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Mauer zum Westjordanland Wenn Beton das Leben zerschneidet

Laut Israel dient die Mauer zum Westjordanland der Sicherheit. Für Palästinenser hat sie dramatische Folgen. Auch für Familie Chatib: Ahmed darf nicht bei seiner Frau und seinen Kindern leben.

Die sechs Kinder von Ahmed und Rokaja Chatib pendeln zwischen zwei Wohnungen: Mal sind sie bei ihrer Mutter in Jerusalem, mal bei ihrem Vater im Westjordanland. Das Schicksal einer gescheiterten Ehe? Mitnichten. Kein persönliches Zerwürfnis, sondern eine Mauer aus Beton trennt die Familie: die Sperranlage, die Israel zum Westjordanland errichtet hat.

Die beiden Wohnhäuser, die auf Familienbesitz gebaut wurden, stehen weniger als zwei Kilometer voneinander entfernt - allerdings auf unterschiedlichen Seiten der Grenze. Während Rokaja und die Kinder im Alter zwischen zwei und 17 Jahren diese Grenze über einen Checkpoint passieren dürfen, verweigert Israel dem 45-jährigen Ahmed die Einreise. Aus Sicherheitsgründen, heißt es offiziell. "Wir können nicht so als Familie leben, wie wir es uns wünschen", sagt der Familienvater. "Es ist kein normales Leben."

„Es ist kein normales Leben“
 

Die Geschichte der Chatibs beginnt in einem Dorf namens Hisme im Westjordanland, unweit von Jerusalem. Nach dem Sechstagekrieg 1967 brachte Israel Ostjerusalem unter seine Kontrolle und dehnte das Stadtgebiet auf das Umland aus. Etwa ein Viertel der Fläche von Hisme gehörte fortan zu Jerusalem, unter anderem fünf Hektar Land, die sich im Besitz der Familie von Ahmed und Rokaja Chatib befinden. Dessen ungeachtet konnten sich die Familienmitglieder weiterhin frei zwischen ihren Grundstücken bewegen. Die neue Grenze war nicht mehr als eine Linie auf der Landkarte. Ahmed wuchs in Hisme auf, während Rokaja ihre Kindheit in einem Haus der Familie verbrachte, das zu Jerusalem zählte.

"Es war eine verlassene Gegend", erinnert sich ihre Mutter Kifaja. Das änderte sich in den 80er Jahren, als Israel begann, auf dem besetzten Land Wohnhäuser zu bauen. Direkt in der Nachbarschaft der Chatibs entstand Pisgat Seev, eine 50.000 Einwohner zählende jüdische Siedlung.

Unterdessen kam Ahmed 1986 ins Gefängnis. Dem damals 17-jährigen Palästinenser wurde vorgeworfen, an einem Angriff der Fatah beteiligt gewesen zu sein, bei dem zwei israelische Soldaten verletzt wurden. Nach zwölf Jahren wurde er wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen.

Zehntausende Palästinenser sind durch Mauer massiv eingeschränkt

Rokaja und Ahmed heirateten. Die Familie lebte in Hisme, aber Rokaja wurde gleichzeitig von ihrer Familie in Jerusalem gebraucht: Zwei Schwestern sind behindert und sitzen im Rollstuhl. Mit dem Bau der Sperranlage, die Israel ab 2002 errichtete, wurde das Pendeln zwischen den beiden Wohnungen zunehmend problematisch. Als Bewohner des Westjordanlands benötigten die Chatibs für Jerusalem eine formelle Einreiseerlaubnis der israelischen Behörden.

In den ersten Jahren, erzählt Ahmed Chatib, habe die Familie den Übergang in Hisme noch passieren dürfen - die Soldaten dort waren kulant. Doch Ende 2008 wurden die Restriktionen verschärft. Rokaja und die Kinder erhielten die notwendige formelle Erlaubnis zum Grenzübertritt, Ahmed dagegen nicht, möglicherweise aufgrund seiner Vorstrafe.

Doch der Familienvater, der für die Palästinensische Autonomiebehörde arbeitet, hält das Sicherheitsargument für einen Vorwand und hat rechtliche Schritt eingeleitet. Er hofft, dass ein israelisches Gericht das Einreiseverbot aufhebt. Einstweilen ist die Familie die Woche über fast immer getrennt. Chatib legt trotz aller Widrigkeiten Wert darauf, dass seine Frau und seine Kinder einen Wohnsitz in Jerusalem behalten. Wären sie längere Zeit abwesend, so befürchtet er, könnten die Behörden das Haus beschlagnahmen.

Kritiker bemängeln, Zehntausende Palästinenser seien durch die Sperranlage und die israelischen Auflagen massiv eingeschränkt. Die Situation sei unhaltbar, zumal viele darauf angewiesen seien, in Jerusalem zu arbeiten oder dort zum Arzt zu gehen. "Jerusalem ist wie ein zugekorkter Vulkan. Und eines Tages wird er ausbrechen", sagt der israelische Anwalt Daniel Seidemann. "Israel hat eine fiktive Linie um die Stadt gezogen und daraus eine physische Grenze gemacht." 

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