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Rebellenführer Alexander Sachartschenko Separatisten starten Offensive auf Mariupol in Ostukraine

Die Ukraine-Krise droht erneut zu eskalieren. Prorussische Rebellen haben nach eigenen Angaben eine Offensive auf Mariupol begonnen. Präsident Petro Poroschenko berief eine Krisensitzung ein.

Prorussische Rebellen haben nach eigenen Angaben eine Offensive auf die ostukranische Hafenstadt Mariupol begonnen. Der Krieg weitete sich damit wieder über die Rebellenhochburgen Donezk und Lugansk hinaus aus. Beim Beschuss eines Marktes in Mariupol wurden nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens 30 Menschen getötet und 97 weitere verletzt. Stadtverwaltung und ukrainische Regierung machten Rebellen dafür verantwortlich. Präsident Petro Poroschenko berief in Kiew eine Krisensitzung mit der Militärführung ein.

Rebellenführer Alexander Sachartschenko bestätigte nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, dass eine Offensive auf die strategisch wichtige Stadt begonnen habe. Der Vorstoß begräbt vorerst alle Hoffnungen, dass es bald zu einer Waffenruhe zwischen den beiden Seiten kommen könnte. Deutschland und Frankreich hatten sich zuletzt mit der Unterstützung Russlands um einen neuen Anlauf für ein Friedensabkommen bemüht. Die Rebellen lehnten das aber ab und kündigten die Offensive an mehreren Fronten an.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warf den Separatisten vor, sämtliche Friedensbemühungen zu unterlaufen. Nach Sachartschenkos Äußerungen scheine "klar zu sein, wer für diesen Angriff verantwortlich war und wer ganz offenbar ein Interesse daran hat, die laufenden Bemühungen um eine Entschärfung des Konfliktes zu unterlaufen", sagte Steinmeier in vom Auswärtigen Amt übermittelten Äußerungen. Die Berichte aus Mariupol zeigten, dass die Situation "hochgefährlich" sei, sagte Steinmeier. Offenbar suchten die Separatisten "nach einer militärischen Entscheidung".

Mariupol ist strategisch besonders wichtig, weil sich durch eine Eroberung der Hafenstadt eine Landverbindung von der russischen Grenze zur im März von Russland annektierten Halbinsel Krim ergäbe. Sachartschenko kündigte den Beginn der Offensive auf Mariupol an, als er am Samstag in Donezk einen Kranz für die acht Opfer eines Raketenangriffs auf eine Bushaltestelle niederlegte, wie Ria Nowosti berichtete. Auch in Donezk und Lugansk, beides Hochburgen der prorussischen Separatisten, hatten die Gefechte in den vergangenen Wochen dramatisch zugenommen.

Die Rebellen haben Stellungen rund zehn Kilometer vor den Vororten von Mariupol. Die Raketen trafen nach Polizeiangaben Wohnhäuser, Läden und Marktstände, die dadurch in Brand gesetzt wurden. Es seien viele Menschen auf dem Marktplatz gewesen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew trafen drei Geschosse aus Grad-Raketenwerfern Mariupol und Umgebung. "Das Gebiet, das angegriffen wurde, ist riesig", sagte der Bürgermeister der Stadt, Juri Chotlubej, in einer Videobotschaft. "Der Beschuss kam von Militanten. Das ist offenkundig eine russische Aggression, die zu fürchterlichen Verlusten für die Bewohner im Osten der Stadt geführt hat."

"Alle Einheiten sind voll kampfbereit"

Die Stadtverwaltung Mariupols rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Gerüchte über einen bevorstehenden Abzug der Regierungstruppen sollten ignoriert werden. "Alle Einheiten sind im Gegenteil voll kampfbereit" hieß es in einer Erklärung. "Die Sicherheitsmaßnahmen in der Stadt wurden verstärkt." Die Sondermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) verurteilte am Samstag die andauernden Kämpfe in Wohngebieten. Artillerie- und Raketenstellungen in Wohngebieten zögen Gegenfeuer an, das die Zivilbevölkerung gefährde. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini rief Russland auf, seinen Einfluss auf die Rebellen geltend zu machen, um ein Ende der Offensive zu erreichen.

Russland hat eine militärische Unterstützung der Rebellen dementiert. Nach Einschätzung der Nato widerspricht aber bereis die bloße Anzahl schwerer Waffen, über die die Rebellen verfügen, dieser Darstellung. Eine im September in Minsk geschlossene Waffenstillstandsvereinbarung sah den Abzug schwerer Waffen hinter eine Demarkationslinie vor, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Umgesetzt wurde das nicht.

Die Außenminister der Ukraine, Russlands, Deutschlands und Frankreichs hatten zuletzt in Berlin einen erneuten Abzug der schweren Waffen hinter die Minsker Demarkationslinie beschlossen. Die Kämpfe gingen aber unvermindert weiter. Die UN teilten am Freitag mit, die Zahl der Toten in dem Konflikt seit vergangenem April sei auf 5100 gestiegen.

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