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Religiöse Differenzen In Belgien herrscht ein Krieg der Kulturen

Nach dem Terror in Paris rückte plötzlich auch Belgien in den Fokus des Anti-Terror-Kampfes. Gerechnet hatten damit wohl die wenigsten, dabei gibt es dort schon lange einen Kampf der Religionen.

Burka-Verbot versus Scharia in muslimisch geprägten Nachbarschaften - der Krieg der Kulturen bestimmt die Schlagzeilen im 11-Millionen-Staat Belgien. Am Donnerstagabend ein weiterer negativer Höhepunkt: Die Polizei tötet bei einem Antiterroreinsatz zwei mutmaßliche Dschihadisten, 13 Verdächtige werden festgenommen.

Die Regierung ordnet die zweithöchste Terrorwarnstufe an, Polizeiwachen sind verbarrikadiert, jüdische Schulen in Brüssel und Antwerpen geschlossen.

Muslime größte religiöse Gruppe in Brüssel

Die belgische Hauptstadt Brüssel gilt schon seit einigen Jahren als geheime Hauptstadt des Islam. Muslime stellen zwar mit rund 900.000 Mitgliedern in Belgien eine Minderheit - in Brüssel sind sie mit mehr als einem Viertel der Gesamtbevölkerung jedoch die größte religiöse Gruppe.

Der Großteil, etwa 90 Prozent, der Muslime sind Immigranten oder deren Nachkommen. Etwa ein Drittel sind türkischer, zwei Drittel marokkanischer Herkunft. Die "Exekutive der Muslime Belgiens" (Executif des musulmans de Belgique) ist das repräsentative Organ der Muslime gegenüber dem Staat.

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Mit rund 400 Rückkehrern aus Syrien und dem Irak hat Belgien im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße in Europa die mit Abstand meisten "foreign fighters". Besonders viele Kämpfer soll der Hassprediger Fouad Belkacem aus Antwerpen angeworben haben, der die radikal-islamische Organisation "Sharia4Belgium" aufbaute. Mehr als 40 von ihnen stehen seit Monaten im größten Terrorprozess der belgischen Geschichte in Antwerpen vor Gericht. Ein Urteil wird im Februar erwartet.

75 Prozent gehören dem Katholizismus an

Historisch gesehen ist das Land jedoch vom Katholizismus geprägt. Die römisch-katholische Kirche mit ihren acht Bistümern ist zahlenmäßig die größte und traditionsreichste Kirche, die gleichzeitig mit der Gründung des Staates 1832 anerkannt wurde.

Das Oberhaupt ist der belgische Primas Kardinal Andre-Joseph Leonard, der dem Erzbistum Mecheln-Brüssel vorsteht. Nur rund acht bis zehn Prozent der belgischen Bevölkerung sind jedoch praktizierend römisch-katholisch, wenn auch etwa 75 Prozent der Glaubensgemeinschaft angehören. 

Ebenfalls traditionsreich, dennoch zahlenmäßig weniger bedeutsam (etwa ein Prozent der Bevölkerung) ist die Protestantisch-Evangelische Kirche Belgiens. Ihre Anerkennung vom belgischen Staat wurde wie die der römisch-katholischen Kirche bei der Gründung Belgiens 1832 festgelegt und zeichnet sich durch ihre Vielfalt aus.

Staat unterstützt Anstellung von Rabbinern und Erhaltung von Synagogen

Neben der protestantischen Kirche, der reformierten Kirche und der Niederländisch-reformierten Kirche finden der Evangelikalismus, die Pfingstbewegung und andere Charismatische Bewegung auch in Belgien stets mehr Anhänger. Seit der Gründung Belgiens ist auch das Judentum anerkannte Religionsgemeinschaft.

Etwa 100.000 Juden lebten 1935 in Belgien, 26.000 wurden von der deutschen Besatzung deportiert, fast alle nach Auschwitz. Während die Mehrheit in Brüssel eher laizistisch eingestellt Juden sind, entwickelte sich in Antwerpen vorwiegend eine fromme Ausrichtung.

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Das repräsentative Organ der Jüdischen Religion ist das Zentrale Israelitische Konsistorium. Das Konsistorium regelt innere Angelegenheiten, die den Glauben betreffen, andererseits ist es auch Ansprechpartner für die Regierung. Sämtliche Ernennungen müssen vom Königshaus wie der Regierung bestätigt werden, genauso wie die Anstellung des Rabbiners. Dafür finanziert der Staat einen Teil des Rabbinergehaltes und unterstützt die bauliche Erhaltung der Synagogen.

Die wohl bedeutendste ist die "Grande Synagogue" in der Rue de la Regence in Brüssel. Als das Gebäude im 19. Jahrhundert errichtet wurde, sollte die Platzwahl zwischen Königs- und Justizpalast signalisieren, dass das Judentum in Belgien ein Teil der Gesellschaft ist. 2008 setzte die Europäische Rabbiner-Konferenz ein weiteres Zeichen und erkannte der Synagoge den Ehrentitel "Große Synagoge Europas" zu.

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Die Auszeichnung sollte zeigen, dass Juden im wachsenden Haus Europa eine Heimat haben und sich zu seinen Werten bekennen. Doch die etwa 40.000 Juden in Belgien fühlen sich immer unsicherer. Bei einer Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte gaben 77 Prozent der befragten Juden an, sie erlebten Antisemitismus als ein großes Problem. 90 Prozent hatten das Gefühl, der Antisemitismus habe in den vergangenen fünf Jahren zugenommen.

Erst im Mai 2014 hatte der 29-jährige Franzose Mehdi Nemmouche im Jüdischen Museum in Brüssel vier Menschen erschossen - der Täter soll Kontakt zu militanten Dschihadisten haben. 

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