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Gazastreifen Hoffnung auf eine echte Waffenruhe wächst

Eine Feuerpause zwischen Israel und der Hamas weckt Hoffnungen auf ein Ende des Gazakrieges. Israel zog seine Bodentruppen komplett zurück. In Kairo soll eine langfristige Lösung gefunden werden.

Vier Wochen nach Beginn des Gaza-Konflikts wachsen die Hoffnungen auf ein Ende des Krieges. Eine von Ägypten vermittelte Waffenruhe wurde bis Dienstagabend sowohl von Israel als auch von den militanten Palästinensern eingehalten. Noch vor Beginn der Waffenruhe um 8.00 Uhr Ortszeit (7.00 Uhr MESZ) hatten sich die israelischen Truppen aus Gaza zurückgezogen. Moti Almos, Sprecher der Armee, sagte im israelischen Rundfunk, die nächsten Tage seien "ein Test".

Unter ägyptischer Vermittlung könnte nun ein Rahmen für eine dauerhafte Waffenruhe ausgehandelt werden. Dazu sollen Delegationen Israels und der Palästinenser indirekte Gespräche in Kairo führen. Nach Medienberichten garantierte Israel ranghohen Repräsentanten der militanten Palästinenser in Gaza eine sichere Reise nach Kairo. Das israelische Sicherheitskabinett trat am Dienstagabend zusammen, um über Israels weiteres Vorgehen zu beraten.

Knapp 300.000 Flüchtlinge in UN-Schutzräumen

Die einen Monat dauernde Offensive Israels hat im Gazastreifen schwere Zerstörungen hinterlassen. 65 000 Menschen haben nach UN-Angaben keine Bleibe mehr. Rettungskräfte begannen am Dienstag damit, Leichen aus Trümmerbergen zu bergen. Der palästinensische Außenminister Riad Malki traf sich mit Fatou Bensouda, Chefanklägerin beim internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, um Möglichkeiten einer Anklage Israels wegen Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg zu erörtern. Er kündigte an, dass Palästina noch in diesem Jahr die Mitgliedschaft beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) beantragen werde. Nach Beginn der Waffenruhe strömten viele Bewohner des Gazastreifens zurück in ihre Wohnviertel. "Die Menschen beginnen, die UN-Schutzräume zu verlassen", sagte der Sprecher des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA, Chris Gunness. Mit 267.970 Flüchtlingen in 90 UN-Schutzräumen sei "zum ersten Mal ein leichter Rückgang der Zahlen" zu verzeichnen.

Humanitäre Einrichtungen wollen nun die Versorgung notleidender Palästinenser verbessern. Bei UN-Organisationen hieß es allerdings, sie benötigen dazu wegen der Zerstörungen auch mehr Finanzhilfe. Allein das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) gab den zusätzlichen Bedarf für humanitäre Hilfe in den kommenden drei Monaten mit 48 Millionen Dollar an (rund 36 Millionen Euro). Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begrüßte die Zerstörung von 32 Hamas-Tunneln im Grenzgebiet. "Es gibt keine hundertprozentige Erfolgsgarantie, aber wir haben alles getan, um das bestmögliche Resultat zu erzielen." Wenige Minuten vor der offiziellen Waffenruhe feuerten militante Palästinenser noch etwa 20 Raketen auf israelische Städte wie Jerusalem, Beerscheva und Aschdod ab. Der militärische Arm der Hamas teilte mit, seine Kämpfer hätten damit Rache für Israels "Massaker" im Gazastreifen üben wollen. Nach palästinensischen Angaben reagierte Israel mit Luftangriffen in Gaza und in Chan Junis. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die Vereinbarung der Feuerpause. In einer in New York herausgegebenen Erklärung rief er alle Parteien auf, sich an die 72 Stunden lange Waffenruhe zu halten. Auch ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton äußerte sich erfreut über die Einigung. Man hoffe nun auf eine dauerhafte Waffenruhe.

Nach den Worten des israelischen Regierungssprechers Mark Regev entsprechen die Bedingungen der aktuellen Feuerpause jenen, die Ägypten bereits vor drei Wochen vorgelegt hatte. Die im Gazastreifen herrschende Hamas lehnte sie damals mit der Begründung ab, dass die Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten nicht aufgehoben werde.

Israel bleibt gefechtsbereit

Armeesprecher Peter Lerner sagte, Israel werde weiter auf Angriffe reagieren. "Wir werden Verteidigungspositionen aufrechterhalten." Die Bodenoffensive hatte am 17. Juli begonnen; zuvor waren Ziele aus der Luft angegriffen worden. Insgesamt habe die Armee seit dem 8. Juli 4800 Ziele in dem Palästinensergebiet angegriffen, sagte Lerner. Bei Kämpfen und Luftangriffen seien rund 900 militante Palästinenser getötet worden.

Nach UN-Angaben waren acht von zehn toten Palästinensern Zivilisten. Insgesamt kamen nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mehr als 1860 Menschen ums Leben, knapp 10 000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und drei Zivilisten. Rund 100 verletzte Soldaten werden noch in Krankenhäusern behandelt.

Die israelische Armee habe bei ihren Angriffen etwa 3000 Raketen der militanten Organisationen zerstört, diese wiederum hätten während des Kriegs mehr als 3300 Raketen auf Israel abgefeuert, sagte Lerner. Damit verfügten sie noch etwa über 3000 Geschosse. Die Einwohner im israelischen Grenzgebiet zum Gazastreifen durften am Dienstag in ihre Häuser zurückkehren.

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