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Human Rights Watch schlägt Alarm Gruppenvergewaltigungen auf dem Tahrir Platz

Die Proteste in Ägypten haben eine schreckliche Schattenseite: Innerhalb der Demonstrationen kommt es immer wieder zu brutalen Gruppenvergewaltigungen. Die Opfer berichten Erschütterndes.

"Während des Angriffs schaute ich nach oben und sah 30 Männer auf einem Zaun. Alle hatten ein Grinsen im Gesicht und filmten mich mit ihren Handys. Sie sahen eine nackte Frau, mit Fäkalien beschmiert und zusammengeschlagen, keine Ahnung was daran lustig war. Diese Frage stelle ich mir noch heute, ich werde den Gedanken einfach nicht mehr los."

Diesen erschütternden Bericht gab die 30-jährige Musikerin Yasmine El Baramawy den Aktivisten von Human Rights Watch. Als sie im November auf dem Tahrir-Platz in Kairo an den Protesten teilnahm, wurde sie niedergeschlagen und von zwischenzeitlich 100 Männern umringt, brutal misshandelt und vergewaltigt.

Mit ihrer schrecklichen Erfahrung ist die Frau nicht allein: 91 Vorfälle dieser Art allein in den letzten vier Tagen hat Human Rights Watch registriert. Die Täter gehen dabei immer nach dem gleichen Muster vor: Frauen werden in der Menge von ihren Begleitern abgedrängt und isoliert, begrapscht und ihnen werden die Kleider vom Leib gerissen. Anschließend werden sie von der Menge vergewaltigt und brutal zusammengeschlagen. Demonstranten, die helfen wollen, werden von den häufig bewaffneten Tätern bedroht oder ebenfalls verprügelt.

Was erschreckt: Es sind keine Einzeltäter, die den Trubel der Proteste für ihre Taten nutzen, sondern große Gruppen ganz "normaler" Männer. Diskriminierung und sexuelle Belästigung von Frauen gehört in Ägypten leider zum Alltag. So erlebt es auch N24-Reporterin Nadine Mierdorf, die derzeit vom Tahrir-Platz über die Demonstrationen berichtet: "Der Respekt vor den Frauen ist nicht wirklich da. Wenn ich als Reporterin über den Platz laufe, dann kommen Männer von hinten an und betatschen mich. Ohne den Schutz meiner Kollegen würde ich nie über den Platz gehen." 

Eine Erfahrung, die auch CBS-Reporterin Lara Logan machen musste: Die Auslandskorrespondentin berichtete am 11. Februar 2011, dem Tag des Rücktritts von Staatspräsident Husni Mubarak, aus Kairo vom Tahrir-Platz, als plötzlich 200 Männer die Journalistin von ihrem Team trennten. Bis sie von einer Gruppe Frauen und Soldaten befreit werden konnte, wurde sie geschlagen und sexuell misshandelt. Die traumatisierende Erfahrung beschrieb sie einem Interview: "Ich starb auf diesem Platz. Ich dachte, dass ich nie wieder meine Kinder sehen werde."

"Frauen tragen 100 Prozent zu ihrer Vergewaltigung bei"

Die Reporterin hatte noch Glück, dass sie gerettet und in die USA ausgeflogen werden konnte. Den Frauen vor Ort steht nach einer Vergewaltigung oft noch Schlimmes bevor: Als Vergewaltigungsopfer werden sie stigmatisiert, man gibt ihnen die Schuld für die Tat. Nach den Massenvergewaltigungen im Februar 2012 äußerten sich viele Mitglieder des ägyptischen Oberhauses abwertend – über die Opfer. So wie General Adel Afifi: "Die Frauen tragen 100 Prozent zu ihrer Vergewaltigung bei, weil sie sich selber in so ein Umfeld begeben."

Die Folge der Übergriffe und solcher Aussagen sind, dass Frauen mehr und mehr von der Demokratiebewegung abgeschnitten werden. Vor Ort sieht man kaum noch Demonstrantinnen. Innerhalb der Protestbewertung regt sich aber auch Widerstand. "Auf dem Tahrir-Platz wurde jetzt eine Sicherheitszone für Frauen eingerichtet", berichtet N24 Reporterin Nadine Mierdorf, "um sie herum stehen Männer und Frauen mit Knüppeln, die sie beschützen." Es ist ein Lichtblick - dennoch ist es bitter, wenn die Hälfte der Gesellschaft nur unter Schutz demonstrieren kann. Ein Umstand, der Ägypten noch sehr weit von einer wirklichen Demokratie entfernt scheinen lässt.

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