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Clintons Abschiedsrede Sie ist dann mal weg

Mit einer letzten Rede im US-Außenministerium hat sich Hillary Clinton von ihren Mitarbeitern verabschiedet. Clinton will sich nun eine Auszeit nehmen - doch die USA hoffen auf eine Rückkehr.

Überschattet vom Attentat auf die US-Botschaft in Ankara hat US-Außenministerin Hillary Clinton die letzte Rede ihrer Amtszeit gehalten und sich von ihren Mitarbeitern verabschiedet. "Ich werde Sie vermissen - und vielleicht mal durchklingeln, um ein bisschen zu plaudern", sagte Clinton zum Abschied. Die Rede markiert das Ende eines turbulenten Monats - der ganz anders geplant war. Denn Clintons Pläne für 2013 waren einfach, sehr sogar. Zum Abschluss ihrer Amtszeit als US-Außenministerin wollte sie noch einmal um die Welt reisen und möglicherweise ihren eigenen Rekord brechen: 112 Länder hatte sie seit ihrem Amtsantritt 2009 in offizieller Mission bereits besucht.

Anschließend wollte sie eine Auszeit nehmen, gemeinsam mit ihrem Mann, Expräsident Bill Clinton, entwicklungspolitische Themen bearbeiten und eine Fortsetzung ihrer Memoiren schreiben. Und schließlich wollte sie eine wegweisende Entscheidung treffen: Ob sie sich noch einmal darum bewerben wird, nach der nächsten Wahl als erste Präsidentin ins Weiße Haus einzuziehen.

"Mein Mann ist nicht der Außenminister"

Doch dann machte ihr die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung: ein Magenvirus nach einer Europareise, eine schwere Erschöpfung, eine Ohnmacht, ein Sturz und eine Gehirnerschütterung, nach der Ärzte ein Blutgerinnsel in Gehirnnähe diagnostizierten. So verletzlich und ohne Kontrolle über die äußeren Umstände hatten die Amerikaner ihre Außenministerin in deren vierjähriger Amtszeit als Unterhändlerin und Chefbotschafterin der USA kaum erlebt.

Krisen gab es allerdings auch zuvor. Eine davon war der tödliche Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi am 11. September 2012, nach dem ihr Ministerium in die Kritik geriet. In zwei Anhörungen vor dem US-Kongress wies Clinton energisch Vorwürfe von Republikanern zurück, wonach die Regierung das Land bezüglich des Angriffs, bei dem US-Botschafter Chris Stevens und drei US-Bürger getötet wurden, in die Irre führen wollte. Ihr Ministerium sei dabei, umgehend Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen an US-Botschaften weltweit umzusetzen, betonte sie.

"Es gibt Menschen in Politik und Medien, die Fakten nicht wahrhaben wollen", erklärte Clinton am Donnerstag im letzten Einzelinterview ihrer Amtszeit. Am Freitagnachmittag (Ortszeit) soll ihr Nachfolger John Kerry sein Amt antreten. "Sie leben einfach nicht in einer Welt, die auf Beweisen aufbaut." Dies sei bedauerlich für die Menschen, "die unserer Regierung unter sehr gefährlichen, schwierigen Umständen dienen". In ihren Äußerungen legte sie dieselbe Entschlossenheit an den Tag, mit der sie sich in den vergangenen Jahren von der unterlegenen Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten zu einer der weltweit bekanntesten und meist geachteten Politikerinnen gewandelt hatte.

Für die Wahl 2016 gilt sie Umfragen zufolge als Favoritin. Kein anderer Politiker der Demokraten hat derzeit bessere Chancen, die Partei hinter sich zu vereinen. Ihre hohe Popularität in der Bevölkerung dürfte ihr auch einen Vorsprung vor jedem republikanischen Gegenkandidaten verschaffen. Und mit dann 69 Jahren wäre sie auch noch nicht zu alt für das Präsidentenamt. Andererseits galt Clinton auch vor der Wahl 2008 lange als eindeutige Favoritin, bevor sie dann von Barack Obama geschlagen wurde.

Auf die Frage, ob sie in der Politik noch etwas beizutragen habe, antwortete sie: "Absolut." Über die Einzelheiten habe sie aber noch nicht entschieden. "Ich bleibe Außenministerin bis zur allerletzten Minute. Dann nehme ich das Wochenende frei, und dann fange ich vielleicht an, mir Gedanken über all die verschiedenen Angebote und Anfragen und Ideen zu machen, die mir vorliegen."

In den letzten Monaten ihrer Amtszeit half Clinton, eine Waffenruhe zwischen Israelis und der militanten palästinensischen Hamas im Gazastreifen auszuhandeln. Außerdem ordnete sie in ihrem Ministerium eine Reihe organisatorischer Veränderungen nach dem Überfall von Bengasi an. Ferner engagierte sie sich weiter für ihre Herzensanliegen wie Frauen und Kinder in Entwicklungsländern und die Zivilgesellschaft in undemokratischen Staaten.

Sich Gehör zu verschaffen, war für sie anfangs nicht immer leicht. Während einer Reise in die Demokratische Republik Kongo wurde sie von einem Studenten gefragt, was ihr Mann Bill über den chinesischen Einfluss in Afrika denke. "Sie möchten, dass ich Ihnen sage, was mein Mann denkt?" fragte sie zurück. "Mein Mann ist nicht der Außenminister. Ich bin es. Wenn Sie mich nach meiner Meinung fragen, sage ich Ihnen meine Meinung. Ich bin nicht das Sprachrohr meines Mannes." Doch aus dessen Schatten trat sie bald heraus.

Historische Reise nach Birma

Und sie vertrat offen ihre Ansichten. Bei einem Besuch in Pakistan 2009 erklärte sie, sie könne schwerlich glauben, dass niemand in der pakistanischen Regierung den Aufenthaltsort von Al-Kaida-Führer Osama bin Laden kenne. Die Empörung in Islamabad war daraufhin groß. Bei ihrer ersten Auslandsreise als Außenministerin erklärte Clinton, Differenzen über Menschenrechte dürften nicht die gesamten Beziehungen zwischen den USA und China überschatten. Menschenrechtsaktivisten, die Clintons Präsidentschaftsbewerbung unterstützt hatten, reagierten verärgert.

Clinton aber blieb bei ihrer Haltung und konnte drei Jahre später die Freilassung des blinden Dissidenten Chen Guangcheng erreichen, der in der US-Botschaft in Peking Zuflucht gesucht hatte. Zugleich wurde der Menschenrechtsdialog mit China wieder aufgenommen.

Dies war einer ihrer größten diplomatischen Erfolge, neben ihrer historischen Reise nach Birma. Clinton war im Dezember 2011 inmitten von Anzeichen einer Bereitschaft des Militärregimes für Reformen die erste US-Außenministerin seit 56 Jahren, die das Land besuchte. In Rangun drang sie auf weitere Reformen und traf die Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die viele Jahre unter Hausarrest stand.

Clinton besuchte schließlich jeden Staat in Südostasien und stärkte die Beziehungen zu ehemaligen Feinden aus der Zeit des Vietnamkriegs. Zu ihrer Erfolgsbilanz zählt auch ein Ölabkommen zwischen Sudan und Südsudan, außerdem überzeugte sie China und weitere Staaten davon, gegen den Iran wegen dessen umstrittenem Atomprogramm Ölsanktionen zu verhängen.

Schon das erste größere Problem ihrer Amtszeit, die Veröffentlichung hunderttausender geheimer Dokumente des Außenministeriums durch die Internetplattform Wikileaks, hatte Clinton souverän bewältigt. Die für Washington zum Teil höchst peinlichen Enthüllungen enthielten unter anderem unverblümte Einschätzungen von US-Diplomaten über ausländische Politiker.

Zahlreiche Krisen überdauern indes ihre Amtszeit: der Bürgerkrieg in Syrien etwa, die ungewisse politische Zukunft in Ägypten und die Lage in Afghanistan. Auch Israelis und Palästinenser sind einer Friedenslösung nicht nähergerückt. Insgesamt verbrachte Clinton als Ministerin 401 Tage im Ausland und fast drei Monate im Flugzeug. Und manchmal machte sie ganz unbeabsichtigt Schlagzeilen: Ein spontaner Shopping-Abstecher in ein Modegeschäft während eines Rom-Besuchs 2011 löste dort ein Verkehrschaos aus.

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