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Politik Cruise präsentiert «Operation Walküre» in Russland

Zur Sicherheit sagte es der PR-Mann gleich zu Beginn der Pressekonferenz in Moskau. «Herr Cruise erzählt heute nur vom Zweiten Weltkrieg.» Fragen über Scientology seien «kränkend».

So blieben dem Hollywood-Star im Ritz-Carlton-Hotel an der noblen Twerskaja-Straße unweit des Kreml bohrende Fragen zu seiner Mitgliedschaft erspart. Sanft ging die lokale Presse mit dem 46-Jährigen trotzdem nicht um. «Das Presseheft ist besser als der Film», urteilte das Magazin «Russki Newsweek». Auch die Zeitung «Kommersant» zeigte sich von der Geschichtsdarstellung made in Hollywood wenig überzeugt: «Die Botschaft des Films ist banal: Stauffenberg wollte Hitler töten. Es hat nicht geklappt. Schade, aber das kommt vor.» Cruise war zur Russland-Premiere von «Operation Walküre» von Deutschland aus nach Moskau gereist.

Die Geschichte des Dritten Reichs muss den meisten Menschen in der früheren Sowjetunion, die im Zweiten Weltkrieg die höchste Opferzahl zu beklagen hatte, nicht erst erzählt werden. Am Dienstag gedachte Russland des Endes der fast 900-tägigen Blockade von Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, durch die Wehrmacht vor 65 Jahren am 27. Januar 1944. «Vom deutschen Widerstand haben wir viel in der Schule erfahren», erzählt der Germanistikstudent Andrej. Ein Film über die Ursachen des Faschismus wäre wichtiger als ein «Heldenepos über die Nazi-Elite», meint der 25-Jährige. «Stauffenberg zeigt nur, was man tun kann, wenn es schon zu spät ist.» Vor dem Hintergrund zunehmender rechtsradikaler Straftaten in Russland wäre Prävention wichtiger.

Im Unterschied zu den USA wurde in Russland früh von «guten Deutschen» erzählt. Allerdings ging es in der Sowjetpropaganda nicht vorrangig um Aristokraten vom Schlage Stauffenbergs, sondern eher um Arbeiter mit kommunistischem Parteibuch. Grundsätzlich sind viele Russen bis heute empfänglich für Heldenepen aus dem Weltkrieg. Sowjetfilme, die Taten der Roten Armee heroisieren, sind nicht nur an Gedenktagen fester Bestandteil des Fernsehprogramms. Nach Ansicht der Zeitung «Kommersant» taugt Stauffenberg jedoch nicht zum Idol. Bis zur deutschen Niederlage bei Stalingrad 1943 habe er wie andere Mitglieder des späteren Widerstands «mit Hitler vom Endsieg geträumt», schrieb das Blatt.

«Die Verschwörer wollten keine Demokratie in Deutschland», sagt die Fotografin Olga. «Sie waren eher wie eine Sportmannschaft, die weiterhin Weltmeister werden wollte, nur eben mit einem anderen Trainer», zieht die 31-Jährige einen ungewöhnlichen Vergleich. Ob der Hitler-Attentäter ein Held sei, wollte Cruise nicht eindeutig beantworten. «Ich bin Schauspieler, kein Historiker», wich der Stauffenberg-Darsteller am Rande der Premiere in Moskau aus. Der Film sei ein Thriller, «kein Dokument über den deutschen Widerstand». Für die Gala hatten die Veranstalter den Moskauer Puschkin-Platz weiträumig abgesperrt. Ein Großaufgebot der Polizei schützte die Stars auf dem roten Teppich.

Rund drei Stunden harrten Anhänger des Hollywood-Stars vor dem Premieren-Kino aus. «Ohne Stalingrad hätte es im Juli 1944 kein Attentat gegeben», ist der Tischler Igor sicher, der am Ende das erhoffte Cruise-Autogramm bekam. «Es ärgert mich, dass so getan wird, als habe Stauffenberg die Nazis besiegt. Wer war denn 1945 in Berlin? Die Rote Armee», meint der 44-Jährige. Auch «Russki Newsweek» bemängelt, dass der Film zu eng gefasst sei: «Der Zuschauer sieht den Krieg vor lauter Hakenkreuzen nicht.» Und «Kommersant» stößt sich an «falschem Pathos». Viele Hitler-Gegner seien nicht hingerichtet worden, sondern elend im KZ umgekommen, schrieb die Zeitung: «Anders als im Film, hatte die deutsche Götterdämmerung nichts Feierliches.»

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