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Angst vor Terroranschlägen Europäische Juden wandern nach Israel aus

Angesichts der jüngsten Angriffe in Europa erwägen viele Juden einen Umzug nach Israel. Besonders Frankreich ist betroffen. Die Terror-Anschläge in Paris dürften den Trend weiter verstärken.

"Nous sommes tous Charlie" war bei Gedenkveranstaltungen für die Opfer der Anschläge von Paris auf der ganzen Welt zu lesen. "Nous sommes tous des juifs" tauchte deutlich seltener auf, obwohl nach dem Angriff auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" ein weiterer Attentäter vier französische Juden in einem koscheren Supermarkt ermordet hatte.

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Viele Juden fühlen sich angesichts des zunehmenden Antisemitismus in Frankreich und im Rest Europas nicht mehr sicher und erwägen die Auswanderung nach Israel. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wirbt ganz offen um europäischen Juden.

Die französischen Juden hätten das Recht, in Frankreich in Sicherheit zu leben, wenn sie das wünschten, sagte Netanjahu am Sonntagabend in der Großen Synagoge von Paris. "Aber die Juden unserer Zeit sind mit einem weiteren Recht gesegnet, einem Recht, das für frühere Generationen von Juden nicht existierte: dem Recht, sich ihren jüdischen Brüdern und Schwestern in unserem historischen Heimatland anzuschließen", erklärte der Regierungschef weiter. "Jeder Jude, der nach Israel einwandern will, wird mit offenen Armen und aus vollem Herzen willkommen geheißen."

Netanjahus Appell ist umstritten. "Das europäische Judentum ist die älteste europäische Minderheit und wir haben Erfahrung damit, unter allen möglichen Umständen zu überleben", sagt Mosche Kantor, Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses. "Wir werden unser Heimatland nicht aufgeben und das heißt Europa. Wir werden die Geschichte des europäischen Judentums nicht beenden, das ist sicher."

Kantor fordert verstärkte Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Einrichtungen, entschlossenes Handeln gegen Antisemitismus auf dem Kontinent und eine bessere Vernetzung der Geheimdienste im Kampf gegen religiös motivierten Extremismus. Wenn ein jüdischer Europäer sich aber nicht mehr sicher fühle, "dann sollte er in diesem Fall gehen", räumt er ein.

2014 wanderten 7000 französische Juden aus

Viele französische Juden haben diesen Schritt bereits getan. 2014 wanderten 7000 von ihnen nach Israel aus, das waren doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Vor dem Hintergrund des neu entflammten Krieges zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen hatten die Spannungen mit der arabischstämmigen Bevölkerung in Frankreich zugenommen. Aus keinem anderen Land zog es so viele Juden nach Israel wie aus Frankreich.

Die israelischen Behörden bereiten sich nach den Anschlägen von Paris auf eine neue Zuwanderungswelle vor. Einer der Antragsteller wird Johan Dume sein, einer der Geiseln, die sich in dem koscheren Supermarkt fünf Stunden in einem Kühlraum versteckten. Er kündigte im Interview mit dem israelischen Fernsehen an, gemeinsam mit seiner Frau und vier Kindern nach Israel auszuwandern. "Wir werden nicht hier sitzen und darauf warten zu sterben."

Die Zuwanderung nach Israel aus Westeuropa stieg 2014 um 88 Prozent an. Neben Frankreich kamen auch mehr Einwanderer aus Italien, Belgien und Großbritannien, wie die Jewish Agency mitteilte, die Einwanderungsorganisation des Staates Israel. Experten erklären, die Juden in Europa hätten sich seit dem Zweiten Weltkriegs nicht mehr so bedroht gefühlt wie jetzt. Tödliche Anschläge auf Juden wurden in den vergangenen Jahren unter anderem in Toulouse (2012) und in Brüssel (2014) verübt. Die meisten antisemitischen Zwischenfälle wurden in Frankreich gezählt.

Nach den Anschlägen von Paris wurden die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Einrichtungen in ganz Europa verstärkt. Das bestätigten Behörden und jüdische Gemeinden in Deutschland, Italien, Großbritannien, Polen, den Niederlanden und Österreich - ohne Einzelheiten zu nennen.

Viele Juden ergreifen auch eigene Vorsichtsmaßnahmen. Eine israelische Mutter von drei Kindern, die seit mehreren Jahren in Berlin lebt, erklärt, ihre Kinder dürften außerhalb des Hauses nicht mehr Hebräisch sprechen. "Ich habe zu viel Angst, dass jemand merkt, dass wir jüdisch oder israelisch sind und uns verletzten will", sagt die Frau, die ihren Namen aus Angst nicht nennen will. 

"Wir tun alles, damit die Leute sich wohl fühlen"

In den mehrheitlich von Juden bewohnten Stadtteilen im Norden von London, Golders Green und Temple Fortune, fährt die Polizei nun häufiger Streife, während Freiwillige durch die Straßen patrouillieren. Rivki Rokach, Managerin des Supermarktes Kosher Kingdom, erklärte, sie werde ebenfalls die Sicherheitsvorkehrungen verstärken. Die Nachfrage habe sich aber bisher nicht verändert.

"Wir tun alles, damit die Leute sich wohl fühlen." Ein Sprecher der jüdischen Gemeinde in Rom, einer der ältesten der Welt, verweist darauf, dass die Sicherheitsvorkehrungen schon immer strikt waren. Trotzdem stünden die Gemeindemitglieder derzeit unter größerer Anspannung als sonst.

In Frankreich hat die Regierung die jüdischen Staatsbürger ermutigt, im Land zu bleiben. "Frankreich ohne die französischen Juden ist nicht mehr Frankreich", erklärte Premierminister Manuel Valls. Und der französische Oberrabbiner Haim Korsia verweist im TV-Interview auf die 2000-jährige Geschichte der Juden in Frankreich. "Wir träumen auf Französisch, wir denken auf Französisch, unsere Sprache ist Französisch", sagt er. "Offensichtlich ist Frankreich unser Land."

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