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Politik Konzeptkünstler Richard Artschwager wird 85

Für Richard Artschwager ist Alter nur eine Zahl. «Ich trotte einfach durch und irgendwann wird da eine andere Nummer stehen und ich komme vom zweistelligen Bereich in den dreistelligen», sagte der Konzeptkünstler schon vor ein paar Jahren. Seit heute ist er bei der Zahl 85.

«So geht's weiter», fügte er dann auf Deutsch mit starkem Akzent hinzu. Der Amerikaner mit ostpreußischem Vater und russischer Mutter streut gerne mal schnell ein paar deutsche Ausdrücke in seinen Redefluss.

Artschwagers Werke nehmen eine ungewöhnliche Position zwischen Minimalismus und Pop Art, Konzeptkunst und Fotorealismus ein, lassen sich schwer einer Richtung zuordnen. Objekte wie «Table with Pink Table Cloth» (1964) zählen zum Minimalismus. Eine Vielzahl von Arbeiten, für die er gerne Resopal oder das grobkörnige Hartfasermaterial Celotex benutzt, klassifizieren ihn als Fotorealisten. Seine berühmten «Blips» - schwarze, langgestreckte Ovalformen - sind Konzeptkunst. Arbeiten jüngeren Datums, darunter ein Porträt von George W. Bush (2002) und zwei Selbstporträts (1999 und 2003) zeigen dagegen starke psychologische und emotionale Komponenten.

Eigentlich wollte der 1923 geborene Artschwager Wissenschaftler werden. So wie es sein Vater, ein anerkannter Pflanzenpathologe und -genetiker an der Universität von Las Cruces (US-Bundesstaat New Mexiko) war. Dorthin war die Familie von der Hauptstadt Washington gezogen als Richard Ernst Artschwager zehn Jahre alt war. Dann jedoch kam der Zweite Weltkrieg und er musste sein Biologiestudium unterbrechen. In Wien lernte er während der Besatzungszeit seine spätere erste Frau Elfriede Wejmelka kennen: «Sie sagte mir, ich sollte das mit der Wissenschaft vergessen und mich auf die Kunst konzentrieren und ich war sofort davon überzeugt.»

Er erzählt gerne, wie er von einem Tag auf den anderen beschlossen hat, sein Leben der Kunst zu widmen. 1965 erst hatte er seine erste Einzelausstellung in der New Yorker Galerie von Leo Castelli. Da war er schon über Vierzig. In Wahrheit habe ihn aber die Mutter, eine Hobbymalerin, schon früh inspiriert. «Es war schon immer im Unterbewusstsein vorhanden, ich dachte aber nie, dass es ein Beruf für Erwachsene sein könnte», sagte er einmal. Seine intensiven Studien zu Miro, Matisse und vor allem Cezanne hätten in ihm die Gewissheit gefestigt: «Kunst ist kein Kinderkram.»

Um seine Familie über Wasser zu halten, betrieb er von 1953 an zusammen mit seinem Schwager eine Möbeltischlerei in New York. Mit perfekten handwerklichen Fähigkeiten entwickelte sich innerhalb von zehn Jahren auch sein künstlerisches Vokabular. Hauptthema: Sehgewohnheiten und Wahrnehmungsmuster von Alltagsgegenständen, und wie sie durch den Kontext beeinflusst werden. Charakteristisch ist sein Objekt «Handle» (1962), eine Art Geländer, das fast unsichtbar montiert vor einer Wand «schwebt». Rahmen und Griff zugleich, lädt es zur Benutzung ein, erweist sich dann aber als reiner Kunstgegenstand.

Artschwager gilt als Geheimtipp unter den Gegenwartskünstlern, seine Werke werden zu Höchstpreisen gehandelt. Sie sind im Museum of Contemporary Art in Los Angeles, sowie dem Metropolitan Museum of Art und dem Whitney Museum in New York zu sehen. Heute lebt Artschwager mit seiner vierten Frau Ann Sebring in einer ländlichen Gegend in der Nähe von New York in einer ehemaligen Kirche. Dass er Künstler statt Wissenschaftler geworden ist, hat er nicht bereut: «Ich bin glücklich mit der Kunst und auch mit dem Maß an Unbehagen, das damit verbunden ist. Denn man beginnt jeden Tag damit, dass man nichts weiß.»

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