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Politik Christina Aguilera: «Man braucht eine dicke Haut»

US-Sängerin Christina Aguilera meldet sich mit ihren neuen Album «Lotus» zurück. Die Arbeit daran war für sie eine «Zeit der Freiheit» - es ist ihr erstes Album seit der Scheidung von Musikmanager Jordan Bratman und ihrem Engagement als Coach im TV-Talentwettbewerb «The Voice».

Aguilera (31) kehrt mit «Lotus» auch in den Pop-Mainstream zurück, nachdem ihr Vorgängeralbum «Bionic» 2010 floppte. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa redet sie über ihr Körperbild, über Doppelmoral und ihre Rolle als Star.

Was erwarteten Sie von Ihrem neuen Album, und wie groß ist der Druck?

Aguilera: «Wenn man gefangen ist in Gedanken wie "Oh, ich muss mich unter so viel Druck setzen, um in die Charts zu kommen" oder nur noch an sogenannte Hits denkt, dann nimmt einem das die Ehrlichkeit und schadet dem zutiefst kreativen Prozess, etwas ganz Besonderes zu schaffen. Einige meiner liebsten Stücke - von mir selbst und von anderen - waren nicht unbedingt kommerziell erfolgreich. Deshalb setze ich mich nicht unter Druck.»

Ein Teil Ihrer Werke ist umstritten, weil Sexualität und Körperbild darin eine große Rolle spielte. Was wollen Sie uns mit ihrem Nacktbild auf dem Cover von «Lotus» sagen, und welche Reaktion erwarten Sie?

Aguilera: «In meiner ganzen Karriere war es spannend, eine Frau zu sein, die sehr selbstsicher auftritt, sich in ihrer Haut wohlfühlt und das auch ohne Angst zeigt: dieses innere Selbstbewusstsein, das daher stammt, dass man in der Lage ist, die eigene Sexualität zu erkunden. Ich habe keine Angst davor, über Doppelmoral zu reden: Warum ist etwas okay bei Männern und nicht bei Frauen? Warum werden Frauen in Schubladen gesteckt und Männer nicht?»

Standen Sie beruflich unter dem Druck, eine bestimmtes Bild oder Körpergefühl darstellen zu müssen?

Aguilera: «Über Frauen gibt es immer Meinungsäußerungen, immer Kritik ... Es ist sehr spannend, eine Frau zu sein. Dein Körper verändert sich immer wieder. Ich bekam einen Sohn. Ich war schwanger. Als Frau erlebst Du, wie dein Körper neues Leben gibt. Ich schätze den weiblichen Körper. Ich sehe es so: Egal, welche Konfektionsgröße, ich bewundere immer die selbstbewussteste Frau im Raum.»

Auf was sind Sie besonders stolz?

Aguilera: «Ganz klar auf meinen Sohn. Für eine Mutter gibt es letztlich nichts Erfreulicheres und Befriedigenderes, als dieses kleine Wesen vor dir zu sehen. Ich kann vom chaotischsten, verrücktesten und stressigsten Arbeitstag nach Hause kommen, aber wenn ich dieses Gesicht und das Lächeln sehe, dann ist das alles egal. Das macht mein ganzes Leben heiterer. Es gibt mir Kraft und Inspiration weiterzumachen mit dem, was ich mache.»

Das Video für Ihre neue Single «Your Body» zeigt Sie in einem T-Shirt mit der Aufschrift «Fuck the Paparazzi». Das ist starker Tobak für jemanden, der mal einen Stammplatz in den Promi-Zeitschriften hatte, oder?

Aguilera: «Ich denke, das sind einfach aufdringliche Menschen. Das sind aufdringliche Charaktere. Ich verstehe, dass sie damit Geld verdienen, aber sie leben wie Stalker. Ich trage ein solches T-Shirt als Antwort darauf, dass ich zum Beispiel meinen Sohn zu seinem Fußballspiel begleite, und sie fotografieren ihn aus nächster Nähe, verstecken sich im Gebüsch, während er Fußball spielt. Ich möchte einfach nur dabei zugucken, wie mein Kind Fußball spielt.»

Viele Menschen halten den Beruf des Popstars für einen Traumjob. Hat die Branche und das Promi-Leben auch dunkle Seiten?

Aguilera: «Wenn man den Beruf wählt, weil man auf Glanz und Glamour steht, weil man diese Videos drehen und sexy aussehen will ... dann sind das die falschen Beweggründe. Es ist sehr harte Arbeit. Um in diesem Geschäft erfolgreich zu sein, braucht man eine dicke Haut. Man muss selbstsicher sein und genau wissen, wer man ist. Nur dann überdauert man die Zeit.»

Interview: Valerie Hamilton, dpa

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