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Was wäre wenn..? Nordkorea ohne Kim Jong Un

Nachrichten in Nordkorea gleichen einer Einmannshow mit Kim Jong Un. Doch nun ist der Staatschef krank. Ausländische Medien interpretieren ins Blaue: Was wäre, wenn Kim wirklich ausfiele?

Mehr als drei Wochen hat sich Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un schon nicht mehr in der Öffentlichkeit blicken lassen. Vergangenen Donnerstag schwänzte er sogar zum ersten Mal in seiner Amtszeit eine Parlamentssitzung. Die bislang letzten Bilder zeigen einen übergewichtigen Parteiführer, der durch eine Dachziegelfirma hinkt. Der Kommentar des Staatsfernsehens: "Unser Marschall erhellt dem Volk den Weg wie eine Flamme - trotz seines Unwohlseins."

Die Meldung, dass der Führer von Partei, Armee und Volk krank ist, mag für nordkoreanische Verhältnisse ein Ausbund an Transparenz sein. Aber natürlich ist "Unwohlsein" keine Diagnose. Die übernahmen anonyme Quellen und westliche Medien. Vielleicht habe Kim Gicht, meldeten Reporter aus Südkorea - oder Zucker - oder Bluthochdruck. Ein britischer Bericht wollte wissen, den Diktator, der einst in der Schweiz zur Schule ging, habe seine große Leidenschaft für Käse außer Gefecht gesetzt. Eine Schlagzeile in Seoul brachte eine südkoreanische Essgewohnheit als Grund für Kims Unpässlichkeit ins Spiel: Zuviel gebratenes Huhn und Bier.

Wie es Kim wirklich geht, lässt sich nur schwer feststellen. Nordkorea erscheint ausländischen Betrachtern arm und verschlossen, seine Außendarstellung oft voll grimmigem Stolz. Die Staatsmedien verbreiten üblicherweise bis ins letzte Detail inszenierte Filme und Berichte - erst recht, wenn es um die Nummer Eins des Landes geht. Über die Gesundheit von Kims schwerkrankem Vater Kim Jong Il etwa schwieg sich das Fernsehen bis zu dessen Tod aus.

Nichts genaues weiß man nicht

Über Kim ist im Ausland weder das genaue Alter bekannt, noch wie viele Kinder er hat. Um so begieriger greifen ausländische Beobachter nach allem, was auch nur entfernt nach authentischen Informationen über Personen, Machtkämpfe oder Veränderungen in Nordkorea aussieht. Pjöngjangs Propagandaexperten wissen das und machen es sich immer wieder zunutze. Ihre Veröffentlichungen zielen einerseits auf die heimische Publikum - besonders die Elite - und zu einem geringeren Grad auf das Ausland, speziell Südkorea.

Viele Beobachter hatten schon seit einiger Zeit bemerkt, dass Kim offensichtlich zunahm und nicht mehr so gut zu Fuß war. Der offizielle Filmkommentar zum humpelnden Staatschef sei ein Versuch, Gerüchte in der nordkoreanischen Öffentlichkeit zu entkräften, sagt der Nordkoreaexperte der Dongguk-Universität in Seoul, Koh Yu Hwan. Er solle zeigen, dass Kims Probleme auf ganz normalen Wehwehchen zurückzuführen seien.

Trotzdem scheint viele die Vorstellung zu faszinieren, was wohl geschieht, falls der etwa 31-jährige Kim tatsächlich ausfallen sollte. Nordkorea verfügt über eine riesige Armee und eine Handvoll Atombomben und entwickelt dafür Trägerraketen, die bis in die USA fliegen sollen. Nominell ist das Land eine stalinistische Volksdemokratie, doch wird es seit seiner Gründung 1948 von einer kommunistischen Familiendynastie regiert. Großvater Kim Il Sung herrschte bis 1994, dessen Sohn Kim Jong Il bis zu seinem Tod Ende 2011. Enkel Kim Jong Un hat noch keine erwachsenen Erben. Sollte er regierungsunfähig werden, entstünde ein Machtvakuum. 

Südkorea hat ein eigenes Ministerium, dass sich mit den Vorgängen im Norden befasst. Auch dessen Beamte vermuten, dass es um Kim nicht besonders schlimm stehen kann. Sonst hätte Pjöngjang dessen Unwohlsein wohl kaum zum Thema gemacht. Außerdem sei Kim vor zwei Jahren schon einmal etwa drei Wochen nicht öffentlich aufgetreten. Am Montag ließ das südkoreanische Vereinigungsministerium verlauten, die Situation im Norden sei nicht ernst. Die Gerüchte stoppte das nicht.

Wenn in Nordkorea jemand von der Bildfläche verschwindet

Auch andere nordkoreanische Funktionäre sind längere Zeit aus der Öffentlichkeit verschwunden - einige allerdings für immer. Armeechef Ri Yong Ho etwa verschwand 2012 von der Bildfläche. Offiziell verlor er seinen Posten wegen gesundheitlicher Probleme. Eine südkoreanische Zeitung berichtete damals unter Berufung auf "unbestätigte Geheimdienstberichte", Ri habe verhaftet werden sollen. Er und einige Untergebene hätten sich jedoch gewehrt und seien bei einem Feuergefecht verletzt oder getötet worden. Was aus Ri wurde, ist bis heute nicht bekannt.

Kims Onkel Jang Song Thaek galt lange als starker Mann, graue Eminenz und als möglicher Nachfolger Kim Jong Ils. Im Dezember 2013 wurde er entmachtet, aus der Partei ausgeschlossen und öffentlich gedemütigt. Das Fernsehen zeigte, wie er aus einer Politbürositzung heraus verhaftet wurde, angeblich wegen Hochverrats. Anschließend wurde Jang hingerichtet.

Aufmerksame Nordkoreabeobachter haben bereits den nächsten wichtigen Termin in ihren Kalendern vorgemerkt. Am 10. Oktober feiert dort die Partei der Arbeit ihren Gründungstag. - Und was immer auch bis dahin geschieht - alle haben die Möglichkeit, Zeugen einer sorgfältigen Inszenierung zu werden - mit oder ohne Parteichef Kim. 

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