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Terror-Fahndung im Netz Plötzlich war man verdächtig

Bei der Suche nach den Bostoner Terrorverdächtigen setzten die Behörden massiv auf Hinweise aus der Öffentlichkeit. Besonders im Web entwickelte sich daraus eine problematische Eigendynamik.

Nicht nur Polizisten und Spezialeinsatzkommandos machten in den vergangenen Tagen Jagd auf die Bombenleger vom Bostoner Marathon. Auch ganz normale Menschen beteiligten sich in den gesamten USA mit ihren Computern und Smartphones an der Suche nach möglichen Verdächtigen, hörten den Polizeifunk ab, werteten Überwachungsvideos aus und sendeten Fotos von möglichen Verdächtigen übers Internet in die ganze Welt.

Angetrieben von Twitter und Onlineforen wie Reddit und 4Chan spielten Tausende in den ganzen USA Hobby-Detektiv. Während die Polizei schließlich die beiden ethnischen Tschetschenen Tamerlan und Dschochar Zarnajew als mutmaßliche Attentäter identifizierte, wurden bei den Amateur-Ermittlungen auch Unschuldige durch einen stetig anschwellenden Online-Mob unter Verdacht gestellt. Für viele Beobachter stellte sich deshalb die Frage, inwieweit die Behörden in der Welt der sozialen Netzwerke um die Mithilfe der Öffentlichkeit bitten sollten.

"Das FBI hat gewissermaßen die Tür geöffnet", sagt Hanson Hosein, Direktor des Master-Studiengangs für Kommunikation in Digitalen Medien an der Washington University. "Es war beinahe, als ob sie herausgefordert würden, und sie haben die Herausforderung angenommen. Sie können entweder hilfreich sein oder zum Mob werden."

Informationen aus dem Polizeifunk

Nutzer des Onlineforums Reddit begannen damit, Hinweise aus Fotos und Videos zusammenzuwürfeln. Sie wiesen auf Männer mit Rucksäcken hin, verglichen deren Schulterriemen mit jenen, in denen die Bomben transportiert wurden. Sie analysierten die Explosionen und die Blicke der Personen auf Fotos und Videos.

Eine neue Welle der Detektivarbeit begann, nachdem das FBI die Fotos der Zarnajew-Brüder veröffentlicht hatte. Während sie den Polizeifunk abhörten, glaubten Nutzer von Twitter und Reddit den Namen eines seit März abgängigen Studenten der Brown-Universität gehört zu haben und ein User postete einen Artikel über dessen Verschwinden.

Plötzlich wurde die Familie des Vermissten mit unflätigen Kommentaren überschüttet und nahm kurzzeitig eine Facebook-Seite vom Netz, mit der sie nach dem Studenten gesucht hatte. Einige Stunden später entschuldigten sich die Online-Detektive, viele von ihnen sahen allerdings keine Schuld bei sich selbst. Er entschuldige sich, für "einen möglichen Anteil, den wir vielleicht an der Weiterleitung von - wie sich später herausstellte - falschen Informationen haben", schrieb der Moderator eines Forums.

"Wanted: Dead or Alive"

Auch US-Präsident Barack Obama sprach das Thema am Freitagabend an, nachdem der zweite Verdächtige gestellt worden war. "In diesem Zeitalter der sofortigen Berichterstattung, der Tweets und Blogs, besteht die Versuchung, jede kleinste Information zu übernehmen und manchmal zu voreiligen Schlüssen zu kommen."

Die Online-Suche nach den Tätern begann bereits unmittelbar nach den Bombenexplosionen am Montag und führte schnell zu falschen Verdächtigungen. Der 17-jährige Salah Eddin Barhoum, der als Zuschauer beim Marathon war, fand sein Bild plötzlich überall im Internet und sogar auf der Titelseite der "New York Post" wieder. Er habe Angst, das Haus zu verlassen, sagte er später.

Auch die Polizei war nicht sonderlich erfreut über das Ausmaß, das die Online-Suche zwischenzeitlich annahm. Sie forderte Internetnutzer auf, keine Meldungen mehr aus ihrem Polizeifunk weiterzugeben. Für den Online-Kommunikationsexperten Hosein war die Bitte des FBI nach Mithilfe für die Öffentlichkeit nichts anderes als die "Wanted: Dead or Alive"-Poster - (Gesucht: Tot oder Lebendig) - aus dem 19. Jahrhundert. Nur, dass sie über das Internet eine viel größere Verbreitung fanden. Er hoffe jedenfalls, dass die Online-Detektive nach dieser Woche lernen, ein wenig mehr Zurückhaltung zu üben.

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