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Sarkozy erwägt Boykott China bügelt Vermittlungen ab

Trotz der anhaltenden Proteste der Tibeter lehnt Peking hartnäckig jede ausländische Vermittlung zur Beilegung des Konflikts ab. Bei neuen Unruhen sind Berichten zufolge mindestens ein Polizist sowie ein tibetischer Mönch getötet worden. Nach Angaben von Exiltibetern sind bei den zehntägigen Protesten gegen die chinesische Fremdherrschaft rund 140 Menschen ums Leben gekommen.

Das religiöse Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, rief seine Landsleute erneut zu Gewaltfreiheit auf und drohte mit seinem Rücktritt. Sollte es weiterhin gewalttätige Demonstrationen geben, habe er keine Wahl, als sich von der politische Bühne zurückzuziehen.

Auf die Krise in Tibet habe er keinen Einfluss, sagte der Dalai Lama der indischen Nachrichtenagentur PTI in Neu Delhi. Daher könne auch er nur "abwarten", wie sich die Situation entwickelt. Der Dalai Lama nimmt in der tibetischen Exilregierung offiziell keine Funktion ein, doch sehen ihn seine Landsleute als Oberhaupt des tibetischen Volkes.

Trotz seiner Aufrufe zur Gewaltlosigkeit warf ihm Chinas Außenministerium vor, "die Gewalt, Tötungen, Zerstörungen und Brandstiftungen" in Lhasa von langer Hand organisiert zu haben. "Wir hoffen, dass die internationale Gemeinschaft sich ein klares Bild von dem Wesen des Dalai Lamas und seiner Clique machen kann und ihnen keine Unterstützung leistet", sagte der Sprecher Qin Gang.

Frankreich schaltet sich ein

Eine ausländische Vermittlung lehnt China weiter ab, sagte der Sprecher. "Tibet ist eine innere Angelegenheit Chinas und erlaubt keine ausländische Einmischung" Wie bereits der britische Premierminister Gordon Brown will sich nach Angaben der Zeitung "Le Figaro" auch die französische Regierung einschalten.

Der Berater des Präsidenten, Jean-David Levitte, arbeite hinter den Kulissen für eine Kontaktaufnahme zwischen beiden Seiten. Frankreichs Staatssekretärin für Menschenrechte, Rama Yade, schloss nicht aus, den Dalai Lama auch in Frankreich zu empfangen. "Unsere Tür steht ihm offen."

Vor solchen Treffen, die auch in Großbritannien und Polen geplant sind, warnte der Sprecher des Außenministeriums in Peking: "Ihm eine Plattform für seine separatistischen Aktivitäten zu geben, ist nicht angemessen." Ausländische Regierungen forderte der Sprecher auf, den Schutz von chinesischen Botschaften und Konsulaten zu gewährleisten. In 17 Ländern seien Einrichtungen Chinas beschädigt oder die Sicherheit von Diplomaten bedroht worden. Bei den seit Tagen andauernden Protesten von Exil-Tibetern in Nepals Hauptstadt Kathmandu wurden erneut mehr als 100 Demonstranten festgenommen.

China kritisiert Boykott-Diskussion

China kritisierte Überlegungen europäischer Politiker über einen möglichen Boykott der Olympischen Spiele. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy schließt einen Boykott der Olympia-Eröffnungsfeier in Peking nicht aus. Auf die Frage, ob er den Vorschlag eines Boykotts wegen des chinesischen Vorgehens in Tibet unterstütze, sagte Sarkozy: "Alle Optionen sind offen, ich schließe zu keiner Möglichkeit die Tür." China müsse die weltweite Besorgnis wegen der Tibet-Frage verstehen. "Ich werde meine Entscheidung der Entwicklung der Lage anpassen."

US-Präsident George W. Bush will trotz des international kritisierten Vorgehens der chinesischen Behörden in Tibet an seiner Reise zu den Olympischen Spielen in Peking festhalten. Die Spiele seien in erster Linie ein sportliches und kein politisches Ereignis, sagte Bushs Sprecherin Dana Perino am Dienstag in Washington. "Wir vertreten weiterhin die Auffassung, dass es bei den Spielen um den Wettstreit internationaler Athleten geht." Ein Boykott stehe nicht zur Diskussion.

Am Mittwoch wird sich der außenpolitischen Ausschuss des Europäischen Parlaments mit Tibet befassen. Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), hatte am Wochenende in der «Bild am Sonntag» Boykottmaßnahmen nicht ausgeschlossen, wenn es keine Signale Pekings zur Verständigung mit dem Dalai Lama geben sollte.

Die Protestaktion während der Zeremonie zur Entfachung des Olympischen Feuers am Montag in Olympia in Griechenland verurteilte Chinas Regierung als "schändlich". Alle Staaten seien verpflichtet, den reibungslosen Ablauf des Fackellaufes zu gewährleisten. Drei Franzosen von der Organisation "Reporter ohne Grenzen" hatten lautstark gegen die Niederschlagung des Aufstandes der Tibeter protestiert.

Journalisten kehren nach Lhasa zurück

Mehr als eine Woche nach Ausbruch der Unruhen in Lhasa wird für ein Dutzend ausgewählter ausländischer Journalisten ein Besuch in Tibets Hauptstadt organisiert. Damit reagiert das Außenministerium auf Proteste gegen das Verbot für Korrespondenten, in die Unruhegebiete zu reisen. Die Gruppe soll am Mittwoch aufbrechen. In Lhasa sind Interviews "mit Opfern der verbrecherischen Aktionen" und Besuche an Orten geplant, "die geplündert und niedergebrannt worden sind". Die Journalisten werden sich - offiziell aus Sicherheitsgründen - aber nicht frei bewegen können.

Bei neuen Zusammenstößen zwischen Tibetern und Sicherheitskräften in Ganzi (Garze) in der Provinz Sichuan kam am Montag ein Polizist ums Leben. Das Außenministerium teilte mit, eine Gruppe von "Gesetzesbrechern" sei mit Messern und Steinen auf die Polizisten losgegangen. Es seien Warnschüsse abgegeben worden. Nach Angaben exiltibetischer Organisationen wurde in dem selben Gebiet im Luhuo-Kreis am selben Tag mindestens ein 18 Jahre alter tibetischer Mönch von Sicherheitskräften erschossen. Die Truppen hätten mehrmals wahllos auf rund 200 protestierende Tibeter - unter ihnen Nonnen und Mönche - gefeuert. Ein zweiter Mönch sei lebensgefährlich verletzt.

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