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Politik Syriens Armee greift Flüchtlingslager an

Die syrische Luftwaffe hat nach Angaben von Aktivisten erstmals ein palästinensisches Flüchtlingslager unter Beschuss genommen. Bei dem Angriff auf das Lager Jarmuk im Süden der Hauptstadt Damaskus seien mindestens acht Menschen getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Luftwaffe griff demnach auch weitere Stadtteile und Vororte von Damaskus an.

Bewohner berichteten der Nachrichtenagentur AFP, eine Granate sei in einer Moschee des Flüchtlingslagers Jarmuk eingeschlagen. Fast 600 Vertriebene aus benachbarten Stadtteilen seien in dem Gebäude untergebracht gewesen. Es habe "viele Opfer" gegeben. Wegen des Konflikts in Syrien haben in dem Palästinenserlager auch viele Binnenflüchtlinge Zuflucht gesucht. Ein palästinensischer Flüchtling sagte AFP via Internet, die Bewohner hätten sich im Zentrum des Camps versammelt, weil die Ränder unter Beschuss und Schauplatz von Kämpfen seien.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte in Ramallah, die Palästinenser hätten mit dem Konflikt in Syrien nichts zu tun. Er fordere daher von allen Konfliktparteien, "die Palästinenser und ihre Lager in Syrien zu verschonen". Die Angriffe müssten "sofort aufhören".

Der Angriff auf das Flüchtlingslager war einer von vielen Luftangriffen auf Orte und Vororte im Süden von Damaskus. Laut Beobachtungsstelle wurden in den Vierteln Assali und Hadschar al-Aswad Häuser zerstört. Auch die Vororte Harasta, Erbin, Naschabije und Otaja seien unter Beschuss gewesen. Vielerorts habe es Kämpfe zwischen Soldaten und Aufständischen gegeben.

Südwestlich von Damaskus beschossen Panzereinheiten nach Rebellenangaben den seit Wochen von Rebellen gehaltenen Vorort Daraja. Kampfjets überflogen mehrmals den Ort.

Die Regierungstruppen hatten vor kurzem eine Offensive begonnen, um die Region im Umkreis von acht Kilometern um die Hauptstadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bekommen. Laut dem Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, konzentrieren sich die Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad derzeit darauf, die Rebellenbastionen im Süden von Damaskus zu bekämpfen. Die Armee könne die Rebellen nicht ohne die Luftwaffe besiegen, sagte er.

Die Palästinenser seien gespalten zwischen Anhängern und Gegnern der Rebellion, fügte Rahman mit Blick auf das angegriffene Flüchtlingslager hinzu. Einige hätten zu den Waffen gegriffen. "Sie kämpfen auf beiden Seiten." Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte beruft sich bei ihren Angaben auf ein großes Netzwerk aus Aktivisten, Ärzten und Soldaten in ganz Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite nicht nachprüfbar.

Im Norden Syriens lieferten sich laut der Beobachtungsstelle Rebellen und Soldaten erneut Gefechte um die Kontrolle der Militärakademie in Muslimijeh nördlich von Aleppo. Am Samstag starben ihren Angaben zufolge landesweit fast 160 Menschen. Seit dem Beginn des Aufstands gegen Präsident Assad im März 2011 wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle mehr als 43.000 Menschen getötet.

Die Chemiewaffen der syrischen Armee sind nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes (BND) innerhalb von Stunden einsatzbereit. BND-Präsident Gerhard Schindler habe die Waffenbestände in der vergangenen Woche in einer streng vertraulichen Runde auf bis zu tausend Tonnen geschätzt, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Darunter seien 700 Tonnen Sarin und jeweils hundert Tonnen Senf- und VX-Gas.

Obwohl mehrere Feldkommandeure bereits den Einsatz der Massenvernichtungswaffen gegen die Rebellen gefordert hätten, gebe es laut BND jedoch keine konkreten Vorbereitungen für ihren Einsatz, heißt es in dem "Spiegel"-Bericht. Aktivitäten an den Waffenlagern, die durch Satelliten beobachtet worden waren und weltweit für Sorge gesorgt hatten, waren laut dem Geheimdienst vermutlich nur Maßnahmen zur Sicherung der Bestände vor möglichen Angriffen der Rebellen.

Syriens Chemiewaffen-Arsenal gilt als eines der größten im Nahen Osten. Die USA und andere westliche Staaten haben Damaskus nachdrücklich vor einem Einsatz in dem aktuellen Konflikt gewarnt.

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