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Aufregung um Jobcenter-Broschüre Zynische Tipps für Hartz-IV-Empfänger

Mit einer Comic-Broschüre will ein Jobcenter in Schleswig-Holstein Hartz-IV-Empfänger zum Sparen erziehen. Das Heft sorgt mit Tipps wie Fleischverzicht und Möbelverkauf für heftige Diskussionen.

Eigentlich wollte das Jobcenter Pinneberg in Schleswig-Holstein seine Hartz-IV-Broschüre auflockern und die komplizierten Regeln des Arbeitslosengeldes II mit Hilfe einer lustigen Comicgeschichte erklären. Doch der Schuss könnte nach hinten losgehen: Die gezeichnete Geschichte der fiktiven Familie Fischer klärt nicht einfach nur über die Rechte und Pflichten von Hartz-IV-Empfängern auf, sie fordert nebenbei auch zum Geldsparen auf – mit Tipps, die weit über die entsprechenden Vorschriften hinausgehen.

So rät das Jobcenter seinen "Kunden" etwa, weniger Fleisch zu essen, alte Möbel zu verkaufen und Leitungswasser zu trinken. Als die Eltern der Comic-Familie am Küchentisch erklären, dass sie Hartz IV beantragen müssen, einigt sich die Familie umgehend darauf, eine Woche lang auf Fleisch zu verzichten. Die Tochter erklärt freudig: "Ich will sowieso Vegetarierin werden!" Weil Verkäufe aus dem Hausrat nicht auf die Leistungen des Jobcenters angerechnet werden, beginnt die Comic-Familie fleißig, alte Möbel im Internet zu versteigern.

Leitungswasser ist sowieso besser

Auch für die täglichen Einkäufe hält die Broschüre Ratschläge bereit. Im Supermarkt rät eine Freundin Frau Fischer, keine Getränke mehr zu kaufen und stattdessen auf Leitungswasser umzusteigen: "Vielleicht müsst ihr euch nur daran gewöhnen. Wusstest du eigentlich, dass Leitungswasser oft eine bessere Qualität hat als Mineralwasser." Fröhlich nimmt die Comic-Familie zudem in Kauf, dass sie in eine kleinere Wohnung umziehen muss. Als die Zusage für die "perfekte" neue Wohnung eintrifft, wird mit selbstgemachter Pizza gefeiert, die Herr Fischer "ausnahmsweise" großzügig mit Schinken belegt.

"Mit diesem Ratgeber wollen wir die komplizierte Materie für unsere Kunden verständlicher machen und […] in eine einfache Sprache […] übersetzen", schreibt der Leiter des Jobcenters Kreis Pinneberg, Gerold Mellem, auf der Webseite der Einrichtung. "Die Schwierigkeit bestand darin, typisches Behörden-Deutsch so umgangssprachlich wie möglich zu formulieren, ohne dass es falsch wird."

Lob erhielt die Broschüre von höchster Stelle. Der für Hartz IV zuständige Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, twitterte: "Jobcenter Pinneberg hat einen tollen ALG2-Ratgeber herausgegeben. Hartz IV einfach erklärt; auch zum Download."

Bei Vertretern von Sozialverbänden stößt der Ratgeber jedoch auf heftige Kritik. "Es ist absolut albern, wenn Hartz-IV-Beziehern nahegelegt wird, ihre Möbel zu verhökern, nur noch Leitungswasser zu trinken, Vegetarier zu werden und das Gemüse am besten gleich selbst anzubauen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, der "Bild"-Zeitung.

Die Geschichte der Familie Fischer hat übrigens ein Happy End: Herr Fischer findet einen neuen Arbeitsplatz – dank der Unterstützung und der Spartipps des Jobcenters Pinneberg.

Die gesamte Broschüre gibt es hier als PDF-Datei zum Download.

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