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NSU-Prozess Bei Blut schaut Beate Zschäpe weg

Zehn Menschen soll der NSU umgebracht haben. Im Prozess gegen Beate Zschäpe wurden nun erstmals Bilder von einem der Tatorte gezeigt. Bei den blutigen Fotos schaute die Hauptangeklagte weg.

Beate Zschäpe hat ihre Lesebrille aufgesetzt. Sie blättert in Unterlagen, dann schaut sie konzentriert auf den Bildschirm ihres Laptops. Es sieht so aus, als wolle sie um keinen Preis nach oben schauen, auf die Leinwand im Gerichtssaal. Dort werden Fotos gezeigt: Ein zu Boden gesunkener Mann in schwarzem Poloshirt und schwarzer Hose, sein Oberkörper lehnt noch an an der Wand. Blutspritzer sind zu sehen. Abdurrahim Özüdogru, 49 Jahre alt, erschossen am 13. Juni 2001 in seiner kleinen Änderungsschneiderei in der Nürnberger Südstadt.

Detailaufnahmen: Ein Einschuss unterhalb des rechten Nasenlochs. Geronnenes Blut an Mund und Nase. Ein zweiter Einschuss an der Schläfe, ein rundes, dunkles Loch. Darunter eine dunkle Blutspur. Beate Zschäpe schaut auf ihren Laptop.

Abdurrahim Özüdogru war das zweite Opfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU), laut Anklage ermordet von den Neonazi-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Zuerst feuerten sie einen Schuss in sein Gesicht, dann einen weiteren in die Schläfe. Özüdogru starb noch am Tatort. Die Bilder zeigen eine kleine, ärmlich wirkende Schneiderei im Erdgeschoss eines Eckhauses.

"Eine offensichtlich gewachsene Unordnung in dieser Schneiderwerkstatt", stellt der pensionierte Kriminalbeamte fest, der die Tatortermittlungen führte und nun als Zeuge vernommen wird. "Es ist keine sichtbare Ordnung zu erkennen gewesen", meint der Kommissar. Die herumstehenden Tüten scheinen ihn mehr zu irritieren als die Leiche.

Özüdogru wohnte direkt neben seiner Schneiderei, der Beamte zeigt Bilder aus den Wohnräumen, "das sogenannte Wohnzimmer", sagt er, konstatiert auch dort eine "gewachsene Unordnung". Außerdem seien da Sachen "von einer Freundin, die sich Herr Özüdogru nach seiner Scheidung zugelegt hatte".

Wenn man dem Beamten zuhört, bekommt man eine ungefähre Vorstellung, was für Bilder die Ermittler im Kopf hatten. Vielleicht auch, warum sie Drogenhunde durch die Wohnung führten, aber nicht auf die Idee kamen, dass Özüdogru nur aus einem Grund erschossen wurde: Weil er Türke war.

Der NSU auf "Deutschlandtour"

Beate Zschäpe schaut erst wieder hin, als Lagepläne der Wohnung gezeigt werden. Das Opfer ist darauf nur durch ein Symbol dargestellt. Zschäpe ist als Mittäterin angeklagt. Nicht, weil sie am Tatort gewesen wäre, sondern weil sie für die legale Fassade sorgte, während ihre Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos durch das Land fuhren, um Ausländer zu erschießen.

"Deutschlandtour" - so heißt es in dem Bekennervideo der Terroristen, das am Nachmittag gezeigt wird. Die Comicfigur Paulchen Panther führt darin von Mord zu Mord. Auch von Abdurrahim Özüdogru haben die Täter ein Foto gemacht und es in ihr Video montiert. "Hier hat die Strafe sich beeilt", so der Kommentar. In einer früheren Version des Videos, die auch gezeigt wird, heißt es: "A. Özüdogru ist nun klar wie ernst uns der Erhalt der deutschen Nation ist."

Nachdem sich Böhnhardt und Mundlos erschossen hatten, schickte Beate Zschäpe das Video an verschiedene Medien. Nun lehnt sie sich zurück, mit verschränkten Armen.

Bestand weiter Kontakt zur rechten Szene?

Nebenklagevertreter thematisierten am Montag auch mögliche Verbindungen des Terror-Trios zu rechten Szene. Noch 2006 sollen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos auf einem Konzert der rechten Band "Oidoxie" gewesen sein, heißt es in einem Beweisantrag des Opferanwalts Thomas Bliwier.

Dort hätten sie unter anderem Sebastian S. getroffen, einen Neonazi, der als V-Mann für den Verfassungsschutz tätig war. Hieraus würde sich wiederum ein Kontakt zu Robin S. ergeben - jenem Neonazi aus Dortmund, dem Beate Zschäpe aus der Untersuchungshaft einen längeren Brief geschrieben hat. Bliwier beantragte, unter anderem Sebastian S. und Robin S. als Zeugen vernehmen zu lassen. "Es wird bewiesen werden, dass Frau Zschäpe nach wie vor Kontakt in die gewalttätige Neonazi-Szene hält."

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