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Angebliche Separatisten-Gespräche "Sie sollten hier verdammt nochmal nicht fliegen"

Wer hat das Flugzeug der Malaysia Airlines über der Ostukraine abgeschossen? Angeblich abgehörte Telefonate sollen die Separatisten belasten. Doch in der Ukraine findet ein Propaganda-Krieg statt.

Die Hinweise auf einen Abschuss der über der Ostukraine abgestürzten Passagiermaschine mit 298 Menschen an Bord verdichten sich. Wer aber das Flugzeug der Malaysian Airlines beschossen haben könnte, ist unklar. Die Konfliktparteien in der Ukraine machen sich in einem regelrechten Propaganda-Krieg gegenseitig für die Katastrophe verantwortlich.

Bilderserie: Wenn Passagierflugzeuge abgeschossen werden

Von der ukrainischen Regierung verbreitete Informationen legen nahe, dass prorussische Separatisten die Passagiermaschine mit einem ukrainischen Militärflugzeug verwechselt und deshalb abgeschossen haben könnten. Dem widerspricht jedoch eine Einschätzung der Generalstaatsanwaltschaft Kiews, derzufolge die Separatisten gar keine Boden-Luft-Raketen hätten und die Schuld stattdessen bei Russland zu suchen sei.

Verräterischer V-Kontakte-Post

Der in Amsterdam gestartete Flug MH17 befand sich gerade über der Region um Donezk, als das Flugzeug um 15.20 Uhr (MESZ) vom Radar verschwand. Nur 17 Minuten später schrieb der Verteidigungsminister der von den Separatisten ausgerufenen "Republik Donezk", Igor Strelkow, auf der russischen Internetplattform VKontakte: "Wir haben gerade eine An-26 abgeschossen" - ein Transportflugzeug aus sowjetischer Produktion, das auch im Dienst der ukrainischen Luftwaffe steht.

Neben dem Eintrag auf dem sozialen Netzwerk war Videomaterial zu sehen, das stark den Aufnahmen vom Absturzort der malaysischen Maschine ähnelte. Zudem schrieb Strelkow, das von den Rebellen abgeschossen Flugzeug sei nahe der Mine Progress niedergegangen - unweit der Absturzstelle von MH17.

Bereits mehrfach Armeeflugzeuge abgeschossen

Kiew hatte zuletzt mehrfach beklagt, dass die Separatisten ukrainische Militärflugzeuge abgeschossen hätten, darunter Mitte Juni auch eine Antonow-26. Am Montag hatte das ukrainische Militär dann Russland vorgeworfen, eine Transportmaschine vom Typ An-26 abgeschossen zu haben. Am Donnerstag meldete Kiew dagegen keinen derartigen Verlust.

Strelkows Eintrag auf VKontakte wurde kurze Zeit später wieder gelöscht. Die ukrainische Armee hatte den Post da aber schon aufgezeichnet und in einer englischsprachigen Übersetzung an die Presse weitergeleitet.

"Es waren die Jungs von der Straßensperre Tschernuchin"

Zudem verbreitete der ukrainische Geheimdienst SBU Telefonmitschnitte zwischen zwei Rebellenführern, die abgehört worden seien. In den Tonaufnahmen sagt einer der beiden Abgehörten: "Es waren die Jungs von der Straßensperre Tschernuchin, die das Flugzeug abgeschossen haben, Major." Am anderen Ende der Leitung fragt jemand: "Ja und, Grek?" Die Antwort: "Es war ein zu hundert Prozent ziviles Flugzeug."

Etwas später fragt die als Grek bezeichnete Person, ob es an der Absturzstelle irgendwelche Überreste von Waffen gibt. Die Antwort des Majors darauf: "Absolut nichts. Zivilie Dinge, medizinische Sachen, Tücher, Toliettenpapier." "Gibt es Pässe?", will "Grek" daraufhin wissen. Und der Major antwortet: "Ja, von einem indonesischen Studenten. Von einer Universität in Thompson."

Ein unbekannter Teilnehmer der Telefonkonferenz erklärt: "Es gibt eine Menge Leichen von Frauen und Kindern. Die Kosaken sagten im Fernsehen, es sei ein AN-26 Transportflugzeug, aber auf dem Flugzeug soll Malaysia Airlines stehen. Was hat es im ukrainischen Luftraum gemacht?" Der Kosaken-Anführer Nikolay Kozitsin sagt daraufhin: "Das bedeutet wohl, dass sie Spione transportiert haben. Sie sollten hier verdammt nochmal nicht fliegen. Hier findet ein Krieg statt."

Schon einmal Passagiermaschine abgeschossen

Doch auch, dass die ukrainische Armee für den Abschuss verantwortlich ist, kann nicht ausgeschlossen werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Passagiermaschine von einem ukrainischen Geschoss getroffen wurde. Am 4. Oktober 2001 explodierte eine Tupolew-154 der russischen Fluglinie Sibir, von Israel kommend über dem Schwarzen Meer. 78 Menschen - die meisten Israelis - kamen ums Leben.

Eine Woche später gab Kiew zu, dass die Katastrophe auf den irrtümlichen Abschuss einer ukrainischen Rakete zurückzuführen sei. Im aktuellen Fall bestreitet die Regierung in Kiew hartnäckig, etwas mit dem Absturz zutun zu haben. Auch die meisten Experten halten es für unwahrscheinlich, dass die Armee hinter dem Raketenangriff steckt.

Haben Separatisten gar keine Raketen?

Doch wären die Separatisten überhaupt dazu in der Lage gewesen, eine in zehn Kilometern Höhe fliegende Maschine abzuschießen? In ihren letzten Statements bestreiten sie dies. Allerdings hieß es noch einige Stunden vor dem Absturz auf dem Twitter-Konto der "Republik Donezk", dass die Rebellen der ukrainischen Armee Boden-Luft-Raketen vom Typ Buk entwendet hätten. Auch dieser Eintrag wurde inzwischen wieder gelöscht.

Am Freitag erklärte der ukrainische Generalstaatsanwalt Witali Jarema, die Separatisten hätten nach Kenntnis ukrainischer Behörden keine Raketenflugabwehrsysteme vom Typ "Buk" für den Abschuss von Flugzeugen in ihrem Besitz. Die Aufständischen hätten - anders als von ihnen selbst behauptet - keine einsatzfähigen Waffensysteme dieser Art erobert, so der Beamte in Kiew. Aus Sicht der Ukraine führt die Spur nach Russland.

Die ukrainische Armee hatte noch vor dem Absturz der Boeing 777 bestätigt, dass die Separatisten über Buk-Raketen verfügten. Diese können nach Herstellerangaben Ziele in bis zu 25 Kilometern Höhe treffen.

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