Kirche oder Gazprom?
Zypern sucht nach seinem Retter
Zypern sucht nach dem Nein zum EU-Rettungsplan nach einem "Plan B". Im Kampf gegen die Pleite kommt der russische Staat ebenso infrage wie der Energiekonzern Gazprom. Selbst die Kirche will helfen.
Nach dem Scheitern des EU-Rettungsplans für Zypern suchen Regierung und Zentralbank der Insel nach neuen Wegen, die Staatspleite abzuwenden. Bei einem Treffen in der Zentralbank werde über einen <a xlink:actuate="onRequest" xlink:href="http://www.n24.de/news/newsitem_8684517.html" xlink:show="new" xlink:type="simple">"Plan B" beraten, um Kapital aufzubringen</a>, aber auch den Eigenanteil von 5,8 Milliarden Euro zu reduzieren, den Zypern im Gegenzug für die europäischen Rettungshilfen erbringen muss, sagte Regierungssprecher Christos Stylianides.
Hoffnungen setzt Nikosia dabei auf Unterstützung aus Russland. Dabei geht es unter anderem um die Verlängerung eines bereits gewährten Kredits über 2,5 Milliarden Euro um fünf Jahre, einen Zinsnachlass sowie mögliche neue russische Investitionen, um eine Pleite des Landes abzuwenden. Erste Verhandlungen zwischen Finanzminister Michalis Sarris und seinem russischen Amtskollegen Anton Siluanow blieben jedoch ergebnislos.
Es gebe noch keine Entscheidung, die Gespräche gingen weiter, sagte Sarris nach einem Treffen mit dem russischen Finanzminister in Moskau. "Wir hatten eine sehr ehrliche Diskussion, wir haben unterstrichen, wie schwierig die Lage ist", sagte er. "Es gab keine Angebote, nichts Konkretes... Wir sind zufrieden mit einem guten Auftakt."
Putin: EU-Pläne sind ungerecht
Bei einem Telefongespräch von Wladimir Putin und dessen zyprischem Kollegen Nicos Anastasiades am Dienstagabend habe Russlands Präsident seiner Sorge über Maßnahmen Ausdruck verliehen, die die Interessen russischer Einzelpersonen und Unternehmen schädigen könnten, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur Interfax. Örtliche Medien spekulierten unterdessen, der russische Energiekonzern Gazprom könnte möglicherweise Zyperns Banken mit Geld versorgen und im Gegenzug Anteile an zyprischen Offshore-Energiefeldern verlangen.
Das zyprische Parlament hatte am Dienstagabend die im Rahmen des EU-Rettungspaketes geplante Zwangsabgabe auf Bankguthaben mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Russen wären von der nun gescheiterten Zwangsabgabe auf Bankeinlagen mutmaßlich stark betroffen gewesen. Schätzungen zufolge sollen etwa ein Drittel aller Einlagen bei zyprischen Banken Russen gehören, die die Insel als Steuerparadies schätzten. Putin hatte die EU-Pläne als ungerecht und unprofessionell kritisiert.
Kirche will Staatsanleihen kaufen
Die Orthodoxe Kirche Zyperns bot der Regierung ihre Hilfe an. Erzbischof Chrysostomos II. sagte nach einem Gespräch mit Präsident Nikos Anastasiades, die Kirche sei bereit, auf ihr Vermögen Hypotheken aufzunehmen und Staatsanleihen zu kaufen. Die orthodoxe Kirche besitzt nicht nur Ländereien, sondern auch Anteile an einer Bank und eine Brauerei.
Die Eurogruppe steht für eine rasche Zusammenkunft bereit, wenn Zypern einen Alternativplan zur Lösung seiner Finanzprobleme vorlegt. Die Euro-Finanzminister könnten sich noch diese Woche treffen, allerdings "nur wenn Zypern konkrete Vorschläge macht", sagte ein ranghoher Eurogruppen-Vertreter in Brüssel.
Die Ablehnung des Rettungspakets ist auch Thema bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Noch am Mittwoch will die EZB über das weitere Vorgehen beraten, wie es aus Finanzmarktkreisen hieß. Am Dienstagabend hatte die EZB in einer kurzen Stellungnahme versichert, die Liquiditätsversorgung der Banken in Zypern weiter sicherzustellen. Die notwendige Liquiditätsversorgung erfolge im Rahmen der bestehenden Regelungen.
Die EZB habe die Entscheidung des Parlaments zur Kenntnis genommen, hieß es in der Mitteilung weiter. Außerdem stünden die Notenbank in Kontakt zu den Partnern der Troika. Neben der EZB besteht die Troika aus Vertretern der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF).