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Raketen auf Gaza Der Tod kommt leise

Die Menschen im Gazastreifen leben in ständiger Angst. Die Israelis wollen Hamas-Stellungen im Gazastreifen zerstören. Dabei kommen immer wieder Zivilisten ums Leben. Israel sieht sich im Recht.

Der Tod kommt leise. Die Palästinenserfamilie Al-Hadsch hörte nichts. Gegen 2.00 Uhr morgens schlug die Rakete in ihr Haus im Gazastreifen ein - und mit einem Mal war eine achtköpfige Familie tot.

Die israelischen Raketen trafen das Haus der Familie im palästinensischen Flüchtlingslager Chan Junis im Süden des schmalen Territoriums. Der Angriff war Teil der Offensive des Militärs gegen die radikalislamische Hamas. Israel hat seit Dienstag mehr als 1100 Ziele attackiert, die es als Zentralen oder Unterschlüpfe von Terroristen identifiziert. Die Bilanz: Mindestens 95 Tote, darunter Dutzende Zivilisten wie die Al-Hadschs. Jasser al-Hadsch überlebte als einziger Angehöriger, weil er zur Zeit des Angriffs Donnerstagnacht nicht zu Hause war. "Ich will meine Familie sehen", klagt er. "Wo ist das Haus? Wo ist meine Familie?" Sein Nachbar Ijad Hamad sagt, unter den Toten der israelischen Angriffe seien Kinder, Frauen und alte Menschen. "Mehr Unterdrückung kann es nicht geben. Sehen die nicht, was mit den Menschen hier passiert?"

"Die Hamas mischt sich absichtlich unter die zivile Bevölkerung"

Die, das sind die Israelis, aber auch die Mitglieder der internationalen Gemeinschaft. Israels Militärsprecher Peter Lerner sagt, der Fall der Familie Al-Hadsch werde untersucht. Die Armee hat mehrfach versichert, dass sie zivile Opfer bei der Offensive gegen die Radikalen vermeiden will.

Dazu trifft das Militär mehrere Vorsichtsmaßnahmen, wie Lerner erklärt. Wenn Israel ein Haus als "Kommando- und Kontrollzentrum" der Hamas ausmache, würden die Bewohner zunächst angewiesen, das Gebäude zu verlassen. Dann werde als erstes eine Art Platzpatrone ohne Sprengkraft auf das Dach abgefeuert, als Warnung, sagt Lerner. Dadurch hätten die Menschen Zeit, das Haus zu verlassen. Erst dann folge der explosive Beschuss.

Wenn Extremisten ein ziviles Haus zur Deckung benutzten, werde dieses Gebäude aber zu einem legitimen Ziel, rechtfertigt Lerner. Durch so eine Taktik brächten sie auch die Menschen um sich herum in Gefahr. "Die Hamas mischt sich absichtlich unter die zivile Bevölkerung", sagt er.

Um Ziele im Gazastreifen zu identifizieren, setzt das Militär elektronische Überwachungstechnik und ein Netz aus Informanten und Spitzeln ein. Seit Jahren geht Israel mit gezielten Tötungen durch Luftangriffe gegen die Hamas vor. Dabei kommen auch immer wieder Zivilisten um.

Israels Vorgehen in rechtlicher Grauzone

Rechtlich liegt Israels Vorgehen in einer Grauzone: Das Völkerrecht verbiete die gezielte Tötung von Zivilisten, sagt Robbie Sabel, ehemaliger Berater im israelischen Außenministerium. Doch räumt das Recht ein, dass Zivilisten bei Angriffen auf militärische Ziele in Mitleidenschaft gezogen werden können. Die Angriffe müssten jedoch "verhältnismäßig" sein, erklärt er. Was verhältnismäßig ist, ist mit dem Recht schwer zu definieren und weicht leicht von der öffentlichen Wahrnehmung ab. Bilder von toten Kindern in der Zeitung seien schrecklich, sagt Sabel. Wenn die Emotionen zu groß würden, helfe keine juristische Erklärung oder Rechtfertigung mehr.

US-Präsident Barack Obama hat beide Konfliktparteien zur Deeskalation, zum Schutz von Zivilisten und zur Ruhe ermahnt. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die vielen zivilen Opfer. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, Israel werde "jede Bemühung" unternehmen, um zivile Opfer zu vermeiden. Der Hamas warf er vor, ihre Mitbürger zu gefährden, indem sie sich "hinter palästinensischen Zivilisten versteckt". Wenn die Luftangriffe aus israelischer Sicht nicht ausreichen, um die Hamas zu bekämpfen, könnte eine Bodenoffensive folgen. Experten rechnen damit, dass dabei besonders viele Zivilisten getötet oder verletzt werden könnten.

Doch auch auf der anderen Seite der Grenze leben die Menschen in Angst. Hunderte Raketen feuert die Hamas aus dem Gazastreifen auf israelische Siedlungen im Süden des Landes - auch die Großstädte Tel Aviv und Jerusalem sind in ihrer Reichweite. Bislang richteten die Raketen kaum Schaden an, zahlreiche Geschosse werden in der Luft vom Abwehrsystem "Iron Dome" (Eisenkuppel)abgefangen. Der Alltagsrhythmus der Menschen in Israel wird vom ständigen Raketenalarm bestimmt. Wenn die Sirenen heulen oder eine spezielle App auf dem Smartphone Alarm schlägt, ziehen die Menschen in die Luftschutzbunker. Lian Assajag aus der südlichen Stadt Aschkelon wollte ihre Hochzeit groß feiern. Doch Raketenalarm störte die Feier. Letztlich heiratete sie Donnerstagnacht im Luftschutzbunker einer Synagoge. "Alles ist durcheinander", sagte sie dem Sender Kanal 10. "Aber es ist okay." 

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