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Der Westen ist machtlos Libyen versinkt im Chaos

Milzen, Stammesgruppen, Militärverbände: Mehrere Gruppen kämpfen in Libyen um die Macht. Drei Jahre nach dem Sturz von Muammar al-Gaddafi versinkt das Land im Chaos. Der Westen ist machtlos.

Libyen versinkt im Chaos. Welche Milizen, Stammesgruppen oder Armeeverbände gerade gegeneinander kämpfen, ist selbst für Experten nur noch schwer zu überblicken. Inzwischen ist die Lage so eskaliert, dass Frankreich seine Landsleute aus Libyen in Sicherheit brachte und andere Länder wie Deutschland ihre Staatsbürger zur Ausreise aufforderten. Drei Jahre nach dem Sturz des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi steht der Westen der Gewalt weitgehend machtlos gegenüber.

"Der politische Übergangsprozess in Libyen ist praktisch kollabiert", stellt der Libyen-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Wolfram Lacher, fest. Der Westen habe sich nach dem Tod Gaddafis im Oktober 2011 "bewusst" zurückgezogen, "weil es in Libyen ein weit verbreitetes Misstrauen gegen ausländischen Einfluss gibt". Doch die neue Regierung sei von Anfang an zu schwach gewesen; nun seien die Kämpfe verschiedener Gruppen um territorialen Einfluss und politische Macht so eskaliert, dass dem Westen und der UNO "jedes nennenswerte Druckmittel" fehle.

Auch der französische Libyen-Experte Gilles Kepel spricht von einem so noch nie dagewesenen "Chaos" in Libyen, in dem "niemand mehr die Möglichkeiten zur Verhandlung hat". Die reguläre Armee, eine selbsternannte Armee des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar im Osten des Landes, Ex-Rebellen, Islamisten, Stammesmilizen und schlicht Banditen seien in dem Land in Kämpfe verwickelt, sagte er vor wenigen Tagen dem französischen Sender LCI.

Kepel hatte Frankreich, Großbritannien und den USA, die die Rebellen gegen Gaddafi massiv militärisch unterstützt hatten, schon im vergangenen Jahr vorgeworfen, den politischen Übergangsprozess in Libyen nach dem Sturz Gaddafis unzureichend begleitet zu haben. Andere Experten verweisen hingegen darauf, dass die Libyer dies nicht wollten: "Der Westen hat sehr wohl seine Dienste angeboten", sagt Jason Pack von der Universität Cambridge. Die Libyer hätten diese aber nicht angefordert. Und sie sei ihnen auch nicht aufgezwungen worden.

Angesichts des Reichtums des Landes, das über große Ölvorräte verfügt, seien die Stämme der Ansicht, dass sie keine Hilfe zum Wiederaufbau bräuchten, sagt auch Jean-Yves Moisseron vom Institut für Forschung und Entwicklung (IRD) im südfranzösischen Marseille. Nun habe der Kampf um die Verteilung der Reichtümer zwischen Stämmen und Islamisten einen "Höhepunkt" erreicht.

Droht ein Bürgerkrieg?

Einen Bürgerkrieg sehen die Experten in Libyen aber nicht. Alle hätten viel zu verlieren, vor allem beim Öl, sagt Moisseron. Es könne daher noch neue Allianzen zwischen Stämmen geben. Auch Lacher betont, dass es kein "Gut und Böse" in dem Konflikt gebe. Es fehle an Ansatzpunkten und Persönlichkeiten, die der Westen unterstützen könnte. "Ein Kompromiss, eine Deeskalation, ist nur durch interne libysche Vermittlung etwa durch lokale Eliten möglich."

Eine erneute militärische Intervention des Westens bringt derzeit niemand ins Gespräch. Lacher hält dies auch für ausgeschlossen, weil eine solche Stabilisierungstruppe "sofort zur Zielscheibe" würde. Kepel verweist aber darauf, dass Nachbarstaaten wie Ägypten und Algerien ein Übergreifen des Konflikts oder ein Einsickern islamistischer Kämpfer befürchteten. Er hält daher "eine militärische Intervention in naher Zukunft" der Nachbarn für nicht ausgeschlossen.

Für die westlichen Staaten sieht Lacher im Moment als einziges Druckmittel auf die Konfliktparteien eine Verschärfung von Sanktionen. "Der weitere Export von Waffen und Munition in das Land muss verhindert werden", fordert er. Mit Blick auf die Gemengelage in Libyen fügt er hinzu: "Eine bestimmte Gruppe zu unterstützen, wäre ein Fehler."

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