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Schottland vor dem Referendum Kleines Land, große Wirkung

Sollte sich Schottland für die Unabhängigkeit von England entscheiden, hätte dies vermutlich Folgen weit über die Landesgrenzen hinaus. Viele Szenarien sind denkbar.

Als eigenständiger Staat wird Schottland nicht länger automatisch Mitglied der beiden westlichen Bündnisse sein, die in Westeuropa für Wohlstand und Stabilität stehen: die Europäische Union und die Nato. Das Land wird sich um die Mitgliedschaft neu bewerben müssen. Unklar ist, wie die Nachbarländer darauf reagieren werden, und ob Schottland auch ohne weiteres Sonderrechte zugestanden werden, wie sie Großbritannien gewährt wurden - zum Beispiel Sonderregeln beim Schengen-Abkommen und der Verzicht auf Einführung des Euro.

Sowohl EU- als auch Nato-Beamte wiesen darauf hin, dass Schottland die Bedingungen für eine Wiederaufnahme in beide Organisationen neu wird verhandeln müssen. Insbesondere für die Nato könnte eine Forderung der jetzigen schottischen Regierung ein Problem darstellen, nämlich, dass ein unabhängiges Schottland atomwaffenfrei sein solle. In diesem Fall müsste ein anderer Standort für die vier U-Boote der britischen Marine gefunden werden, die mit nuklearen Interkontinentalraketen des Typs Trident ausgerüstet sind - sie sind derzeit im schottischen Clyde stationiert.

Machtverschiebung innerhalb der EU droht

Das britische Verteidigungsministerium hatte den Schotten bereits zu verstehen gegeben, dass dies die Verteidigungs- und Abschreckungsstrategie der Nato-Verbündeten gefährden würde. Beharre Schottland darauf, atomwaffenfrei zu werden, könne dies ein bedeutendes Hindernis sein auf dem Weg, Nato-Mitglied zu werden, erklärte die Behörde. Bis das Land in die Nato aufgenommen worden ist, müssten wiederum Regelungen über die Nutzung der Seewege in der Nordsee und im Nordatlantik getroffen werden.

Sollte sich Schottland entschließen, auf eine Nato-Mitgliedschaft zu verzichten, müsste sich das Bündnis mit einem bisher nie vorgekommenen Problem beschäftigen, sagt Daniel Troup, Experte des Nato-Rates von Kanada: Wie geht man mit dem Verlust eines demokratisch regierten Territoriums um, das Teil des westlichen Bündnisses war und sich dann für Neutralität entschieden hat? Innerhalb der Europäischen Union würde die Entstehung eines neuen Staates, der rund fünf Millionen Einwohner hat und in etwa der Größe der Tschechischen Republik entspricht, eine Machtverschiebung bedeuten.

Einfluss Großbritanniens bald geschwächt?

Zunächst würden als Folge des britischen Wahlrechts die politischen Gruppen in England, Wales und Nordirland, die den Ausstieg aus der EU fordern, im Londoner Unterhaus mehr Gewicht bekommen.

Der Verlust Schottlands würde zudem den Einfluss Großbritanniens innerhalb des Europäischen Parlaments schwächen. Dort stellt das Vereinigte Königreich derzeit neben Deutschland und Frankreich die meisten Abgeordneten. Ohne Schottland würde Großbritannien auf Platz vier abrutschen, auf Platz drei stünde Italien. Damit einher ginge weniger Einfluss auf die exekutiven Organe der EU. Innerhalb der EU zähle die Größe eines Landes, sagt Almut Möller von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Es bliebe der Rumpf des Vereinigten Königreiches übrig.

Damit hätte Großbritannien weniger Möglichkeiten, seine Vorstellungen einer Europäischen Union durchzusetzen: eine eingeschränkte politische Union und mehr freie Marktwirtschaft. Zudem, so gibt der Europa-Experte Richard G. Whitman von der Universität in Kent zu bedenken, seien britische Politiker und der öffentliche Dienst des Landes womöglich Jahre damit beschäftigt, die Trennung Schottlands von England verwaltungstechnisch zu bewältigen - mehr als 300 Jahre waren beide Länder eine politische und wirtschaftliche Einheit.

Werden bald mehrere EU-Mitgliedschaften neu verhandelt?

Sowohl in der EU als auch der Nato könnten andere Mitgliedstaaten verhalten auf einen Antrag Schottlands auf Aufnahme reagieren, einige aus innenpolitischen Gründen. In Spanien zum Beispiel strebt unter anderem Katalonien nach Unabhängigkeit, die Regierung in Madrid könnte das Beispiel Schottland nutzen, um die Katalanen in ihren Unabhängigkeitsbestrebungen zu entmutigen. England wiederum könnte aus Gekränktheit über die Zurückweisung - Whitman zieht den Vergleich der Scheidung einer Hollywood-Ehe - das Bestreben Schottlands zurückweisen, Mitglied der beiden Bündnisse zu werden. 

Möller verweist darauf, dass ein Versuch Schottlands, bei der Aufnahme in die EU Sonderregeln auszuhandeln, auch andere Staaten ermutigen könne, ihre Mitgliedschaft in der Gemeinschaft neu zu verhandeln. Die Bundesregierung würde sich entschieden dagegen wenden, betont sie. Demgegenüber sieht Niklas Bremberg vom Schwedischen Institut für internationale Angelegenheiten keine Probleme im Falle einer Unabhängigkeit der Schotten: Die Übergangsphase von 18 Monaten sei ausreichend, um alle Probleme zu lösen.

Fabian Zuleeg vom European Policy Centre (EPC) geht davon aus, dass eine Unabhängigkeit Schottlands den Austritt Großbritanniens aus der EU vorantreiben könnte - im Königreich steht ein großer Anteil der Bevölkerung der EU kritisch gegenüber. "Der Austritt Schottland erhöht die Wahrscheinlichkeit eines EU-Austritts Großbritanniens", sagt er.

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