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Scherzkekse im Visier Der Spion an sich versteht keinen Spaß

Ein Geheimdienstskandal bewegt seit Wochen die Bundesrepublik. Wie spaßfrei die Behörden auf "Bedrohungen" aus dem Internet reagieren, zeigt nun der Fall eines "Spionschützers" aus Hessen.

Was als Scherz begann, machte einen jungen Mann aus dem hessischen Griesheim zum Zielscheibe des Staatsschutzes. Der 28-jährige Daniel Baggert lud per Facebook zu einem Ausflug zum nahe gelegenen "Dagger Complex" ein. Dort sollen Spione des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA ihrer Arbeit nachgehen. Baggert hatte bei der Veranstaltung nicht an eine Demonstration gedacht. Es ging ums "Entdecken und Beobachten (…) der von uns geschützten Art, der NSA-Spione". Mitzubringen seien unter anderem "genug Verpflegung (…) der Lebensraum der NSA-Spione ist sehr karg und es gibt keine Einkaufsmöglichkeit in der Nähe" und "Blumen aller Art, um den Lebensraum der NSA-Spione etwas aufzupeppen". Steigen sollte der Spaß am 13. Juli.

So weit, so spaßig – bis die Polizei vor der Tür stand. "Ein Kumpel von mir fragte im Scherz, ob die NSA schon Mitglied sei. Ich habe scherzhaft drunter gepostet, ich würde immer noch auf einen Vorab-Besuch warten. Dann kam die Polizei hierher und hat mich wirklich besucht", sagt Baggert, der das Interesse des Staatsschutzes für seine Person prompt auf Facebook öffentlich machte. Überrascht ist der Hesse davon, dass selbst offensichtlicher "Käse im Netz" die "ganze Maschinerie in Gang setzt".  Statt sich einschüchtern zu lassen, gründete er den NSA-Spion-Schutzbund. "Zum Start von 'NSA-Spion-Schutzbund' am 4. Juli gab es ein Mitglied, nun sind es ein paar mehr", sagt Baggert dazu. Diese paar mehr sind mittlerweile über 3000 Likes.

Baggert ist nicht der erste, den ein vermeintlicher Scherz im Internet in Kontakt mit der Polizei bringt. 2012 wurde zwei britischen Touristen die Einreise in die USA verweigert, nachdem einer von ihnen vor seiner Abreise auf Twitter gescherzt hatte, er werde Amerika zerstören und Marilyn Monroe ausbuddeln. Bei seiner Ankunft in den USA schnappten am Flughafen von Los Angeles bei Leigh Van Bryan die Handschellen zu. Zwölf Stunden verbrachte der damals 26-Jährige in einer Zelle mit mexikanischen Drogendealern, bevor er zurück in den Flieger nach Großbritannien musste.

"Free this week, for quick gossip/prep before I go and destroy America?" ("Wer hat Zeit für kurzen Schnack bevor ich Amerika zerstöre?”) hatte Van Bryan getwittert. Alle Versuche den US-Beamten zu erklären, dass "destroy" britischer Slang für "Party machen" sei, liefen ins Leere. Er und seiner Begleiterin Emily Banting standen in Verdacht, eine Straftat zu planen. Zu den Vorwürfen kam ein weiterer Tweet, in dem Van Bryan die US-Serie "Family Guy" zitiert hatte: "In drei Wochen sind wir in LA, ärgern Leute auf dem Hollywood Blvd und buddeln Marilyn Monroe aus". 

Immerhin entgingen Van Bryan und Banting einer Anzeige. In Großbritannien musste sich ein Mann namens Paul Chambers für einen vermeintlichen Spaß-Tweet vor Gericht verantworten. Wegen schlechten Wetters war im Januar 2010 der Robin Hood Airport in South Yorkshire geschlossen worden. Chambers setzte am 6. Januar einen Tweet ab: "Mist! Robin Hood Airport ist geschlossen. Ihr habe eine Woche um das Ding wieder in Gang zu kriegen, sonst puste ich den Flughafen in die Luft!" Der 26-Jährige wollte am 15. Januar von dem Flughafen aus nach Irland fliegen. Stattdessen wurde er an seinem Arbeitsplatz von einer Anti-Terroreinheit festgenommen. Fünf Monate später wurde Chambers zu einer Strafe von knapp 400 Pfund zuzüglich den Verfahrenskosten verdonnert – weil sein Tweet einen bedrohlichen Charakter gehabt hätte. Der Engländer verlor seinen Job durch den Vorfall. Er ging in Revision – einmal, zweimal, dreimal. Erst der High Court in London sprach Chambers 2012 schließlich frei.

Während Chambers, der im Laufe des Gerichtsmarathons viele prominente Unterstützer wie die Komiker Stephen Fry und Al Murray hinter sich versammelte, sich in Zukunft einen Bombenscherz wohl zweimal überlegen sollte, lässt sich der NSA-Spionschützer Baggert nicht so leicht einschüchtern. Der geplante Spaziergang am zweiten Juli-Wochenende fand statt, wenn auch in Begleitung von zwei Polizeiautos und als angemeldete Demonstration. Spione bekamen die Entdecker zwar nicht zu sehen - trotz "Lockrufen". Die nächste Aktion ist schon geplant: Am Samstag lädt Baggert zum Picknick vor der Einrichtung - und der junge Protestler im Ed-Snowden-Solidaritäts-T-Shirt ruft Teilnehmer dazu auf, sich als riesige Papp-Kamera zu verkleiden.

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