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Ägyptens Armee Die eigentliche Macht im Staat

Der Machtkampf zwischen Politik und Militär ist entschieden. Die ägyptische Armee hat Präsident Mohammed Mursi abgesetzt. Der "Putsch" macht eins deutlich: Am Nil agiert ein Staat im Staate.

Nach gewaltsamen Demonstrationen hat das ägyptische Militär den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi entmachtet und Neuwahlen angekündigt. Die ägyptische Armee ist im Staat fest verwurzelt. Seit 60 Jahren ist sie einer der Hauptakteure auf der politischen Bühne des Landes. Alle Amtsvorgänger des nun gestürzten ersten zivilen Präsidenten Mohammed Mursi seit dem Ende der Monarchie 1952 kamen aus ihren Reihen: Mohammed Nagib, Gamal Abdel Nasser, Anwar al-Sadat und Husni Mubarak.

Als Mubarak auch nach wochenlangen Protesten im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings Anfang 2011 noch an seinem Stuhl klebte, waren es schließlich aber die Militärs, die den Ausschlag zugunsten der Rebellion gaben, indem sie ein gewaltsames Vorgehen gegen die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo verweigerten.

Nach dem Sturz Mubaraks hielt zunächst der Oberste Militärrat unter Marschall Hussein Tantawi die Zügel fest in der Hand. Nach der anfänglichen Begeisterung der Bevölkerung über die Rolle der Armee während der Rebellion warf die Opposition Tantawi vor, die autoritären Herrschaftsstrukturen beizubehalten und für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich zu sein.

Schlüsselfigur General Abdel Fattah al-Sissi

Auch nach der Einleitung eines demokratischen Übergangs ließ die Armee nur langsam von der Macht. Mitte August 2012 entschied der im Juni gewählte Mursi den Machtkampf für sich und schickte Tantawi in den Ruhestand.

Die Schlüsselfigur derzeit ist General Abdel Fattah al-Sissi, zugleich Armeechef und Verteidigungsminister unter Mursi. In der vergangenen Woche versicherte al-Sissi, das Militär werde Ägypten nicht ins Chaos treiben lassen. Es sei "nationale und moralische Pflicht der Armee, konfessionelle Gewaltausbrüche und einen Zusammenbruch der staatlichen Institutionen zu verhindern". Die Armee selbst will nach Angaben von ägyptischen Politikwissenschaftlern nicht noch einmal unmittelbar die Macht übernehmen, sondern nur für einen geordneten Übergang sorgen.

Das Offizierskorps dürfte zu einer der wohlhabendsten Gesellschaftsgruppen in Ägypten zählen. Im Dienst oder bereits in Rente kontrollieren die Generäle große Teile der Wirtschaft - von Immobilien über Zementfabriken bis hin zu Mineralwasserabfüllern. Zudem sind die Streitkräfte finanziell durch den Staat und das Ausland bestens gerüstet. Die USA päppeln die ägyptische Armee mit Ausrüstung und 1,3 Milliarden Dollar (rund eine Milliarde Euro) jährlich.

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