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Neuer Anstrich für USA Obama startet in zweite Amtszeit

Die Amtseinführung des US-Präsidenten ist tief in der amerikanischen Geschichte verwurzelt, doch so große Partys wie unter Obama gab es zuvor nie. Doch nach dem ganzen Glamour waren schwere Aufgaben.

Zweieinhalb Monate nach seinem Wahlsieg über den Republikaner Mitt Romney tritt der Demokrat Barack Obama an diesem Sonntag seine zweite Amtszeit als US-Präsident an. Kurz vor Mittag (Ortszeit) am Sonntag wird er zunächst in einer privaten Zeremonie im Weißen Haus seinen Amtseid ablegen. Am Montag folgt dann die öffentliche Vereidigung auf den Stufen des Kapitols.

Die Feiern kamen bereits am Samstag in Schwung. So versammelten sich Tausende Menschen auf der Mall, der Museumszeile im Herzen von Washington, zu einem Festival mit Musik, Essen und Ansprachen. Am Abend luden First Lady Michelle Obama und Jill Biden, die Frau von Vizepräsident Joe Biden, Kinder von US-Militärangehörigen zu einem Konzert mit Rockern und Rappern ein.

"Meine Sache gut gemacht"

Zudem hatte Obama den Samstag zum "nationalen Tag der freiwilligen Hilfe" erklärt. Im ganzen Land waren die Bürger dazu aufgerufen, gemeinnützige Arbeit zu leisten. Obama und seine Ehefrau Michelle halfen am Samstag in Freizeitkleidung beim Anstreichen eines Regals in einer Schulturnhalle in Washington. "Michelle hat gesagt, ich hätte meine Sache gut gemacht", scherzte der Präsident anschließend. Obama hatte die Freiwilligenaktion zu seiner ersten Amtseinführung 2009 gestartet. Damals tauchte er in Jeans vor einer Unterkunft für Obdachlose in Washington auf und half beim Neuanstrich. Zudem besuchte er verwundete Soldaten. Die Bidens halfen beim Verpacken von Geschenkpaketen für in Übersee stationierte US-Soldaten.

Grund für die zweifache Vereidigung Obamas ist, dass der 20. Januar als vorgeschriebener Tag der Amtseinführung auf einen Sonntag fällt. Seit 1821 gilt die Tradition, dass dann das öffentliche Zeremoniell auf den Montag verschoben wird. Insgesamt werden zu den Feiern bis zu 800.000 Menschen erwartet. Am Sonntagmorgen (Ortszeit) legt Obama zunächst einen Kranz auf dem Nationalfriedhof in Arlington nieder, dann folgen die private Vereidigung und - am Abend - ein Empfang in einem Museum in Washington.

Waffengesetze und neue Minister

Der Montag beginnt für die First Family mit der Teilnahme an einem Gottesdienst in einer episkopalischen Kirche, um 11.20 Uhr (17.20 Uhr MEZ) legt Obama öffentlich seinen Amtseid ab. Nach einem Mittagessen im Kapitol folgt eine Parade zum Weißen Haus - mit Musikkapellen und Festwagen. Am Abend tanzen die Obamas auf den traditionellen Vereidigungsbällen.

Am Dienstagmorgen folgt noch einmal eine kirchliche Andacht, am Abend dann ein weiterer Ball - diesmal im Kreis des Obama-Mitarbeiterstabs. Danach beginnt für Obama der politische Alltag der zweiten Amtszeit - mit einer Reihe von Herausforderungen. So stehen im US-Senat die Bestätigungsverfahren zur Berufung von John Kerry als neuem Außenminister und vom Republikaner Chuck Hagel als künftigem Pentagonchef an. Außerdem muss Obama versuchen, umstrittene Vorschläge für Verschärfungen der US-Waffengesetze als Konsequenz aus dem Schulmassaker von Newtown im Kongress durchzubringen. Darüber hinaus kommt auf den Präsidenten eine neue Runde im Streit mit den Republikanern um ein Sparprogramm zum Defizitabbau zu.

Tief verwurzelte Tradition

Die Amtseinführung von Präsidenten ist tief in der US-Tradition verwurzelt. Seit 1937 findet sie regulär an einem 20. Januar statt. Auch jetzt legt der wiedergeählte Präsident Barack Obama seinen Amtseid an diesem Tag ab - die große öffentliche Feier mit zeremoniellem Schwur findet aber erst einen Tag später statt. Der Amtseid, wie ihn George Washington am 30. April 1789 in New York erstmals leistete, ist in der Verfassung genau festgeschrieben. Viele seiner Nachfolger setzten aber eigene Akzente.

Der Demokrat Thomas Jefferson wurde am 4. März 1801 als erster Präsident in Washington vereidigt. Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit ritt er 1805 zu den Klängen einer Militärkapelle vom Kapitol zum Weißen Haus. Normalerweise finden die Amtseinführungen im Freien statt. So auch am 4. März 1841, als der 68-jährige William H. Harrison während eines eisigen Sturms ohne Mantel eine 90 Minuten lange Rede hielt. Dabei holte er sich eine Lungenentzündung und starb genau einen Monat später.

Auch als der fast 74 Jahre alte Ronald Reagan 1985 seine zweite Präsidentschaft begann, war es mit etwa minus 14 Grad Celsius sehr kalt. Deswegen fand die Zeremonie unter dem Dach in der Rotunde des Kapitols statt. Als der Demokrat John F. Kennedy am 20. Januar 1961 den Eid leistete, hatten sich vor dem Kapitol in Washington etwa 60.000 Menschen versammelt. Sie und Millionen Fernsehzuschauer hörten den wohl berühmtesten Satz einer ersten Präsidentenrede: "Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann. Frage, was Du für Dein Land tun kannst."

Wie an ersten Amtstagen üblich, begann der 20. Januar 2001 für den Republikaner George W. Bush mit Gebeten und endete mit Bällen am Abend. Am Rande der Feierlichkeiten protestierten Tausende dagegen, dass Bush und nicht sein demokratischer Gegenkandidat Al Gore nach einem langen juristischen Gerangel die Wahl gewonnen hatte. Als Bushs Vorgänger Bill Clinton 1997 zum zweiten Mal Präsident wurde, waren fast 250.000 Menschen auf den Beinen. Zu Obamas Amteinführung vor vier Jahren waren Millionen Menschen nach Washington gereist, um persönlich dabei zu sein, als erstmals ein Schwarzer das Amt des US-Präsidenten übernahm.

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