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Stich ins Wespennest CIA-Sexskandal bringt Washington in Bedrängnis

Der Sexskandal an den Spitzen von CIA und US-Militär wird für Washington zusehends zum Problem. Alle Hinweise führen zu einer Arztgattin aus Florida - und der Fall wird immer kurioser.

Mächtige Männer, attraktive Frauen, ein Skandal an der Spitze von Geheimdiensten und US-Armee - die Affäre um den zurückgetretenen CIA-Chef David Petraeus ähnelt immer mehr einem Drehbuch zu einem Hollywood-Thriller. Nun scheint auch ein weiterer Vier-Sterne-General in das Geflecht aus Ehebruch und möglichem Geheimnisverrat verstrickt zu sein, der Afghanistan-Kommandeur John Allen. Angesichts der jüngsten Wendung in dem Fall, der den Ruf der US-Sicherheitsbehörden zu erschüttern droht, stellen sich viele in Washington die Frage: Was für Enthüllungen sind noch zu erwarten?

Die Querverbindungen zwischen Petraeus und den anderen Protagonisten sind nicht immer leicht zu durchschauen. Am Anfang steht Berichten der US-Medien zufolge wohl die außereheliche Beziehung zwischen dem CIA-Chef und seiner Biografin Paula Broadwell. Die Affäre soll im November 2011 begonnen haben, zwei Monate nachdem Petraeus von seinem Posten als Oberbefehlshaber der Afghanistan-Truppen an die Spitze des US-Auslandsgeheimdienstes rückte.

Im Mai erscheint die zweite Frau auf der Bühne, Jill Kelley, Ehefrau eines Chirurgen aus Tampa in Florida und ehrenamtliche Helferin auf einer dortigen Militärbasis. Familie Kelley und Familie Petraeus seien befreundet, heißt es. Als Kelley anonyme Droh-E-Mails erhält, in der ihr ein sexuelles Interesse an Petraeus vorgeworfen wird, bittet sie einen befreundeten FBI-Agenten um Hilfe. Was in den Augen der Bundespolizei als Eifersuchtsdrama und Cyberstalking beginnt, weitet sich zu einer Polit-Affäre erster Güte aus.

Fummeleien unterm Tisch?

Die FBI-Ermittler identifizieren Broadwell als Absenderin der E-Mails, in denen die Petraeus-Geliebte unter anderem schildert, wie Kelley den CIA-Chef ungebührlich unter dem Tisch angefasst haben soll. Kelley informiert während des Sommers Petraeus über die Droh-Botschaften, der wiederum Broadwell auffordert, die Bekanntschaft aus Tampa nicht weiter zu belästigen. Irgendwann zu dieser Zeit sollen der CIA-Chef und seine Biografin ihre Liebesbeziehung beendet haben. Doch die Spitzen des FBI und des Justizministeriums sind mittlerweile über die pikanten Details aus dem Leben des Vorzeigesoldaten im Bilde.

Für das FBI sind die Ermittlungen ein Balanceakt: Auf der einen Seite müssen sie die Privatsphäre des hochdekorierten Kriegshelden Petraeus wahren, dürfen unbestätigte Vorwürfe nicht öffentlich werden lassen. Allerdings ist die außereheliche Affäre des CIA-Chefs nicht nur Privatsache, sondern auch ein potenzielles Risiko für die nationale Sicherheit. Petraeus könnte erpressbar sein - oder seine Geliebte mit geheimen Informationen versorgt haben.

Ende Oktober finden Ermittler auf Broadwells Computer vertrauliche Dokumente. Sowohl Broadwell als auch Petraeus bestreiten, dass die Unterlagen vom CIA-Chef stammen. Doch Zweifel bleiben: In einem Video, das am Montag im Internet auftaucht, spricht die Biografin bei einem Vortrag an der Universität Denver mit überraschender Detailkenntnis über den tödlichen Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi: Die CIA habe auf dem Gelände mehrere libysche Milizionäre gefangengehalten, die Attacke vom 11. September sei womöglich ein Befreiungsversuch gewesen. Der Geheimdienst weist diese Behauptung zurück.

Zehntausende Emails aus Afghanistan

In der Nacht zum Dienstag platzt dann die nächste Bombe: General John Allen, der Nachfolger von Petraeus in Afghanistan, pflegte einen regen Austausch mit Kelley, der Arztgattin aus Tampa. Das Pentagon untersucht zwischen 20.000 und 30.000 Seiten womöglich "unangemessener" E-Mails, die sich beide zwischen 2010 bis 2012 offenbar geschrieben haben. Allens Ernennung zum Oberkommandierenden der NATO in Europa liegt nun erstmal auf Eis.

Ein ranghoher Regierungsmitarbeiter sagte der "New York Times", dass Kelley sich vermutlich nicht über die Folgen bewusst gewesen sei, als sie das FBI wegen Broadwells Eifersüchteleien einschaltete: "Die eigentliche Frage ist, warum sich jemand entschlossen hat, in dieses Wespennest zu stechen." Auch der FBI-Agent, dem sich Kelley anvertraute, ist mittlerweile ins Zwielicht geraten. Der Mann soll einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge von dem Fall "besessen" gewesen sein - und Kelley per E-Mail Fotos von sich mit nacktem Oberkörper geschickt haben.

US-Präsident Barack Obama, der Oberbefehlshaber des US-Militärs, muss sich nun jedenfalls fragen, ob er seinen amtierenden und pensionierten Vier-Sterne-Generälen wie Petraeus und Allen eigentlich vertrauen kann. Schon ihr Vorgänger als ISAF-Oberkommandeur in Afghanistan, Stanley McChrystal, fiel in Ungnade, als er sich unflätig über den Präsidenten und andere Regierungsmitglieder äußerte. Davor war es David McKiernan, den das Pentagon unsanft von seinem Posten entfernte.

Eigentlich wollte sich Obama nach der Wahl als erstes um eine Lösung für die US-Haushaltsprobleme kümmern. Nun muss er vor allem den Schaden für seine Verteidigungspolitik begrenzen. Fachleute schließen nicht aus, dass der Skandal noch weitere Kreise zieht.

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