftritts am Mittwoch (Ortszeit) in Ohio ruderte er dann wieder zurück.

"Ich habe es immer wieder gesagt, dass ich ein Kandidat bin, der für das Leben eintritt", sagte er. Entsprechend werde er sich auch als Präsident verhalten. So werde er im Fall eines Wahlsiegs unverzüglich finanzielle Unterstützungen für Organisationen streichen, die Abtreibungen durchführten oder Frauen Abtreibungsberatungen anböten.

Obama wertete das in dem ABC-Interview als neuerlichen Beweis für Versuche Romneys, Positionen zu "verwischen", um damit mehr Wähler anzulocken. Nach einem deutlichen Rechtsruck während der Vorwahlen hatte der Republikaner in den vergangenen Wochen wiederholt frühere Positionen abgemildert. So kündigte er etwa an, Teile von Obamas Gesundheitsreform beizubehalten. Auch bei den Themen Steuern, Immigration und Bildung zeige er jetzt moderatere Positionen, stellte auch die "Washington Post" fest.

Unterdessen stärkt die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt Obama kurz vor der Wahl den Rücken: In der vergangenen Woche beantragten so wenig Amerikaner wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr zum ersten Mal Arbeitslosenhilfe. Dies teilte das Arbeitsministerium mit. Nach dem überraschend starken Rückgang der Arbeitslosenquote auf 7,8 Prozent im September sind das weitere gute Nachrichten für den Demokraten.

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