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MH17 über Ukraine abgeschossen Vier Deutsche sterben bei Flugzeugabsturz

Im Osten der Ukraine ist ein Passagierflugzeug der Fluggesellschaft Malaysia Airlines abgeschossen worden. An Bord waren 295 Menschen, alle kamen ums Leben. Auch vier Deutsche waren an Bord.

Eine Passagiermaschine der Malaysia Airlines mit 295 Menschen an Bord ist im Osten der Ukraine abgestürzt und in umkämpftem Gebiet zerschellt. Das berichteten russische und ukrainische Quellen übereinstimmend unter Berufung auf Sicherheitskreise. Es gab offensichtlich keine Überlebenden. Vier Deutsche kamen bei dem Absturz ums Leben. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Unglücks machten sich die ukrainische Führung und die prorussischen Separatisten gegenseitig für einen Abschuss der Maschine vom Typ Boeing 777-200 verantwortlich.

Die Maschine war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Weltweit löste der Absturz Entsetzen aus. Alle 280 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder des Fluge MH17 waren offensichtlich tot. Unter den Opfern waren wohl Dutzende US-Amerikaner und Niederländer sowie vier Franzosen. Ob Deutsche an Bord waren, war zunächst nicht bekannt.

Die Lufthansa und andere Fluggesellschaften reagierten umgehend auf das Unglück und änderten ihre Flugrouten nach Asien. Der ostukrainische Luftraum werde bis auf weiteres weiträumig umflogen, sagte ein Lufthansa-Sprecher in Frankfurt. Die Boeing hatte Amsterdam um 12.15 Uhr Ortszeit verlassen und sollte am Freitagmorgen um 6.10 Uhr malaysischer Ortszeit in Kuala Lumpur ankommen.

Trümmer in großem Umkreis verstreut

Malaysia trauert noch immer um die Opfer von Flug MH 370, der seit dem Start in Kuala Lumpur im März mit 239 Menschen an Bord verschollen ist.

Ukraines Präsident Petro Poroschenko sprach von einem "terroristischen Akt". Er warf den Separatisten vor, die Boeing des Flugs MH17 der Malaysia Airlines abgeschossen zu haben - wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge. Die ukrainische Luftwaffe habe mit der Tragödie nichts zu tun, so der Präsident, der umgehend eine Untersuchungskommission bilden ließ. Die ukrainischen Streitkräfte hätten mit dem Zwischenfall nichts zu tun. "Wir sind überzeugt, dass die Verantwortlichen für diese Tragödie zur Verantwortung gezogen werden."

Rettungskräfte erreichten am Abend das Wrack des Flugzeugs in der Nähe der Ortschaft Grabowo. "Die Arbeiten werden davon erschwert, dass die Trümmer in großem Umkreis verstreut sind", sagte der Sprecher des ukrainischen Notfalldienstes, Sergej Botschkowski. Zudem würden sich zahlreiche bewaffnete Separatisten an der Absturzstelle aufhalten.
 Die Separatisten gaben vor, sie hätten den Flugschreiber der Boeing gefunden. "Die Black Box wurde sichergestellt", sagte einer der Sprecher der Aufständischen, Konstantin Knyrik. Auch Experten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) machten sich auf den Weg zum Wrack.

Merkel zeigt sich schockiert

Die Separatisten boten am Abend eine befristete Feuerpause während der Bergungsarbeiten an. "Wir sind zum vorübergehenden Waffenstillstand mit den Behörden bereit, um eine Untersuchung des Flugzeugunglücks zu ermöglichen", sagte der selbst ernannte Premierminister der nicht anerkannten "Volksrepublik" Donezk, Alexander Borodaj.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich schockiert und forderte eine umgehende und unabhängige Untersuchung. Merkel trauere um die Opfer des Absturzes der malaysischen Passagiermaschine, ihr Mitgefühl gelte den Angehörigen, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. "Sollte sich diese Nachricht (vom Abschuss) bestätigen, so stelle sie eine weitere, tragische Eskalation des Konfliktes im Osten der Ukraine dar."

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier forderte eine internationale Untersuchung. "Dass Hunderte völlig Unbeteiligte auf diese furchtbare Weise ums Leben kommen, versagt mir die Sprache", sagte Steinmeier bei einem Besuch in Mexiko-Stadt. Auch die EU forderte eine internationale Untersuchung des Absturzes. Es müsse freien Zugang zu der Absturzstelle geben, forderte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Brüssel.  Das Flugzeug sei auf einer Höhe von 10.000 Metern von einer Flugabwehrrakete abgeschossen worden, sagte Anton Geraschtschenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums, nach Angaben der russischen Agentur Ria Nowosti.

Abschuss durch Buk-Flugabwehrsystem?

Die prorussischen Kräfte warfen den ukrainischen Streitkräften den Abschuss vor. Die Boeing 777 sei nahe der Großstadt Donezk abgestürzt, sagte "Premier" Borodaj. Die Aufständischen hätten keine Abwehrwaffen, um Maschinen in einer Höhe von 10.000 Metern abzuschießen. Es handele sich um eine "Provokation" der ukrainischen Luftwaffe, sagte Borodaj.

Die Separatisten hatten zuletzt mehrfach zugegeben, ukrainische Kampfjets, Transportmaschinen und mehrere Hubschrauber abgeschossen zu haben. Nach offiziell unbestätigten Twitter-Berichten haben die Separatisten behauptet, ein Buk-Flugabwehrsystem im Verlauf der Kämpfe erbeutet zu haben.

Nach Geraschtschenkos Angaben wurde die Maschine von einer Rakete aus einem Buk-Flugabwehrsystem (Buk, Russ. Buche) getroffen. Das in den 80er-Jahren von sowjetischen Militärs entwickelte Lenkwaffen-System kann Ziele in Höhen bis zu 25.000 Metern treffen. 

Die malaysische Regierung bestätigte die Berichte über den möglichen Abschuss einer Passagiermaschine von Malaysia Airlines über der Ukraine vorerst nicht und rief stattdessen zur Ruhe auf. "Wir haben keine Bestätigung für einen Abschuss!", schrieb Verteidigungsminister Hishammuddin Hussein auf Twitter. "Unser Militär wurde angewiesen, dies zu untersuchen."

In einer ersten Reaktion übermittelte Kremlchef Wladimir Putin der malaysischen Regierung sein Beileid. Er sei traurig über die "Katastrophe über dem Territorium der Ukraine, die so viele Menschenopfer gekostet" habe, schrieb Putin in einem vom Kreml veröffentlichten Telegramm. Großbritanniens Premierminister David Cameron zeigte sich bestürzt: "Ich bin schockiert und traurig."

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