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Machtkampf geht weiter Mehrheit für neue Verfassung in Ägypten

Ägypten ist gespalten - wie bei der Präsidentschaftswahl so auch beim Verfassungsreferendum. Zwar zeichnet sich eine Mehrheit für den Entwurf der Islamisten ab. Sicher ist aber noch nichts.

Der Machtkampf um die Zukunft Ägyptens geht auch nach dem Auftakt des Referendums über die neue Verfassung weiter. Ersten inoffiziellen Ergebnissen zufolge zeichnete sich zwar mit rund 56 Prozent eine knappe Mehrheit für den umstrittenen Entwurf der Islamisten ab. In zwei Provinzen - darunter die Hauptstadt Kairo - setzten sich aber die Verfassungsgegner durch. Das Land ist gespalten. Nach Prognosen beteiligte sich nur jeder dritte Wahlberechtigte an der Volksabstimmung. Die zweite Runde folgt in einer Woche.

Die Opposition beklagte zahlreiche Wahlrechtsverstöße - und forderte eine Wiederholung der Abstimmung vom Vortag. Acht Gruppen beklagten bei einer Pressekonferenz in Kairo, dass Wähler mit religiöser Propaganda behelligt und Beobachter am Betreten der Wahllokale gehindert worden seien. Der Generaldirektor des Kairoer Institutes für Menschenrechtsstudien, Bahai ed-Din Hassan, wies ferner darauf hin, dass mehrere Wahllokale vor der angekündigten Zeit geschlossen worden seien.

Am Wahltag hatte es auch mehrere Berichte über die Einschüchterung von Oppositionellen und Christen durch bärtige Männer gegeben. In Alexandria übernahmen nach Angaben der Zeitung «Al-Ahram» an einer Schule Salafisten sogar die Wahlaufsicht und sagten den Wählern, sie sollten mit Ja stimmen. Berichte, wonach es in 26 Wahllokalen in vier Provinzen nicht wie vorgeschrieben eine Aufsicht durch Richter gab, wies das Justizministerium zurück.

Die Diskussion um die erste Verfassung nach dem Sturz von Langzeitpräsident Husni Mubarak spaltet schon seit Wochen die Menschen im bevölkerungsreichsten arabischen Land. Immer wieder gab es Massenproteste und tödliche Krawalle.

Während in acht von zehn Provinzen das Regelwerk nun gebilligt wurde, stimmten in der Hauptstadt Kairo die meisten mit Nein. Auch in der Provinz Gharbija soll eine knappe Mehrheit gegen den Entwurf votiert haben. Dort liegt auch die Industriestadt Mahalla, wo die Opposition traditionell sehr stark ist.

In den restlichen Provinzen - darunter Alexandria, die Sinai-Halbinsel und Assuan - stimmten die meisten Wähler nach den von der Muslimbruderschaft auf der Internetseite ihrer Partei «Freiheit und Gerechtigkeit» veröffentlichten Angaben mit Ja. Offizielle Ergebnisse sollen erst nach der zweiten Runde am 22. Dezember bekanntgegeben werden.

Die Opposition sieht in dem Verfassungsentwurf den ersten Schritt in Richtung Gottesstaat und eine strengere Auslegung der Scharia. Viele Anhänger von Präsident Mohammed Mursi wünschen sich genau das.

Friedensnobelpreisträger und Oppositionspolitiker Mohammed ElBaradei nahm die Ergebnisse zum Anlass, an Mursi zu appellieren. Er verwies darauf, dass mehr als 40 Prozent gegen die Verfassung gestimmt hätten. Die Nation sei zunehmend gespalten und die Grundfeste des Staates ins Wanken geraten, twitterte er. Werde Mursi nunmehr erkennen, dass er das Staatsoberhaupt aller Ägypter sein müsse?

Der erbitterte Richtungsstreit zwischen Islamisten und Opposition hatte am Samstag gerade in den großen Städten die Wähler in Scharen in die Wahllokale gelockt. 26 Millionen Männer und Frauen waren zur Stimmabgabe berechtigt. Wegen des Andrangs blieben die Wahllokale vier Stunden länger geöffnet. Um Zusammenstöße zwischen Islamisten und Oppositionellen zu vermeiden, waren 300 000 Sicherheitskräfte im Einsatz, darunter 130 000 Polizisten.

Zwischenfälle gab es trotzdem. So kam es in Kairo am Abend zu einem Gewaltausbruch, als Hunderte Islamisten die Zentrale der liberalen Wafd-Partei umstellten. Sie griffen das Gebäude mit Feuerwerkskörpern und Steinen an, wie auf einem von der Partei ins Internet gestellten Video zu sehen war. Auch Schüsse waren zu hören. Sicherheitskräfte gingen schließlich dazwischen.

Wird der Verfassungsentwurf angenommen, muss innerhalb von zwei Monaten ein neues Parlament gewählt werden. Das erste nach dem Sturz Mubaraks gewählte Unterhaus wurde im Sommer von einem Gericht aufgelöst. Dort hatten die Islamisten eine deutliche Mehrheit von etwa 70 Prozent - ein solches Ergebnis dürften sie 2013 nicht mehr erreichen.

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