Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Rockerclubs in Deutschland Freiheitsliebende Biker oder brutale Gangster?

Ihr Auftreten ist oft einschüchternd: Gruppen tätowierter, kräftiger Männer auf hubraumstarken Motorrädern - Rocker verängstigen und faszinieren.

Von blutigen Revierkämpfen und organisierter Kriminalität auf der einen, und unangepassten, etwas handfesteren Motorradfans auf der anderen Seite ist bei Rockern die Rede. Und genauso, wie die Clubs viele Menschen verängstigen, sind andere von den ruppigen Männerbünden fasziniert: Die erfolgreiche US-Fernseh-Serie "Sons of Anarchy" um eine fiktive Rocker-Bande ist da nur ein Beispiel.

Ein weniger romantisches Bild zeichnen Polizei und Szeneaussteiger von den echten Rockern, bezichtigen sie der organisierten Kriminalität: Schutzgelderpressung, Menschen-, Waffen- und Drogenhandel, Gewalttaten bis hin zum Mord - in beinahe jedem Feld der Schwerkriminalität sollen die Biker von Hells Angels, Bandidos, Gremium und Co. aktiv sein. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hält sie für - so wörtlich - "sehr gefährlich". Von ihnen gehe eine schwerwiegende Gefährdung für individuelle Rechtsgüter und die Allgemeinheit aus.

Unterstützer der Clubs und auch die Rocker selber sehen das selbstverständlich anders: Dass einzelne Mitglieder durchaus keine Unschuldslämmer seien, wird nicht bestritten. Daraus kann man aber nicht auf die übrigen Mitglieder oder gar die Clubs selber schließen, argumentieren die Rocker. Man will einfach nach seinen eigenen Regeln leben. Ehre, Kameradschaft und Zusammenhalt bilden das Fundament der Bruderschaften. Konflikte löst man untereinander, man teilt aus und steckt ein. "Bei uns Rockern kommt es häufiger als woanders zu Hauereien – weil wir anders gestrickt sind, weil wir Rebellen sind", so der hauptberufliche Fotograf und Präsident der Stuttgarter Hells Angels, Lutz Schelhorn, zuletzt im März beim Talk mit Sandra Maischberger.

Mythos Rocker: Zwischen Ehre und Geld

So weit, so gut. Aber die Vergangenheit hat auch gezeigt: Es bleibt nicht nur bei den Fäusten. Es werden Waffen wie Macheten und Baseballschläger eingesetzt, immer wieder fallen Schüsse, wie zuletzt am 17. Juni 2013 in Aachen und nur zwei Tage vorher in Halle – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Hintergründe der Taten bleiben meist im Dunkeln, die Rocker halten sich an einen eisernen Schweigekodex. Auch wenn sie selber Opfer werden, reden sie grundsätzlich nicht mit der Polizei – Männer-Ehrenwort.

Probleme werden per Handschlag gelöst - das demonstrierten die miteinander verfeindeten Rockerbosse Frank Hanebuth von den Hells Angels und Peter Maczollek von den Bandidos 2010 in Hannover. Öffentlichkeitswirksam reichte man sich vor versammelter Presse die Hand zum Frieden. Kritiker vermuteten dahinter allerdings eher Kalkül als eine ehrliche Absicht. Der damalige Chef der deutschen Polizeigewerkschaft Konrad Freiberg: "Der sogenannte Friedensvertrag soll nur die Öffentlichkeit beruhigen" - und von den eigentlichen Geschäften der schweren Jungs ablenken.

Dass es mit den viel beschworenen Werten nicht mehr weit her ist, berichten auch Aussteiger aus der Szene, wie der ehemalige Höllen-Engel Ulrich Dutrois. Der beschreibt seine eigenen Erlebnisse in dem Buch "Höllenritt": "Hells Angels machen fast alles nur aus Eigennutz. Was finanzielle Vorteile bringt, wird knallhart durchgezogen, was Verluste einfährt, wird ausrangiert."

Die Geister, die man rief

Die Rockerclubs als gewinnorientierte Betriebe – eine Entwicklung, die sich auch mit der Expansionspolitik der Clubs der letzten Jahre erklären lässt: Um sich gegen die gegnerischen Clubs zu behaupten, wurden immer mehr Mitglieder rekrutiert. Dabei ging man eher nach dem Motto "Masse statt Klasse" vor. Ob Rechtsradikale, Hooligans oder Straßengangs: Aufgenommen wurde jeder – Hauptsache er konnte kräftig prügeln. Inzwischen mischen sogar kriminelle Großfamilien in der MC-Szene mit - auch sie wollen ein Stück vom Kuchen abhaben und vom harten Ruf der Rocker profitieren. Dabei haben sie aber eben ihre eigenen, oft kriminellen Interessen im Kopf, und nicht die des jeweiligen Clubs.

So ist die einstige Subkultur schnell - für manchen zu schnell - groß geworden: Allein die Hells Angels sollen laut Bundeskriminalamt (BKA) in Deutschland zwischen 1999 und 2011 von 50 auf mehr als 1200 Mann angewachsen sein. Und die wenigsten Neu-Rocker interessieren sich anscheinend noch für die Ursprünge ihrer Szene, wie so mancher altgediente Haudegen lernen musste. Der damalige Präsident des Mongols MC in Deutschland, Bernhard Denzinger, wandte sich 2010 von seinem Club ab. Zuvor hatte er noch ein neues Chapter in Bremen mit aufgebaut, musste dann allerdings enttäuscht feststellen: "Keiner von denen hatte ein Motorrad, und die haben ständig nur dummes Zeug und Stress gemacht."

 


Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Hier kann nicht mehr kommentiert werden.