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Bildungsbericht 2014 Migranten haben weiter schlechte Chancen

Zwischen "Bewegung und Stillstand" sehen Experten das deutsche Bildungswesen. Stillstand herrscht demnach bei der "unglaublich" hohen Zahl junger Migranten, die ohne Berufsabschluss bleiben.

Menschen mit Migrationshintergrund haben es im deutschen Bildungswesen immer noch deutlich schwerer als Einheimische. Ein Drittel der jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund verfüge über keinen beruflichen Abschluss, heißt es in dem Bericht "Bildung in Deutschland 2014", der in Berlin vorgestellt wurde. Unter den 30- bis 35-Jährigen haben demnach Migranten fünf Mal so häufig keinen allgemeinbildenden und drei Mal so häufig keinen beruflichen Bildungsabschluss wie gleichaltrige Deutsche.

Der vom Bundesforschungsministerium und der Kultusministerkonferenz (KMK) geförderte Bundesbildungsbericht wird seit 2006 im Zweijahres-Rhythmus veröffentlicht. Verfasst wird die umfassende Studie über die Entwicklung des Bildungssystem von der frühkindlichen Förderung über die Schule bis zu Hochschulen und berufliche Bildung unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main. Der Bericht wird auf Grundlage von Daten der Statistikämter, des Mikrozensus und anderer Forschungsdaten erstellt.

Dem aktuellen Bericht zufolge gab es bei der Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund, die keinen allgemeinbildenden oder beruflichen Abschluss erlangen, seit 2005 kaum Veränderungen: Während bei Deutschen zwischen 30 bis 35 die Zahl derjenigen ohne Berufsabschluss in diesem Vergleichsjahr und 2012 konstant bei etwa zehn Prozent lag, betrug der Anteil bei Migranten um 35 Prozent. Besonders hoch liegt der Anteil derjenigen ohne Berufsabschluss bei Menschen türkischer Herkunft, mit knapp 60 Prozent bei den Frauen und knapp 50 Prozent bei den Männern.

Schlechte Position der Migranten hat mehrere Gründe

Der Bildungsforscher Martin Baethge vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen sprach gegenüber Journalisten von einer "unglaublichen Zahl", die sich seit dem ersten Bildungsbericht 2006 kaum geändert habe. Als Ursachen für die schlechte Position von Migranten bei den Abschlüssen vermuten die Forscher mehrere Gründe: zum einen sind dies kulturelle, etwa wenn eine Ausbildung für Frauen nicht für nötig befunden wird. Außerdem hätten viele Unternehmen nach wie vor Vorbehalte gegen ausländische Bewerber.

Schüler mit Migrationshintergrund besuchen dem Bericht zufolge zudem weiterhin erheblich seltener das Gymnasium und überdurchschnittlich häufig die Hauptschule. Fast die Hälfte von ihnen landet auch aus diesem Grund nach der Schule im sogenannten Übergangssystem, einjährigen Angeboten zur Vorbereitung auf eine Berufsausbildung.

Insgesamt ziehen die Autoren des Berichts ein gemischtes Fazit: "Der Bericht zeigt ein Bildungswesen zwischen Bewegung und Stillstand", fasste es der Sprecher der Forscher, Marcus Hasselhorn vom DIPF, zusammen. Zwar lasse sich "ein Trend zu mehr Bildung" wahrnehmen. Zum Beispiel würden Unter-Dreijährige häufiger in Kindertagesstätten betreut. Die Zahl der Abiturienten sei zuletzt auf 57 Prozent gestiegen, die Zahl der Studienanfänger in den vergangenen 13 Jahren von 200.000 auf 500.000. Nicht alle gesellschaftlichen Gruppen seien aber "Teil dieser Dynamik", so wachse nach wie vor jedes dritte Kind in einem erwerbslosen, armutsgefährdeten oder bildungsfernen Elternhaus auf.

Handlungsbedarf sehen die Forscher im Bereich der frühkindlichen Bildung, wo nach dem Ausbau des Angebots an Betreuungsplätzen nun die Qualität im Vordergrund stehen müsse. Bei den Ganztagsschulen fordern sie ein klares organisatorisches Konzept. Angesichts des Rückgangs von Ausbildungsplätzen müsse zudem die Beziehung von Berufs- und Hochschulausbildung überdacht werden.

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